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Familienhaus Ossendorfpark

Kinderlachen statt Marschmusik

Von Anja Katzmarzik, 20.06.08, 23:47h, aktualisiert 30.07.08, 10:23h

Das Familienhaus Ossendorfpark wurde eröffnet. Die Anschiubfinazierung kam von „wir helfen“. Mit der Arbeiterwohlfahrt und dem Sozialdienst Katholischer Männer kooperieren zwei erfahrene Träger, die sich gut ergänzen.

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Ein Kiosk war zuletzt einziger Treffpunkt im Neubaugebiet. Mit dem Familienhaus herrscht hier nun Leben statt Langeweile. (Bild: Grönert)
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Ein Kiosk war zuletzt einziger Treffpunkt im Neubaugebiet. Mit dem Familienhaus herrscht hier nun Leben statt Langeweile. (Bild: Grönert)
KÖLN - Früher wurde hier marschiert und stramm gestanden. Jetzt wird getobt und gespielt. Auf dem Gelände der ehemaligen belgischen Kaserne Klerken in dem Neubaugebiet „Ossendorfpark“ ist das „Familienhaus Ossendorfpark“ eröffnet worden. Die Räume einer ehemaligen Pizzeria und eines Gemüseladens liegen am König-Baudouin-Platz in der Franz-Raveaux-Straße.

Der Name klingt vornehmer als die Siedlung ist. 4000 Menschen leben hier. Viele junge Familien mit wenig Geld, viele mit Zuwanderungsgeschichte. „Menschen und Architektur sind toll. Was fehlt, ist eine gewachsene Infrastruktur“, so Wolfgang Scheiblich vom Sozialdienst Katholischer Männer (SKM), der das Familienhaus mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betreibt.

Pastor Klaus Kugler ist ebenfalls froh, dass mit der Anlaufstelle für Kinder und Erwachsene nun endlich ein Angebot geschaffen werden konnte, „bevor das hier kippt“. Die ersten Familien würden bereits überlegen, wegzuziehen, da Langeweile und Leere bisher zu viel Platz für Dummheiten ließen. Zur Justizvollzugsanstalt ist es näher als zur nächsten Kirche. In dem Familienhaus soll nun auch mal Kommunionsunterricht stattfinden.

Handfeste Probleme haben die Anwohner, die zu den Sprechstunden der „Allgemeinen Sozialberatung“ kommen. „Die meisten haben finanzielle Sorgen“, so SKM-Fachbereichsleiter für „Beratung und Hilfe“ Werner Just. „Viele können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen.“ Andere haben Mühe, Bescheide, die von der Arge kommen, zu verstehen. „Oder aber die Berechnungen erweisen sich nach einer Prüfung als fehlerhaft.“ Es gibt genug zu tun für die Sozialberatung in dem neuen Nachbarschaftstreff.

200 000 Euro, die Leser des „Kölner Stadt-Anzeiger“ der Aktion „wir helfen“ anvertraut haben, wurden dem SKM für seine Arbeit gegeben, sich noch mehr um die Jugend- und Familienhilfe in dem Bereich kümmern zu können. Rund drei Jahre will der Verband davon zehren und bis dahin unentbehrlich werden.

Viel braucht es dazu nicht. „Die Leute rennen uns hier die Bude ein. Hier war ja vorher nichts“, bringt es Ulli Volland-Dörmann auf den Punkt. Sie ist Geschäftsführerin der AWO, die mit einem Zuschuss der Stadt nun ein Jugendprojekt nebenan betreibt. 20 bis 40 Kinder von neun bis 16 Jahren würden seit dem 1. März pro Tag kommen, konkretisiert Diplom-Sozialpädagogin Carolina Roth. Es zeigt sich schon jetzt mehr Bedarf als zuvor erwartet.

Auch sonntags hat der Jugendtreff geöffnet. Das ist nicht selbstverständlich, aber nötig. Volland-Dörmann: „Unter der Woche gibt es genug zu tun. Sonntags droht die Langeweile.“ Zudem gibt es Angebote für Senioren und Eltern, von der GAG gestiftete Computer und einen kleinen Saal für das Viertel, der für private Feiern gemietet werden kann - „zum Sozialtarif“.

Die trägerübergreifende Kooperation sei „der besondere Wert dieses Projekts“, sagte Kölns Bildungs- und Jugenddezernentin Dr. Agnes Klein zur Eröffnung. Und auch Karl-Heinz Goßmann, Geschäftsführer des Vereins „wir helfen“, fühlt sich in der Entscheidung des Vereinsvorstands für das Ossendorfer Modell bestätigt: „Wir haben uns in das richtige Projekt eingebracht. Das zeigen die vielen spielenden Kinder hier.“ Nun hoffe er, dass nach der Anschubfinanzierung von „wir helfen“ die Stadt die Förderung übernimmt, „damit Kinder hier ihre Wurzeln finden“. So lautete der Name der „wir helfen“-Aktion von 2006 / 2007, aus der die Spenden stammen: „weil Kinder starke Wurzeln brauchen“.

Die Beigeordnete machte Goßmann berechtigte Hoffnung, dass es so kommen wird. „Hier ist es nicht mit einem befristeten Projekt getan. Es ist unsere kommunale Aufgabe, nach Wegen zu suchen, diese Initiative auf Dauer zu finanzieren.“ Die Dezernentin „will hier keine Marschmusik mehr hören“. Nur noch Kinderlachen.



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