Von Alexandra Ringendahl, 11.06.08, 11:53h
DIETER RUPP: Ich halte sie aus verschiedenen Gründen für unvertretbar. Zum einen verlieren die Brühler und die Menschen im Kreis ein wertvolles Erholungsgebiet. Rund zwei Millionen Menschen jährlich suchen in der Ville Erholung. Als auf dem Areal noch Braunkohle abgebaut wurde, haben die Bürger über Jahrzehnte Staub geschluckt und unter Lärm gelitten. Alle waren froh, dass das vorbei war. Jetzt wird es wieder Lärm geben, der bis in die Stadt dringen könnte. Neben der Erholungsfunktion gibt es natürlich noch den mindestens genauso wichtigen Faktor Umweltschutz.
Wie bewerten Sie den Wald unter diesem Gesichtspunkt?
RUPP: Die 30 Hektar Wald speichern jährlich 1000 Tonnen CO. Die Stadt will Hunderttausende Euro investieren, um durch Wärmedämmung an Gebäuden einen Bruchteil davon einzusparen. In Anbetracht der Klimaschutzdebatte muss man nicht nur über Urwälder reden, sondern auch über den hiesigen Wald, zumal der Rhein-Erft-Kreis mit elf Prozent der waldärmste Kreis in Nordrhein-Westfalen ist. Hinzu kommt die Funktion des Waldes als Luftfilter, der den Feinstaub der benachbarten Autobahn filtert und Stürme wie "Kyrill" abbremst zum Schutz der Stadt. Zudem ist der Wald das sicherste Biotop für die sehr artenreiche Fauna und Flora. Nur über Biotopschutz kann der Artenschutz gewährleistet werden.
Wie könnte ein Kompromiss aussehen?
RUPP: Der Landschaftsbeirat hat sich einstimmig gegen eine Erweiterung über die Landstraße 194 hinaus in den Naturpark Rheinland ausgesprochen. Im Verfahren sind Vorschläge gemacht worden mit anderen Erweiterungsflächen in einer Größenordnung von 15 bis 18 Hek- tar, darunter der Vorschlag, das abgegrenzte Waldstück auf der anderen Seite der Autobahn für den Bau von Parkhäusern zur Verfügung zu stellen. Dann könnten etwa 16 Hek- tar jetzige Parkplatzfläche als Ruhezone ausgebaut werden. Über diese Vorschläge ist die CDU-Mehrheit des Kreistags einfach hinweggegangen. Der sich im Regionalrat andeutende Kompromiss der Reduzierung der Erweiterung in den Naturpark um 16 Hektar wäre nur ein Teilerfolg. Der wäre auch inakzeptabel, da es ein Dammbruch wäre. Der Naturpark muss tabu bleiben.
Was passiert, wenn der Regionalrat für die Erweiterungspläne stimmt?
RUPP: Das Landesforstgesetz sagt, dass Wald nur abgeholzt werden darf, wenn ein überwiegend öffentliches Interesse vorliegt. Es ist fraglich, ob die Schaffung zahlreicher Niedriglohnarbeitsplätze mit dem Allgemeinwohl vereinbar ist. Zudem werden die Naturschutzverbände wahrscheinlich eine Verbandsklage anstreben und gegen den Bebauungsplan, der nach der Entscheidung von der Stadt aufgestellt werden muss, klagen. Das kann das Phantasialand nicht wollen, da es das ganze Projekt verzögert.
Wie sieht Ihre Lösung aus?
RUPP: Der Regionalrat sollte die Entscheidung vertagen und den Ball an die Stadt zurückgeben. Unternehmen und Stadt sollten sich mit allen Beteiligten zusammentun, um auf der Grundlage unserer Vorschläge einen Kompromiss zu erzielen.
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