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Fußball im Frauenknast

Der Kick fürs Leben

Von THORSTEN MOECK, 03.06.08, 18:34h, aktualisiert 03.06.08, 19:05h

In der JVA Köln-Ossendorf gibt es ein vom DFB gefördertes Frauen-Fußballteam. Bald tritt es auf einem Turnier gegen Mannschaften aus anderen Knästen an - schon jetzt fiebern sie dem Ereignis entgegen: Der Sport ist für sie eine wichtige soziale Übung. Wir waren beim Training dabei.

Fußball in der JVA Ossendorf
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Aus der Zelle in eine Mannschaft: Innerhalb weniger Wochen hat sich im Kölner Gefängnis ein Damenteam gebildet. (BILD: MAX GRÖNERT)
Fußball in der JVA Ossendorf
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Aus der Zelle in eine Mannschaft: Innerhalb weniger Wochen hat sich im Kölner Gefängnis ein Damenteam gebildet. (BILD: MAX GRÖNERT)
Fußball in der JVA Ossendorf
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Schwer vom Ball zu trennen: Ramona (r.) spielt schon seit dem Kindesalter Fußball. Im Gefängnis hat ihr der Kick lange gefehlt. (Bild: Max Grönert)
Fußball in der JVA Ossendorf

KÖLN - Ramona (25) ist eine auffällige Fußballerin. Ihre kurzen Haare hat sie zu einer stacheligen Irokesenfrisur gegelt, ihr linkes Wadenbein zieren kleine Tätowierungen. Das wahre Potenzial ihrer Beine wird jedoch erst sichtbar, wenn die zierliche Frau einen Ball am Fuß hat. Ihre Dribblings wirken geschmeidig, und wenn sie plötzlich die Fußspitze nach unten drückt und zutritt, zischt der Ball wie ein Geschoss davon. Im Training hat Ramona ein halbes Dutzend Tore geschossen, zufrieden ist sie trotzdem nicht. "Ich habe viel verlernt", sagt sie und fügt dann leise hinzu: "Ich bin einfach zu lange hier drin."

Gratis-Ausrüstung vom DFB

Acht Jahre ohne Spielpraxis sind eine lange Zeit für eine talentierte Fußballerin. Wegen eines Gewaltdelikts ist Ramona damals zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Seit fünf Wochen kann sie wieder trainieren - in der Gefängnisturnhalle. Etwa 15 junge Frauen üben jede Woche Passspiel, Torschuss und Angriffsvarianten. Die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball Bundes (DFB) hat den Ball ins Rollen gebracht. In den Gefängnissen in Köln, Herford, Heinsberg, Hövelhof, Iserlohn und Siegburg wird jetzt Fußball gespielt. "Anstoß für ein neues Leben" heißt das Projekt, an dem sich auch das Justizministerium beteiligt.

Dieser Tage kommt in den Gefängnissen eine große Lieferung an. In Kartons verpackt sind Trainingsanzüge, Schienbeinschoner, Fußballschuhe, Trikots, Hosen und Stutzen. Ein Anruf des DFB beim Ausrüster in Herzogenaurach hat genügt. Den Spielerinnen und Spielern soll es an nichts fehlen. Wenn die Post ankommt, wird es im Kölner Frauentrakt ein bisschen ausse- hen wie in einem Sporthotel, wo Spielerinnen im Einheitslook über die Flure schlurfen.

Dem "Sepp-Herberger-Pokal" entgegen fiebern

"Normalerweise wird in Gefängnissen Kraftsport betrieben. Wir wollen die Werte des Mannschaftssports vermitteln. Und nach ihrer Entlassung wollen wir versuchen, die Frauen in Vereinen zu integrieren", sagt Manuel Neukirchner, Geschäftsführer der Sepp-Herberger-Stiftung. Das Projekt der Stiftung zeigt bereits Wirkung. Zum ersten Mal gibt es im Kölner Gefängnis ein Damen-Fußball-Team: Elf Frauen, die trotz ihrer Probleme regelmäßig zum Training kommen, und kontinuierlich für ein Ziel zusammenarbeiten.

Seit Wochen fiebern Ramona und die anderen Frauen dem 7. Juni entgegen. An diesem Tag treffen sich in der JVA Iserlohn sechs Gefängnis-Mannschaften zu einem Turnier um den Sepp-Herberger-Pokal. Für die Spielerinnen ist das wichtiger als der Beginn der Europameisterschaft am selben Tag. "Die Spielerinnen wollen unbedingt dabei sein, um mal hier rauszukommen", sagt Angela Wotzlaw, stellvertretende Leiterin der Kölner JVA. Kirsten (17) hat für diese Chance extra mit dem Fußball begonnen. Noch sieht es etwas unbeholfen aus, wenn der Ball unkontrolliert vor ihren Füßen titscht. "Ich war immer zu faul für Sport. Aber das hier ist eine gute Abwechslung", sagt sie. Im Juli werden sie Frauen richtig gefordert, denn dann kommt Ex-Nationalspielerin Steffi Jones ins Gefängnis und leitet ein Training.

Abwechslung vom Knast-Alltag

Die jungen Frauen kommen auch ohne professionelle Anleitung gut zurecht. Im Training brauchen sie keinen Schiedsrichter - gefoult wird höchst selten. Eine Stunde pro Woche dürfen sie in der Halle oder auf dem Tartanplatz der JVA spielen. Das Training leitet eine Justizbeamtin. Ihre grüne Dienstuniform tauscht sie dann gegen Sportkleidung und spielt mit. "Hin und wieder dürfen einzelne Frauen aus disziplinarischen Gründen nicht mit spielen", sagt Wotzlaw. Für die Spielerinnen ist das schlimmer als jede Niederlage.

In einigen Wochen darf Ramona draußen wieder über grüne Wiesen dribbeln. "Wenn ich entlassen bin, suche ich mir einen Verein", sagt sie. Als sie sechs Jahre alt war, hat sie in einem Klub in Aachen mit dem Fußball begonnen. Ihre Karriere endete abrupt vor acht Jahren. Jetzt will es Ramona noch mal wissen. Vor allem am 7. Juni. Die nächste "wir helfen"-Seite erscheint am 4. Juni 2008.



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