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EM-Fieber in Köln

Halbfinale - die Arena bebt

Von Peter Berger und Jörk Böhnk, 19.06.08, 23:39h, aktualisiert 20.06.08, 08:18h

Tausende Fans feiern überall in der Stadt den knappen Erfolg der deutschen Nationalmannschaft. Die ersten Fußballbegeisterten waren schon lange vor dem Anpfiff in und vor der Halle in Deutz.

Deutsche Fans
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Freude pur: Deutsche Fans feiern ausgelassen vor der Kölnarena. (Bild: Max)
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Freude pur: Deutsche Fans feiern ausgelassen vor der Kölnarena. (Bild: Max)
Köln - - Es ist alles angerichtet für das Fußballfest in und um die Kölnarena. Die Kolibris haben eigens einen Song für den auf die Tribüne verbannten Bundestrainer getextet ("Ja wir haben ein Idol, Jogi Löööhöw"!), sechs Handball-Weltmeister schmettern Humba-Humba-Täterä, Bruce Kapusta spielt die Nationalhymne auf seiner goldenen Trompete und Ex-FC-Trainer Peter Neururer zelebriert die Mannschaftsaufstellung der deutschen Elf.

Die erste Polonaise läuft über den Oberrang, da ist in Basel noch gar nicht angepfiffen. Selbst das Wetter spielt mit. Zehn Minuten vor dem Anpfiff hört der Regen auf - und ruckzuck sind aus ein paar 100 durchnässten Deutschlandfans 7000 vor der Videowand geworden, all jene, die in der Arena keinen Platz mehr gefunden haben. Die Halle ist schon 90 Minuten vor dem Spiel dicht.

Was also soll schief gehen? "Super Deutschland, super Deutschland, olé, olé!" Der Lärm ist ohrenbetäubend - das muss doch bis Basel zu hören sein. Nach einer halben Stunde, nach dem Doppelschlag durch Schweinsteiger und Klose steigert sich der Lärm zum Orkan. 2:0 gegen Portugal - und Podolski macht wie der ein Superspiel. Hier kann sich keiner so richtig vorstellen, dass das Ding noch in die Hose geht. Die Fans feiern schon das Finale und auch der Gegentreffer von Gomes fünf Minuten vor der Pause ist schnell verdaut. "Das schaukeln wir nach Hause", sagt Raphael (19), holt sich ein Kölsch und taucht wieder in der Menge unter. "Den Ronaldo haben wir im Griff."

Sein Optimismus in allen Ehren - doch zu Beginn der zweiten Halbzeit wird es merklich leiser, die Portugiesen drücken, über der Videowand vor der Arena ziehen dunkle Wolken auf. Und mitten hinein, in das Schweigen der Kölner Fans, köpft Michael Ballack nach einer Stunde das 3:1. Und schon singen sie wieder das Lied vom Sonntag kommender Woche: "Finale oho, Finale oho." Doch davor steht ja noch eine Kleinigkeit: das Halbfinale am kommenden Mittwoch, gegen die Türkei - oder Kroatien. "Jetzt drücken wir den Türken die Daumen", sagt Michael (22). "Türkei gegen Deutschland in Köln. Das wird ein Fußballfest." Langsam dämmert es - und zehn Minuten vor dem Schlusspfiff glaubt keiner der 26 000 mehr, dass die Partie noch kippen könnte. Die Masse singt voller Glück: "Wenn nicht jetzt, wann dann. Es wird Zeit, komm' wir nehmen das Glück in die Hand."

"Jetzt ist alles möglich, wobei wir in einigen Situationen auch etwas Glück gehabt haben", findet Werner (36). "Aber ganz ohne Zittern, das wäre nichts für mich." Kein Wunder, der Fan im Deutschlandtrikot mit dem Podolski-Schriftzug auf dem Rücken ist seit Jahren Fan des 1. FC Köln - da weiß man, was Zittern bedeutet. "Der Poldi hat ein Superspiel gemacht", sagt er. "Was wäre das schön, wenn der wieder für uns spielen würde." Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Er hat es kaum ausgesprochen, da schlagen die Portugiesen zurück - der Anschlusstreffer. "Kämpfen, Deutschland, kämpfen." Der Abpfiff geht im Jubel unter.

Kurz darauf beginnt auf den Straßen das Hupkonzert. Ob auf den Ringen oder im Veedel, ausgelassen feierten die Fans den Einzug ins Halbfinale. Nur im Innenhof von St. Severin tragen 50 Mitglieder der portugiesischen Gemeinde Trauer. Ihr Team ist raus, das Aufstellen der Kerzen hat nichts genutzt. Gemeinde-Küsterin Maria Francisco hat vergebens zum Heiligen Antonius gebetet. Pfarrer Johannes Quirl war - streng neutral - im Trikot von Fortuna Düsseldorf aufgelaufen: "Dort bin ich geboren, jetzt bin ich Missionar in Köln."

Die nächste Party steigt am heutigen Freitagabend. Für das Spiel der Türkei gegen Kroatien hat die Arena vorgesorgt. "Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt", sagt ein Arena-Sprecher. "Aber wir sind auf alles vorbereitet." Bereits um 16.30 Uhr wird die Halle geöffnet. Auch die Außenfläche vor der Videowand ist dann zugänglich. Arena-Boss Ralf-Bernd Assenmacher macht sich schon Gedanken für ein mögliches Halbfinale der deutschen Elf gegen die Türkei am Mittwoch. Es könnte sein, dass an der so genannten kleinen Kölnarena an der Gummersbacher Straße eine zweite Videowand eingerichtet wird.



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