Von KARLHEINZ WAGNER, 22.05.08, 14:53h, aktualisiert 30.05.08, 22:28h
Das Ausmaß dieser Freude und Erleichterung stand dabei in keinem gerechtfertigten Verhältnis zur tatsächlichen Wucht der Vorgänge: Schließlich wird Daum nicht mehr tun, als seinen ohnehin bis 2010 gültigen, extrem hoch dotierten Vertrag zu erfüllen. Jenen Vertrag, der ihm - sofern da jetzt nichts anderes ausgehandelt worden ist - auch weiterhin alle sechs Monate ein einseitiges Kündigungsrecht sichert. Ob beide Seiten, Klub und Trainer, künftig glücklicher miteinander sind, als das bisher der Fall war, muss und wird sich erst noch zeigen.
Denn um auch dies festzuhalten: Der Trainer Daum hat in den eineinhalb Jahren beim 1. FC Köln nicht sonderlich überzeugt. Als Daum nach dem entscheidenden Sieg gegen Mainz im Stadion saß und mit leuchtenden Augen seine "Mission erfüllt" und "sein Versprechen eingelöst" sah, da durfte man sich wundern, warum er bei diesem Versuch, sich sein eigenes Denkmal zu errichten, nicht gleich noch einen Marmorblock, Hammer und Meißel ausgepackt hatte. Mission? Versprechen? Diese Großbegriffe waren in der Tat mit Daums Verpflichtung verbunden worden. Eine Einlösung der Erwartungen freilich hätte einen Aufstieg zwölf Monate vorher vorausgesetzt - und nicht einen kostenintensiven, schlagzeilenträchtigen und wenig beeindruckenden Durchmarsch von Platz acht der Tabelle (14. Spieltag) auf Rang neun (34. Spieltag) der Saison 2006/07.
Keine Rückkehr der Professionalität
Das Wunder des Aufstiegs mit einem Jahr Verzögerung, noch mehr Geld und noch mehr Schlagzeilen war nur dadurch eines, weil der Klub es lange Zeit in bestürzender Regelmäßigkeit geschafft hatte, unter seinen Möglichkeiten, nein: unterhalb alles Vorstellbaren zu spielen. Dass am Ende der Saison endlich souveräne Konstanz und Ansätze von Klasse sicht - und fühlbar wurden, ist nur durch den glücklichen Abschluss Teil einer Geschichte, die von weitem aussieht wie ein Erfolg.
Dem Verbleib Daums vorangegangen war zudem ein unwürdiges Gezeter, Geplapper und Getrickse, mit dem er in unterschiedlichen Medien seine widersprüchlichen Ziele und Absichten offenbar abhängig vom jeweiligen Stand der Sonne variierte. Vor diesem Hintergrund ist Daums Verbleib zunächst einmal eines nicht: die Rückkehr der professionellen Seriosität in den Klub.
Und das wird nun Daums Aufgabe sein: Seine immense Macht, seinen Rückhalt beim Jubel-Anhang und sein offenbares Durchsetzungsvermögen am Verhandlungstisch zu nutzen, um dem Klub auf jeder Ebene - Mannschaft, operatives Geschäft, sportliches Umfeld - eine Identität und Strukturen zu geben, die den Sehnsüchten rund um den Verein gerecht werden und das ewige Wollen durch ein konzentriertes Tun ersetzt.
Wenn ihm das gelingt, dann war der 21. Mai 2008 ein wichtiger Tag in der Geschichte des Klubs. Andersfalls war es nur ein weiteres Stück Affentheater am Geißbockheim.
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