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Empört, verletzt und befremdet

Von RONNY BLASCHKE, CHRISTIAN OEYNHAUSEN UND KARLHEINZ WAGNER, 25.05.08, 20:12h, aktualisiert 28.05.08, 17:46h

Die Aussagen von FC-Trainer Christoph Daum zum Thema Homosexualität haben zahlreiche Proteste hervorgerufen - Klub und Fans gehen auf Distanz. DFB-Präsident Zwanziger räumt in Köln Fehler beim Thema Homophobie ein.

1. FC Köln
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Christoph Daum (BILD: DAHMEN)
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Christoph Daum (BILD: DAHMEN)
Köln - Als sich die erste Aufregung am Freitagabend gelegt hatte, waren sie dem Kölner Zirkusdirektor sogar ein bisschen dankbar. Christoph Daum, Trainer des FC, war zum Image-Berater einer Veranstaltung aufgestiegen, die ohne sein Zutun keine breite Öffentlichkeit erreicht hätte. Er hatte nicht viel leisten müssen, sein größtes Talent genügte: Verwirrung stiften. Daum war in einer Dokumentation, die am Mittwoch (18.45 Uhr) im DSF ausgestrahlt werden soll, zum Thema Homosexualität im Fußball gefragt worden. „Ich hätte wirklich meine Bedenken, wenn von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen“, hatte er gesagt und so Homosexuelle indirekt mit Kinderschändern in Verbindung gebracht.

Es wäre unseriös, Daum nur auf Basis dieser Aussage als schwulenfeindlich zu bezeichnen. Der Coach und seine Vorgesetzten bemühten sich um Relativierung, doch ihre Art verdeutlichte einmal mehr, wie gefährlich es ist, wenn sich Unwissenheit mit Ignoranz mischt. „Es war nicht seine Absicht, jemanden zu diffamieren. Es ging ihm mehr um den Kinderschutz“, sagte FC-Manager Michael Meier. Dass er Daums Gedanken nur in andere Worte kleidete und ebenfalls ein altes Klischee bestärkte, schien er nicht zu bemerken. Auch Daums eigener Rückzieher fiel bedenklich aus: „Ich habe keinerlei Berührungsängste zu homosexuellen Menschen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es einige, die gleichgeschlechtliche Beziehungen leben. Kinderschutz geht mir aber über alles. Kinder müssen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, ganz gleich ob von homo- oder heterosexuellen Menschen, geschützt werden.“

„Solche Sprüche hätte ich den 70er Jahren zugeordnet“, sagte Tanja Walther, die frühere Bundesligaspielerin hatte den 2. Aktionsabend gegen Homophobie im Fußball organisiert: „Auch die letzten sollen begreifen, dass wir normal sind und kleine Kinder in Ruhe lassen.“ Der grüne Politiker Volker Beck sagte: „Daum hat sich als nicht besonders informiert und gebildet gezeigt. Er sollte sich das mal erklären lassen. Das passt nicht zu einem Verein, der sich aktiv um die schwule Fangemeinde kümmert. Der FC sollte sagen: Komm, entschuldige dich.“

Die Irritationen durch Daum widerlegte Theo Zwanziger mit langen Plädoyers. Seit Monaten rückt der DFB-Präsident die Bekämpfung von Gewalt und Diskriminierung in den Blickpunkt, auch in Köln. Er gesteht sogar Fehler: „Wir hatten Homophobie lange nicht im Blickfeld. Ich habe gemerkt, dass wir hier Nachholbedarf haben.“ Er hat Fußballern seine Hilfe für eine Selbstoffenbarung zugesagt: „Meine Pflicht ist es, ein Bewusstsein zu schaffen, damit das Ganze nicht zum Spießrutenlauf wird.“ Zwanzigers Bekenntnis wird die Furcht schwuler Spieler nicht mindern, aber es hält die Debatte aufrecht.

Zu Daum äußerte sich Zwanziger zurückhaltend: „Die Äußerungen sind möglicherweise nicht ganz geschickt. Ich habe mit ihm telefoniert und habe keinen Grund zu zweifeln, dass er niemanden diskriminieren wollte.“ Beim FC mehrten sich korrigierende Stimmen: „Es kommt unglücklich rüber. Es ist sein Statement, nicht unseres. Ich habe ihn als sehr toleranten Menschen kennengelernt“, sagt Manager Claus Horstmann. Der Fanbeauftragte Rainer Mendel, ging weiter: „Wir als Klub distanzieren uns davon.“ Und der Fanclub-Dachverband, der 33 FC-Fanclubs vertritt, erklärte: „Wir als aktive Fan-Szene des 1. FC Köln halten (die) Äußerungen mindestens für unglücklich, da sie in unannehmbarer Weise Homosexualität und Pädophilie verknüpfen.“

„Andersrum Rut-Wieß“, der schwul-lesbische Fanclub des FC, zeigte sich „entsetzt“: „Es ist verletzend, wenn lesbische und schwule Lebensweisen in den Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gestellt werden. Dieser Vergleich stellt eine unerträgliche Kriminalisierung unserer Lebensweise dar.“



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