Von Christian Hümmeler, 13.06.08, 23:43h, aktualisiert 01.07.08, 15:22h
Es geht um nicht weniger als um den, so Kölns Kulturdezernent Georg Quander, „vielleicht prominentesten Ort, den wir in der Stadt haben“. Gemeint ist der Rathausplatz, auf dem über den bereits laufenden Ausgrabungen für die künftige „Archäologische Zone“ das „Haus und Museum der Jüdischen Kultur“ entstehen soll. Seit Freitagabend steht fest, wie der Platz zwischen Rathauslaube und Wallraf-Richartz-Museum künftig aussehen könnte: Nahezu einstimmig entschied sich das Preisgericht, den Entwurf des Architekturbüros Wandel Hoefer Lorch + Hirsch zum Gewinner des von der Stadt ausgelobten Architektenwettbewerbs zu erklären.
Das renommierte Büro, das mit den Neubauten der Dresdner Synagoge wie des Jüdischen Zentrums in München viel Ruhm erntete, entwickelte für die schwierige Situation in Köln eine geschickte Lösung: Ein Tragwerk, das mit wenigen Stützen auskommt, erhebt sich hoch über den Grabungen und dient damit im Ganzen als Schutzbau. Darin befinden sich auf zwei am Dach aufgehängten Etagen die eigentlichen Museumsräume, nur über der Mikwe und der einstigen Synagoge gibt es bis zum Dach durchgehende Freiräume. Der Entwurf nutzt allerdings die bis zum Zweiten Weltkrieg bebaute Fläche vollständig aus, die blockartige Wirkung des Baukörpers wird durch eine teiltransparente Außenhaut und eine unregelmäßige Dachfaltung etwas abgemildert.
An seiner höchsten Stelle ist der Bau 14 Meter hoch, er orientiert sich damit an den Traufhöhen der Rathauserweiterung und des Spanischen Baus und wird vom benachbarten Wallraf-Richartz-Museum (WRM) weiterhin überragt. Für Kölns Baudezernent Bernd Streitberger eine „fast geniale Lösung“, die - vor allem dank der im unteren Teil gläsernen, oben in Stein ausgebildeten, aber teilweise hinterleuchteten Fassaden - eine „poetische Architektur“ darstelle. Zu prüfen sei indes, ob der Bau direkt gegenüber des WRM noch etwas zurückspringen könne, um die Straße Obenmarspforten an dieser Stelle zu einem kleinen Platz auszuweiten.
Auf den zweiten Platz setzte die Jury den Entwurf des Kölner Architekten Thomas van den Valentyn, der zwei separate Schutzbauten über Mikwe und Synagoge mit sieben verbundenen Häuserkuben umstellte - eine Analogie zur „Weißen Stadt“ in Kölns Partnerstadt Tel Aviv. Weitere Preise gingen an das Berliner Büro Raumzeit, an die Kölner Architekten KSP Engel und Zimmermann sowie an Manuel Herz aus Köln. Zudem wurden vier Arbeiten angekauft.
Oberbürgermeister Fritz Schramma kündigte an, das Projekt nun zügig den politischen Gremien vorzustellen. Die Finanzierung des Hauses, so Schramma, sei „eine schwierige Aufgabe, aber eine lösbare“. Benedikt Graf Hoensbroech, Vorsitzender des Fördervereins, wiederholte seine Zusage, das Museum durch Spenden zu finanzieren: „Sie bekommen das Geld.“ Die Kostenschätzung für den Bau, der zusammen mit der (von Land und Stadt finanzierten) „Archäologischen Zone“ wichtiger Baustein des Strukturwettbewerbs „Regionale 2010“ ist, beläuft sich auf knapp 15 Millionen Euro, auch für die Folgekosten soll der Verein aufkommen. Wenn alles glatt laufe, könne in etwa eineinhalb Jahren mit dem Bau begonnen werden, sagte Baudezernent Streitberger: „Dann haben wir während der Regionale zumindest die Baustelle.“
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