Erstellt 04.05.08, 08:54h, aktualisiert 04.05.08, 11:46h
Als der siegreiche Lokalmatador nach der zwölften Runde in seiner Ringecke auf die Seile stieg und seinen mächtigen, fast schon quadratischen Oberkörper dem Publikum entgegenreckte, da umspielte ein feines Lächeln seine krumme Nase. Mit 18 erst mit dem Boxen angefangen, mit 26 endlich Profi, mit 37 gegen Virgin Hill (USA) überraschend Weltmeister im Cruisergewicht - und jetzt den so ersehnten WM-Gürtel verteidigt. "Ich bin nicht mehr der Jüngste, aber ich möchte noch gegen die Besten boxen", erklärte Arslan.
Der Hallensprecher hatte ihn sogar mit den Worten "Er ist 87 Jahre alt" angekündigt, ehe er sich hastig verbesserte. Mit Wilson hatte sich Arslan wahrlich kein Fallobst ausgesucht: Der "Ding-A-Ling-Man" begründet seinen Kampfnamen so: "Ich treffe dich, ich werde deine Glocke läuten und schlage dich K.o." Bei seinen 23 Profi-Siegen mussten die Gegner 20 Mal vorzeitig in den Ringstaub. Der Schwerathlet aus Cleveland/Ohio zeigte vor allem in der siebten Runde, über welchen Punch er verfügt.
"Ich habe bis zur letzten Runde gezittert", sagte Arslans Trainer Valentin Silaghi. Doch sein Schützling federte mit seiner hervorragenden Doppeldeckung die Schläge Wilsons immer wieder ab. "Er hat sehr hart gehauen. Ich habe bis zur letzten Sekunde gedacht, ich muss mich vor ihm in Acht nehmen", sagte Arslan unmittelbar nach seinem Erfolg.
"Firat hat sich super verteidigt", lobte Box-Kollege Luan Krasniqi, der seinen Freund im Ring ebenfalls betreute. "Nur ein, zwei Wirkungstreffer hat er einstecken müssen - das ist wirklich ein guter Schnitt", meinte die zurückgetretene Box-Weltmeisterin Regina Halmich in der VIP-Box. Sie hatte in den Vorkämpfen lautstark Alesia Graf angefeuert: Die Doppel-Weltmeisterin aus Stuttgart verteidigte ihren WM-Gürtel durch Technischen K.o. in der fünften Runde gegen die überforderte Brasilianerin Rosilette dos Santos.
Am Ende schauten alle zu Arslan auf, der mittlerweile auch in der
Heimat seiner Eltern ein Star ist. Das Leben des ersten
türkischstämmigen Box-Weltmeisters soll nun sogar verfilmt werden.
"Ich habe das Angebot, nach dem Karriereende in der Türkei als
Schauspieler zu arbeiten", bestätigte der 90-Kilo-Mann, der in
Friedberg geboren ist und mit 24 deutscher Staatsbürger wurde.
(dpa)
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