Erstellt 31.05.08, 11:55h
Es handele sich um einen von vier völlig isoliert lebenden Stämmen, die es in dieser Form in Brasilien nur im Bundesstaat Acre an der Grenze zu Peru gebe, sagte Meirelles. "Wir wissen eigentlich sonst nichts von diesen Indios und das soll auch so bleiben." Die FUNAI habe die Fotos nur gemacht und veröffentlicht, damit die Gesellschaft und die Regierung in Brasilien erkenne, wie wichtig der Schutz dieser Stämme sei.
Die bisherigen Maßnahmen zum Schutz dieser Indios hätten wenig gebracht. Die FUNAI habe das Gebiet überflogen, weil zuvor illegale Holzfäller in die Region eingedrungen waren. Dass die Indianer, wie auf den Bildern zu sehen, den FUNAI-Hubschrauber mit Pfeil und Bogen beschossen, sei positiv zu bewerten, betonte der Indioexperte. "Ich wurde schon von einem Pfeil am Gesicht getroffen. Und das ist gut so. Wenn sich diese Indios erst einmal hübsch freundlich benehmen, wie viele wollen, dann ist das der Anfang vom Ende für sie."
Schlimm sei besonders die Situation auf peruanischer Seite des Urwalds. "Dort geschieht alles Illegale, was man sich nur vorstellen kann. Holzfäller, illegale Landinvasionen. Bei uns können wir die Indios einigermaßen isolieren. Aber in Peru ist die Lage dramatisch." Mindestens zwei Indiogruppen seien deshalb über die Grenze nach Brasilien geflüchtet. Die Indios würden aber auch in Brasilien von Holzunternehmen und Viehzüchtern nicht nur vertrieben, sondern auch zunehmend ausgebeutet.
Auf den Bildern der FUNAI sind einfache Hütten, bepflanzte Felder und rund 15 männliche Krieger zu sehen. Die Frauen und Kinder hätten sich versteckt, sagte Meirelles. Die mit dem Naturstoff Urucum feuerrot angemalten Indianer lebten am Fluss Envira. Die Genitalien verhüllten sie mit einer Art Baumwollgürtel. "Wir haben gesehen, dass sie unter anderem Kartoffeln, Bananen, Mandioka und Baumwolle anbauen", verriet der Experte, der seit 20 Jahren in der Region lebt und arbeitet.
Bereits seit 1910 gebe es schriftliche Berichte über solche Völker in Acre. Im brasilianischen Regenwald könne es heute aber noch zwischen 20 und 40 weitere, völlig unbekannte Indianergruppen geben. Wo genau die jetzt fotografierten Stämme leben, wolle man auf keinen Fall verraten. "Die Zivilisation soll schön fernbleiben", meinte Meirelles.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen forderte unterdessen einen besseren Schutz der isoliert lebenden Völker in Brasilien, Peru, Bolivien und Ecuador. Einige dieser Völker seien akut vom Aussterben bedroht, weil Holzunternehmer oder Viehzüchter illegal in die Indianergebiete vordringen. Gerade die Grenzregion zwischen Brasilien und Peru sei ein sensibler Bereich. Wenn die Ureinwohner in ständiger Furcht vor Eindringlingen leben oder sogar flüchten müssten, werde es sie bald nicht mehr geben. (dpa)
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