Von JAN ROSSBACH, 18.05.08, 20:01h
Pulheim-Brauweiler - Die seit 1999 bestehende Konzertreihe „Best of NRW“, ein Gemeinschaftsprojekt der Werner-Richard / Dr.-Carl-Dörken- Stiftung Herdecke, dem WDR und der Kunststiftung NRW, fördert den musikalischen Nachwuchs und organisiert etwa 40 Konzerte pro Jahr in ausgewählten Städten von NRW. Beim jüngsten Konzert der Reihe präsentierten sich der junge Kölner Geiger Erik Schumann, der einst in Brauweiler zur Schule ging, und sein aus Seoul stammender Duopartner Jinsang Lee am Klavier im Kaisersaal der Abtei.
Dass sich die beiden musikalisch blind verstehen und perfekt miteinander harmonieren, war schnell zu spüren. Der Abend begann mit Beethovens Sonate für Violine und Klavier D-Dur op. 12 / 1, in der die beiden Musiker vor allem im Variationensatz ein perfektes Duospiel boten. Die Musik verlangt es hier, dass mal die Violine, mal das Klavier melodieführend in den Vordergrund treten, was die beiden perfekt ausbalancierten.
Ein Sprung ins 20. Jahrhundert folgte mit der Sonate für Violine und Klavier D-Dur op. 94a von Sergej Prokofjiew, ein in klaren Formen und aggressiven Tönen gezeichnetes Werk. Die ebenso temperamentvolle wie konzentriert gefühlsbetonte Haltung und technische Brillanz von Erik Schumann, der national wie international schon renommierte Preise gewann und die Konzertsäle und Festivals der Musikwelt nach und nach erobert, war schlicht beeindruckend. Vor allem im Kontrast zwischen dem furiosen und vom hervorragenden Jinsang Lee alles abverlangende Scherzo und dem schlichten Andante kam die ganze Bandbreite von Schumanns Ausdrucksvermögen zum Vorschein.
Zurück in die romantische Epoche ging es nach der Pause mit der Sonate für Violine und Klavier d-Moll op. 121 von Robert Schumann. In diesem breit und konzertant angelegten Werk stach besonders der dritte mit „Leise, einfach“ überschriebene dritte Satz hervor. Das harmlos dahin tröpfelnde Zupfthema zu Beginn, welches Schumann ganz beiläufig und „harmlos“ anstimmte, ließ noch nichts ahnen von der bald aufkeimenden Klangfülle und den strahlenden Doppelgriffen die mehr und mehr das Geschehen bestimmten. Mit dem bewegten und bewegenden Finale der Schumann-Sonate endete der offizielle Teil, den das sichtlich und hörbar enthusiastische Publikum mit Beifallstürmen würdigte. Erik Schumann und Jinsang Lee bedankten sich mit Brahms' stürmischen Scherzo aus der „Frei aber einsam“-Sonate sowie der berühmten Méditation von Jules Massenet, die so leicht Kitsch verkommen kann. Doch dem steuerte Erik Schumann durch kontrollierten Zugriff ohne jede Rührseligkeit entgegen. Ein mehr als gelungener Kammermusikabend endete schließlich mit „standing ovations“.
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