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Pontifex rockt den Klingelpütz

Von FRANK WEIFFEN, 23.05.08, 23:24h, aktualisiert 24.05.08, 00:16h

Die Band „Pontifex“ spielt für Frauen in der Justizvollzugsanstalt. Zur Band gehören Thomas (Gesang), Henrik (Gitarre), „Mikel“ (Schlagzeug) und „Merlin“ (Bass). Sie spielen vor jungen Frauen zwischen 16 und 20.

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Die Band Pontifex spielt vor jungen inhaftierten Frauen.
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Die Band Pontifex spielt vor jungen inhaftierten Frauen.
Köln - Anne sitzt wieder in ihrer engen Zelle. Wie jeden Abend seit zwei Jahren. „Um neun“, so die 22-Jährige, „ist hier Schicht im Schacht.“ Anne kann dann lesen. Oder fernsehen. Thomas wird das auch tun, nachdem er seine Tochter ins Bett gebracht hat, die gerade ihre ersten Zähnchen bekommt. Sie heißt zufällig auch Anne.

Doch die Welt der kleinen Anne ist eine andere als die der großen, die im „Klingelpütz“ sitzt, was sich niedlich anhört, aber in Köln „Gefängnis“ bedeutet. Und den Schrecken, den dieses Wort verbreitet, hat Thomas heute selbst erfahren, als er mit seiner Rockband „Pontifex“ im „Klingelpütz“ ein Konzert gab. Im Publikum: die „große“ Anne und 40 andere inhaftierte Frauen.

Anne gehört zum „Arbeitskreis Bildung“ der JVA, der sich auch um die Organisation solcher lautstarken Bildungsangebote kümmert - und den Mitinsassen zumindest ab und an zu einem guten Tag verhilft, an dem sie sich austoben können.

Ein „ganz komisches Gefühl“ sei das gewesen, als sich diese schweren Stahltore hinter ihm und seinen Mitmusikern schlossen, sagt Thomas. Er sucht das richtige Wort - und findet es in „beklemmend“. Ein anderes könnte „trostlos“ sein. Denn trostlos ist dieser in den 60er Jahren erbaute, unterirdische Veranstaltungssaal der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ossendorf. Sitzreihen mit braunen Klappstühlen reihen sich aneinander. Die einzige natürliche Lichtquelle sind sechs winzige Fenster in drei Metern Höhe. An den grauen Wänden hängen Plakate von vergangenen Veranstaltungen. Zuletzt war Hape Kerkeling hier und las aus seinem Buch „Ich bin dann mal weg“.

„Pontifex“ - das sind Thomas (Gesang), Henrik (Gitarre), „Mikel“ (Schlagzeug) und „Merlin“ (Bass) - spielen vor jungen Frauen zwischen 16 und 20. Es sind Mädchen, die eigentlich bei „Tokio Hotel“ in der ersten Reihe stehen und nach Herzenslust kreischen sollten. Es sind Mädchen, die Namen tragen wie Yasmin, Luna oder Kimberly. Nach dem Konzert werden „Pontifex“ sagen, dass Wörter wie „Diebstahl, Körperverletzung, Drogendealerei“ nicht zu diesen Menschen passen.

Thomas und Co. geben alles - und ihnen gelingt ein kleines Wunder: Für eineinhalb Stunden holen die Musiker ihr Knastpublikum in die Welt „da draußen“. Die Mädchen wirbeln mit den Haaren, werfen die Arme nach oben. Sie lassen sich gerne mitreißen. Am Ende schüttelt Gitarrist Henrik Hände und blickt in glückliche Gesichter. „Unglaublich“, sagt er. „So eine Begeisterung habe ich noch nicht erlebt.“ Dabei sind „Pontifex“ beileibe nicht unerfahren, in Köln durchaus bekannt und veröffentlichen bald ihre erste professionell produzierte CD. Eins der glücklichen Gesichter gehört der „großen“ Anne.

Lesen Sie am Mittwoch: „Anstoß für ein neues Leben“ - Wie Fußball Jugendliche in der JVA auf ihr Leben „draußen“ vorbereiten soll.



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