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Zentrabitur in NRW

Rücktritt Barbara Sommers gefordert

Von HEINZ TUTT, 19.06.08, 23:20h

Die Opposition im nordrhein-westfälischen Landtag hat Schulminsterin Barbara Sommer für ihr Management des Zentralabiturs gerügt. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers überließ seinen Parteifreunden die Verteidigung im Parlament.

Barbara Sommer
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Barbara Sommer. (Bild: dpa)
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Barbara Sommer. (Bild: dpa)
DÜSSELDORF - Als die Schuldebatte zum Pannenabitur gestern im Landtag beginnt, steht Schulministerin Barbara Sommer allein auf weiter Flur. Weder der Ministerpräsident noch sonst ein Kollege sitzt auf der Regierungsbank, während die Opposition von SPD und Grünen der angeschlagenen Ministerin ihre Abrechnung präsentiert. Indirekt fordern sie Sommer zum Rücktritt auf.

Als Nothelfer springt CDU-Abgeordneter Michael-Ezzo Solf, gelernter Studiendirektor, seiner Parteifreundin bei. Keine Spur von Pannenabitur - Solf hat eine ganz andere Wahrnehmung. Alles sei makellos gelaufen, die Mathe-Aufgaben seien lösbar gewesen. Und die Schuld habe letztlich bei den Lehrern gelegen, wenn sie den Schülern Aufgaben gegeben hätten, auf die sie nicht vorbereitet gewesen seien. Das Abitur sei schlicht schlechtgeredet worden. „Jeder schwätzte alles, ob mit oder ohne Professorentitel, bevor überhaupt Ergebnisse vorlagen“, hält er den Kritikern vor. Gerade beim Abitur werde auch Leistung verlangt, ergänzt Marie-Theres Kastner (CDU). „Das Zentralabitur ist nicht eingeführt worden, damit Lehrer schöne Weihnachtsferien haben.“

Als im Anschluss die Fraktionschefin der Grünen, Sylvia Löhrmann, der Ministerin den Rücktritt nahe legt („Ihr Experiment mit den Schülern ist gescheitert“), hat auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf der Regierungsbank Platz genommen. Er folgt der Debatte mit versteinertem Gesicht. Löhrmann scheint in ihrer Rede nur noch Mitleid für die Ministerin zu empfinden, wenn sie formuliert: „Als Mensch sind Sie unersetzlich, als Ministerin jedoch eine Katastrophe.“

Kollegin fest im Auge

Rüttgers hat seine Kollegin fest im Auge, als sie zu ihrer Verteidigungsrede ansetzt, die sie vom Manuskript abliest. Sie zitiert Schulleiter, die den Ablauf des Abiturs loben. Sie beharrt darauf, dass alle umstrittenen Aufgaben in Mathematik angemessen und lösbar gewesen seien. Und sie verweist auf Missstände in anderen Bundesländern. Um dennoch einzelnen Schülern, die sich benachteiligt gefühlt hätten, den langwierigen Rechtsweg zu ersparen, habe das Ministerium unbürokratisch die zweite Chance für eine neue Abi-Klausur angeboten. „Keiner geht verloren“, sagt sie trotzig, was die SPD-Fraktion zum Zwischenruf provoziert: „Bis auf die Ministerin.“

Helmut Kohl zitiert

Von Rücktritt will sie indes nichts wissen. Zur Begründung zog sie überraschend einen Vergleich mit Helmut Kohl. Dieser habe in ähnlicher Situation „auf dem Höhepunkt seiner Macht“ mit dem Satz gekontert: „Dass Sie meinen Kopf fordern, ist normal - oder soll ich das auch noch für Sie tun.“ Irgendwie hinkte gestern dieser Vergleich - Sommer schien gestern jedenfalls nicht auf dem Höhepunkt ihrer Macht zu sein.



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