Von HEINZ TUTT, 07.05.08, 22:46h, aktualisiert 07.05.08, 22:51h
Düsseldorf - Nach einer Serie von Selbstmorden in den Haftanstalten Siegburg und Wuppertal hat Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) am Mittwoch mehr individuelle Betreuung für Häftlinge angekündigt. „Den Gefangenen muss aufgezeigt werden, dass eine Inhaftierung nicht das Ende eines Lebensweges sein muss, sondern diese vielmehr genutzt werden sollte, dem eigenen Leben eine positive Wendung zu geben“, erklärte sie im Landtag.
Seit Ende vergangenen Monats hatten sich drei Häftlinge im Alter von 19, 20 und 27 Jahren in den Haftanstalten das Leben genommen. Trotz psychologischer Betreuung seien Selbstmorde in solchen Einrichtungen nicht immer zu verhindern, betonte Müller-Piepenkötter. Detailliert erläuterte anschließend ein Abteilungsleiter des Ministeriums, wie engmaschig in allen drei Fällen die Betreuung der jungen Leute gewesen sei und dass niemand mit den Selbsttötungen habe rechnen können.
Anders als beim Siegburger Foltermord im Jahr 2006 hatte die Ministerin nach den Selbstmordfällen spontaner und sensibler reagiert. Sie fuhr unmittelbar nach dem zweiten Suizid in die Siegburger Haftanstalt, sprach der Mutter des Opfers Trost zu und beorderte ein Krisen-Interventionsteam mit besonders geschulten Psychologen nach Siegburg, um Nachfolge-Taten zu verhindern.
Die Abgeordneten konnten sich trotz des traurigen Anlasses nicht verkneifen, das Thema parteipolitisch auszuschlachten. Nachdem SPD-Fraktionsvize Ralf Jäger die Frage aufgeworfen hatte, ob im Vollzug die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt seien, konterte Ausschussvorsitzender Robert Orth (FDP) mit früheren Suizid-Fällen in der rot-grünen Regierungszeit: Der damalige Justizminister sei nicht ins Gefängnis gefahren.
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