Von Joachim Frank, 05.06.08, 21:35h, aktualisiert 19.06.08, 16:58h
Spieß umgedreht
Statt dafür nun in der Öffentlichkeit um Verständnis zu werben, drehen Richter Hans-Werner Riehe und seine sieben Kollegen den Spieß um: Im Zentrum ihres offenen Schreiben steht - ausgesprochen und unausgesprochen - die Position, die Empörung über dieses Urteil sei von Gedankenlosigkeit, Rachegelüsten und dumpfem Populismus bestimmt und durch Kampagnen angestachelt. Wäre das so, dann reichten Populismus und Hetze bis hinein in höchste Kreise der (Kölner) Justiz. Denn auch dort löste das Prozessende Unmut aus. Die Staatsanwaltschaft hält es schlicht für falsch und ist in Berufung gegangen.
Hermetische Logik
In ihrer Stellungnahme offenbaren die Richter eine im Kern hermetische Logik: Widerspruch, ob intellektuell unterfüttert oder emotional vorgetragen, beruht letztlich auf unlauteren oder gar verwerflichen Motiven. Gerade diese Form der herabsetzenden Unterstellung ist es, die befremdet, ja verärgert.
Im Umgang mit den Reaktionen folgt die Argumentation der Jugendrichter jedenfalls der Radio-Eriwan-Methode: „Im Prinzip“ ist „sachliche Kritik“ an ihren Urteilen erlaubt. Aber konkret verwahren sie sich dagegen und bügeln Einwände brüsk ab. Die Formel „Opferschutz vor Täterschutz“ etwa sei im Jugendstrafrecht „nicht sachdienlich“ und diene für den Angriff auf „wohlbegründete Rechte des Täters“. Mit einer solchen apodiktischen Haltung wird sich eine offene Gesellschaft nicht einmal dann abfinden, wenn die „aus guten Gründen unabhängige rechtsprechende Gewalt“ sie einnimmt.
So verstärken die Richter - hoffentlich unfreiwillig - den unerfreulichen Eindruck eines Grabens zwischen sich und dem Volk, in dessen Namen sie urteilen.
Ich bleibe dabei...
16.06.2008 | 09.27 Uhr | Kalki Cool
Der Täter hat das Opfer nicht "ins" Koma geprügelt oder solange niedergeprügelt! Vielleicht sollte sich die Berichterstattung des Stadtanzeigers mal…
@Kalki Cool
15.06.2008 | 20.51 Uhr | HassanK
Zunächst einmal dürfte es irrelevant sein, ob das Opfer Familienvater ist! Entscheidend ist, dass der Täter keine Skrupel kannte und den Mann vor den…
Ziemliche Unlogik
12.06.2008 | 22.00 Uhr | Kalki Cool
Es bleibt Einzelnen unbenommen, ein Urteil nicht hart genug zu finden. Die rechtlichen "Spielregeln" sehen aber aus guten Gründen vor, dass Urteile…
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