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Katholische Universität

In Eichstätt wird es ungemütlich

Von IRIS HILBERTH, 18.06.08, 21:24h

An der Katholischen Hochschule ist ein Streit um Personalien entbrannt. Seit Wochen tobt an der bayerischen Universität ein Kampf um Macht und Mitsprache zwischen Leitung und Bischof.

Katholische Universität Eichst
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Die Studenten schätzen die Campusatmosphäre: Uni Eichstätt. BILD: DPA
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Die Studenten schätzen die Campusatmosphäre: Uni Eichstätt. BILD: DPA

Als beschaulich werden solche Orte meist bezeichnet. Weitab von den Hauptverkehrsadern, ruhig gelegen im schönen Altmühltal. Hier, in diesem charmanten barocken, noch zu Oberbayern zählenden Städtchen Eichstätt steht seit bald 30 Jahren Deutschlands einzige katholische Universität (KU).

Von richtiger Campusatmosphäre schwärmen diejenigen, die hier studieren - mit 4500 Studierenden und 120 Professoren alles andere eben als eine Massenuniversität. Dafür mit dem Ruf des Provinziellen behaftet. Die Idylle trügt. Seit Wochen tobt an dieser kleinen bayerischen Hochschule ein Machtkampf zwischen dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der zugleich Großkanzler der Hochschule ist, und Teilen der Universität.

Inzwischen ist der Senatsvorsitzende, Maximilian Fuchs, zurückgetreten. Der Vorsitzende der Hochschulleitung, Stefan Schieren, legt sein Amt zum 30. Juni nieder. Der Bischof beurlaubte am Montag Kanzler Gottfried Freiherr von der Heydte und beauftragte die beiden externen Gelehrten Rudolf Fisch und Gert Melville kommissarisch mit der Leitung der Hochschule.

Große Empörung

Eine Prüfungsgesellschaft soll zudem die bisherige KU-Geschäfts- und Kassenführung „auf ihre Ordnungsgemäßheit analysieren“. Hanke warf dem beurlaubten Kanzler am Dienstag eine fehlerhafte Amtsführung vor, für die konkrete Anhaltspunkte vorlägen, so der Bischof. So geht es in Eichstätt nicht mehr nur um Personalfragen, sondern auch um Qualitätsansprüche und den Einfluss der katholischen Kirche.

Die Querelen im schönen Altmühltal begannen, als der Bischof es Anfang Mai ablehnte, den Theologen und früheren Unternehmensberater Ulrich Hemel als neuen Unipräsidenten zu bestätigen. Hemel war zuvor vom Hochschulrat mit zwölf zu vier Stimmen gewählt worden. Die Empörung war groß. Die Spekulationen über die Gründe des Bischofs für sein Nein reichten von der Tatsache, dass der Wunschkandidat des Hochschulrats in dritter Ehe verheiratet ist, bis zur Feststellung, Hemel sei ein Papstkritiker.

Nun hatte die Unileitung die Mitsprache des Bischofs bei der Wahl des Präsidenten über eine neue Grundordnung kräftig eingeschränkt und ebenfalls ohne Hankes Zustimmung dem Kanzler einen unbefristeten Vertrag ermöglicht. So tat der Bischof, was ihm mit der neuen Grundordnung gestattet war: Er lehnte den nach einem aus seiner Sicht undurchsichtigen Auswahlverfahren einzigen Kandidaten ab.

In einem Brief begründete er jetzt öffentlich seine Entscheidung: „Die entsprechenden Personalunterlagen kamen viel zu spät und noch dazu unvollständig auf meinen Schreibtisch und überzeugten mich nicht.“ Die Antwort des Senats ließ nicht lange auf sich warten. In einer Stellungnahme an Hanke und an den Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, Münchens Erzbischof Reinhard Marx, wies er den Vorwurf scharf zurück und betonte, das Auswahlverfahren mit „großer Sorgfalt“ betrieben zu haben. Hochschulrat wie Senat seien „schwer brüskiert“.

Vor allem mahnte der Senat, „die Autonomie der Universität uneingeschränkt“ zu wahren. „Eingriffe (...) würden den Universitätscharakter und ihren Ruf in der Scientific Community schwer beschädigen.“ Der katholischen Kirche könne eine katholische Universität nur nützen, wenn sie durch Forschungsqualität sowie durch eine lebendige geistige Auseinandersetzung und eine wirksame Lehre überzeuge.

Genau das aber will auch der Bischof, der aus diesem Grund auf einem größeren Einfluss in Eichstätt besteht. Hanke will die Uni „zu einer exzellenten akademischen Einrichtung in der deutschen Hochschullandschaft“ machen. Bislang ist die KU davon weit entfernt. Eine Kommission, die im Auftrag des Bayerischen Wissenschaftsministeriums vor drei Jahren den Hochschulstandort Bayern beurteilte, befand: Eichstätt falle es schwer, sich unter den übrigen Universitäten zu behaupten.

Allerdings ließ der Haushalt der Hochschule, die zu 85 Prozent vom Freistaat und zu 15 Prozent von den sieben bayerischen Diözesen finanziert wird, auch keine großen Möglichkeiten, den Ruf des Provinziellen abzuschütteln. So konnten weder angesehene Wissenschaftler angelockt noch nennenswerte Projekte in Forschung und Lehre finanziert werden. Die Kirche scheint bereit zu sein, mehr Geld lockerzumachen. Von einer Trägerschaft aller deutschen Bischöfe ist die Rede - sofern die Hochschule als katholische Universität an Profil gewinnt.

Unterdessen schwenkten Senat und Dekane am Mittwochabend auf einen versöhnlicheren Kurs ein. Einstimmig erklärte man die Zuversicht, die Entwicklung der Universität im Dialog mit Hanke „wieder positiv gestalten zu können“. Die Wahl eines neuen Senatsvorsitzenden wurde vertagt. (mit kna)



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