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SWR-Doku: Der Großreporter vergibt eine Chance

Von Rainer Braun, 01.05.08, 10:09h, aktualisiert 21.05.08, 21:14h

Mit seiner Reportage "Quoten, Klicks und Kohle" präsentiert sich der SWR-Autor Thomas Leif als "Michael-Moore- Verschnitt" und hinterlässt nichts als Besinnungslosigkeit: Wer einen differenzierten Blick auf die Online-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Die TV-Kritik: Quoten, Klicks und Kohle (ARD, 30.4./23.40 Uhr)

Am Anfang war die Provokation. Schon vor der Ausstrahlung des ARD-Features „Quoten, Klicks und Kohle“ veröffentlichte „tagesschau.de“ ein Interview mit dem Autor Thomas Leif – einen jener Texte, der formal programmbegleitend und inhaltlich pure PR war. Statt kritischer Fragen in eigener Sache zu beantworten, „enthüllte“ der SWR-Chefreporter und Netzwerker mit dem besonderen Faible für außergewöhnliche Recherchen, welch üble Ziele die deutschen Verleger verfolgen: Angeblich wollen sie ARD und ZDF die Zukunft im Internet verbauen, um Profit zu machen und journalistische Standards zu senken.

Wer bis nach Mitternacht aufblieb, um durch Leifs filmischen Beitrag einen etwas differenzierten Blick auf die Kontroversen zu erhalten, wurde freilich enttäuscht. Wie schon im journalismus-ähnlichen Interview auf dem Online-Portal der ARD bot auch „Quoten, Klicks und Kohle“ eher Holzschnitt als Aufklärung.

Mit ein paar harten Fakten sowie etwas mehr journalistischer Gründlichkeit in der Sache hätte der Autor schon aufwarten dürfen. Schließlich war es die zuständige EU-Kommission, die den Ministerpräsidenten der Länder bindend auf den Weg gab, den Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender zu präzisieren. Das hätte Leif zumindest erwähnen müssen, genau wie den Sachstand der aktuellen Diskussion.

Wie Michael Moore - nur ohne Witz und Ironie

Da geht es eben nicht nur darum, was ARD und ZDF sollen und dürfen, sondern auch darum, wer die Aktivitäten der Sender kontrolliert. Sie selbst wollen den entsprechenden „Dreistufentest“ durch die eigenen Gremien vornehmen lassen; Kritiker plädieren für unabhängige Experten, weil sie die Rundfunk- und Fernsehräte schon jetzt überfordert sehen. Leif interessierte das nicht, vielmehr wollte er umgekehrt vorführen, dass die Programmkontrolle der kommerziellen TV-Anbieter durch die Landesmedienanstalten nicht funktioniere. Das war schlicht unredlich, weil Leif die Arbeit der „Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen“ einerseits, die Probleme mit Effizienz und Transparenz der ARD-Gremien andererseits komplett ausblendete.

Ansonsten gefiel sich der leitende SWR-Mitarbeiter vor allem als Michael-Moore-Verschnitt. Freilich gehen ihm bei all seinen Suggestiv-Fragen Witz und Selbst-Ironie des „Enfant terrible“ aus Übersee komplett ab. Stets omnipräsent in Bild und Ton, gerierte Leif sich als rasender Reporter und Kugelblitz, der scheinbar permanent am Puls der Zeit ist und die wirklich Mächtigen der Branche kennt, auch wenn er ihnen nur kurz zuhört.

Atemloses Werk

Schnelle Schnitte, eine hektische Kameraführung und gefühlte 120 O-Töne in 45 Minuten verliehen diesem Feature eine Atemlosigkeit, die an die Anfänge des Internet-Fernsehens erinnerte und vor allem Besinnungslosigkeit hinterließ. Aber die genau war vielleicht gewollt, weil sonst am Ende jemand darüber nachgedacht hätte, warum ausgerechnet ZDF-Intendant Markus Schächter den Lobbyismus der Verleger geißelte, wo doch im Fernsehrat der Mainzer Anstalt rund ein Dutzend hochkarätiger Politiker und Generalsekretäre von Bundestagsparteien sitzen.

Mit dieser Sendung haben der SWR, der für die ARD die Online-Aktivitäten koordiniert, und sein Großreporter eine Chance zur Versachlichung der Debatte selbstverliebt vertan.



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