Von ANNIKA WITZEL, 19.05.08, 20:11h
Das Szenario: Auf dem Gelände wurde illegal gefeiert, Drogen machten die Runde, es kam zu einer Massenschlägerei. In Panik versuchten einige Gäste der Party zu fliehen. Viele wurden vermisst, irrten möglicherweise orientierungslos und verletzt auf dem ehemaligen Werksgelände oder in den verlassenen Hallen umher. Zur Vermisstensuche sollten die Rettungshundestaffeln der DRK-Einheiten die 140 Helfer unterstützen.
Blutrot geschminkt
„Nur eineR Handvoll Leuten war bekannt, dass es sich um einen Übung handelte“, sagte Susanne Land, Pressesprecherin des DRK-Ortsvereins in Porz. „Für die anderen sollte es aussehen wie ein Ernstfall.“ Als „Opfer“ hatten sich 22 Mitglieder der Motoradclubs „MC Thunderbirds“ aus Wesseling und „Mad Dogs“ aus Troisdorf zur Verfügung gestellt, darunter auch Robbie. Seine Wange war blutrot geschminkt und mit ein paar Glassplittern gespickt worden. „Wir sind hier; um alles echter wirken zu lassen, also machen wir auch Krach und schreien laut, damit die Helfer unter Stress arbeiten müssen“, erzählte Opfer-Schauspieler Robbie.
Eine Gemeinschaftsübung wie diese findet laut Susanne Land etwa alle zwei bis drei Jahre statt. Sie soll „die Gemeinschaftsarbeit und die Koordination zwischen den Einheiten testen und verbessern“. Die organisationsübergreifende Zusammenarbeit zeigte sich in mehreren Teilen des Szenarios deutlich. Beispielsweise lag eines der Opfer auf dem Dach des Gebäudes und wurde von den Hilfskräften nicht sofort entdeckt. Die Hunde der Rettungsstaffel spürten den Verletzten auf. Auch hier zeigten sich die Vorteile einer Zusammenarbeit der Retter. Der Verletzte musste nicht vom Dach geschleppt werden, die Feuerwehr konnte ihn mit der Drehleiter bergen.
Hans-Dieter Vey ist stellvertretender Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Porz und seit 28 Jahren bei der Rettungshundestaffel tätig. Mit seinem Hund Xento war er an Rettungsaktionen in der Türkei, im Iran und in Marokko beteiligt. Er war einer der Wenigen, die über die Gemeinschaftsübung von vornherein Bescheid wussten.
Aus diesem Grund hatten er und sein Partner auch an diesem Tag nur zugesehen und nicht selbst mitgemacht. Der Hund sei „schon ganz deprimiert“ gewesen, berichtete Vey. „Wenn es im Erstfall dann auch so klappt, können wir zufrieden sein“.
Der Einsatz verlief insgesamt besser als erwartet, anderthalb Stunden früher als geplant wurde die Übung beendet. Die Einsatzkräfte konnten sich in der provisorisch eingerichteten Kantine stärken, bevor es zur Abschlussbesprechung ging.
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