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Die unergründliche Liebe der Generäle

Von WILLI GERMUND, 08.05.08, 19:58h

Am 10. Mai sollen die Birmanen über eine neue Verfassung abstimmen.

Am 10. Mai sollen die Birmanen über eine neue Verfassung abstimmen.

General Aye Myint Kyu ist ein paar Stunden zu spät. Seine Begründung, als er endlich in Nyaungshwe, einem pittoresken Ort in Birmas Shan-Staat auftaucht: „Wir hatten gestern eine Karaoke-Party, aber der Strom fiel aus und deshalb konnten wir uns erst spät in der Nacht amüsieren, nachdem die Elektrizität wieder da war.“ Mehrstündige Stromausfälle sind für die Birmanen Alltag. Dass ein Offizier seinen feuchtfröhlichen Abend so freimütig als Entschuldigung vorbringt, verwundert die Birmanen selbst nach 42-jähriger Militärherrschaft.

Am 10. Mai veranstalten Myanmars Generäle eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung, die 2010 in Kraft treten soll. Sie wissen genau, dass viele Birmanen die Wahl als Gelegenheit zu einem Misstrauensvotum gegenüber dem Regime betrachten. Die Tendenz dürfte sich durch die fehlerhafte und langsame Reaktion auf die katastrophalen Folgen des Wirbelsturms „Nagris“ noch verstärkt haben.

„Ja, wir wissen, dass wir Fehler gemacht haben“, sagt der 60-jährige General, der einer der Vize-Innenminister des Landes ist, bei seinem Auftritt in Nyaungshwe, „aber verstehen sie doch: Die Fehler sind uns wie Eltern gegenüber ihren Kindern aus einem Übermaß an Liebe passiert.“ Einigen Zuhörern fällt die Kinnlade herunter. Sie haben Verwandte, die jahrelang aus politischen Gründen im Gefängnis saßen. Sie erleben, wie das Regime Oppositionelle rund um die Uhr bespitzeln lässt. Sie wissen, dass mindesten 700 Birmanen im Gefängnis sitzen und teilweise 20 Jahre Haft abbüßen müssen, weil sie im September 2007 an der „Safran Rebellion“ teilnahmen - den größten regierungsfeindlichen Demonstrationen der vergangenen 20 Jahre.

Das alles geschieht, so erfahren sie nun aus dem Mund des Generals, aus einem „Übermaß an Liebe“. „September 2007“, sagt Aye Myint Kyu, „sollten wir vergessen. Schwamm drüber.“ Er warnt eindringlich vor den USA. „Sie müssen wissen“, erklärt er den Zuhörern, „die Amerikaner machen bei all diesen Kriegen wie im Irak und Afghanistan mit, um für jeden Fall trainiert zu sein. Vielleicht planen sie sogar, in Birma einzumarschieren.“

Reservierte Plätze

Die Logik des stellvertretenden Innenministers mag verquer sein. Aber sie erklärt, warum das Regime angesichts der Katastrophe zögerte, ausländische Helfer ins Land zu lassen. Die Verfassung, laut der 25 Prozent aller Parlamentssitze für Militärs reserviert sein werden, weist erhebliche Mängel auf. Aber der Propagandafeldzug für ein „Ja“ beim Referendum macht erstmals nach langen Jahren deutlich, wie die Militärs sich selbst sehen. „Die reservierten Sitze für uns planen wir nur, damit wir im Interesse des Volkes für alle Fälle bereitstehen können“, sagte Aye Myint Kyu.

Bislang, so dachten die Birmanen, sei es eher umgekehrt gewesen. Sie seien da, um die Interessen der Generäle bedienen zu können. Birmas oberster Militärherrscher, „Senior General“ Than Shwe, feilt schließlich seit Jahren an seinem Image. Er besteht auf dem Titel „Vater der Nation“. Doch seine Stimme haben die haben Birmanen noch nie gehört. „Er nennt sich Vater der Nation, spricht aber nie direkt zu uns“, sagt eine Frau. Nicht einmal nach der Wirbelsturm-Katastrophe zeigte sich Than Shwe in der Öffentlichkeit.



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