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Frust bei ISE-Mitarbeitern

„Die Motivation ist ganz unten“

Von Daniela Greulich, 03.06.08, 09:15h, aktualisiert 03.06.08, 09:17h

Der katholische Kreisdechant Paul Klauke spricht mit Blick auf die Art und Weise der fristlosen Kündigungen bei der ISE von einer „Katastrophe“. Die Stimmung ist auch bei denen, die die neuen Verträge unterzeichnet haben, auf dem Nullpunkt.

Oberberg - - „Bedrückend“, „komisches Gefühl“, „deprimierte Gesichter im Werk“ - Die Stimmung unter vielen ISE-Mitarbeitern, die gestern Mittag aus dem Werk strömten, war sehr gedämpft, obwohl sie weiterhin beschäftigt werden.

„Die Motivation ist ganz unten“, bemerkte ein Mann, der wie so viele andere nicht namentlich genannt werden will. An 20 Pflichtsamstagen müsse künftig gearbeitet werden, Weiterbildung sei da nicht mehr möglich, sagt einer. Man sei reingelegt worden, findet ein anderer, es gebe weniger Festverträge als versprochen.

Viele bewegt die Frage, nach welchen Kriterien die Mitarbeiter einen unbefristeten, befristeten oder gar keinen Vertrag bekommen haben. Jüngere Leute hätten Zeitverträge bekommen, ältere Festverträge. „Das ist eine Schweinerei“, erzürnt sich einer.

Aber es gab auch andere Stimmen, die mit einem guten Gefühl zur Arbeit gingen und die versprochene Jobsicherung betonten. „Der Arbeitstag war ganz normal wie früher“, sagt ein Mann, „ich sehe positiv in die Zukunft“ ein anderer. „Ich bin froh, dass ich noch Arbeit habe“, kommentiert ein dritter Kollege am Tag eins nach der Übernahme. Wilhelm Dick dagegen war sich schon vorher sicher, dass er weiter beschäftigt wird - als Fachkraft im Presswerk. Neue Informationen erhielten die Mitarbeiter gestern nicht.

Eine Betriebsversammlung soll es nächste Woche geben, kündigt IG-Metall-Chef Norbert Kemper an. Dort soll der Wahlvorstand für die Betriebsratswahl organisiert werden. Etwa zehn bis zwölf Wochen wird es dauern, bis der neue Betriebsrat im Amt ist - Wolfgang Kakuschki, bis Sonntag Betriebsratsvorsitzender, beantwortet solange weiter die Anfragen der Mitarbeiter. Wer warum welchen Vertrag bekommen hat, wusste er auch nicht. Kemper zeigte sich grundsätzlich sehr zufrieden mit der Übernahme, auch wenn dies nur die zweitbeste Lösung sei. „Aber kein Investor war bereit, das Unternehmen mit allen Rechten und Pflichten zu übernehmen.“ Er hofft, dass ISE am Markt bestehen wird und neue Aufträge bekommt. Und er macht auch denen Hoffnung, die nur in der Auffanggesellschaft gelandet sind. Bei ISE Polytec sei es gelungen, 76 Prozent zu vermitteln. „Ich hoffe auf eine ebenso gute Erfolgsquote.“

Am Rathaus waren aus Freude über die Rettung von ISE die Stadtflaggen gehisst worden und nachmittags läuteten die Glocken - auch wenn Kreisdechant Paul Klauke dies nur der Stadt zuliebe tat. „Ich habe Bauchschmerzen damit“, sagte er. Für Bergneustadt sei die Übernahme die Lösung mit Zukunft. „Aber wie mit den Menschen, denen gekündigt wurde, umgegangen worden ist, halte ich für eine Katastrophe“, betonte Klauke.



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