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Kultur-Sponsoring

Geld oder Freiheit

Von Horst Willi Schors, 22.06.08, 20:05h, aktualisiert 22.06.08, 21:45h

In der Berliner Akademie der Künste wurde über Sponsorengelder in der Kunst debattiert: Wie viel Einfluss aus der Wirtschaft verträgt die Kultur? Ein Grundkonsens zeichnet sich ab: Sponsoring durch Firmen ist okay - solange der Staat nicht im Gegenzug die Förderung zurückfährt.

Sponsoring in Kunst und Kultur
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Geförderte Kunst: der „Säulenheilige“ von Christoph Pöggeler vor der Düsseldorfer Vodafone-Zentrale (Bild: Caro)
Sponsoring in Kunst und Kultur
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Geförderte Kunst: der „Säulenheilige“ von Christoph Pöggeler vor der Düsseldorfer Vodafone-Zentrale (Bild: Caro)

Darf man die Hand beißen, die einen füttert? Der Schriftsteller Ingo Schulze („Simple Storys“, „Handy“) hat das gewagt. Bei der Verleihung des „Thüringer Literaturpreises“ Ende 2007 musste der prominente Autor erfahren, dass nicht etwa die Thüringer Steuerzahler, sondern der Stromkonzern Eon das Preisgeld gestiftet hatte. „Mich stört, dass ich über Eon nachdenken muss, wenn ich den Thüringer Literaturpreis annehmen will“, beklagte sich Schulze in der gar nicht festlichen Festrede und kritisierte „Tendenzen zur Refeudalisierung des Kulturbetriebes“. Das war der Beginn einer Debatte, die jetzt in der Berliner Akademie der Künste ihre Fortsetzung fand.

Marketing statt Mäzenatentum

Top-Manager Heinz Dürr (AEG, Deutsche Bahn), einst und jetzt als Kunstsponsor tätig, schüttelt ein wenig ungläubig den Kopf und rügt den Schriftsteller: „Ihr Problem ist ihr Grundmisstrauen gegen die Wirtschaft, das kommt von ihrer DDR-Vergangenheit.“ Der FDP-Politiker Hans-Joachim Otto, Vorsitzender des Kulturausschusses im Bundestag, warnte vor zu viel Kritik an den gebewilligen Unternehmen. Es müsse eine „Anerkennungskultur“ geben, schließlich könnten die Unternehmen ihre Sponsoren-Gelder auch in andere Bereiche umleiten, etwa in den Sport. „Soll ich also künftig die Klappe halten?“ fragt Ingo Schulze.

Einig waren sich Künstler, Politiker, Unternehmer und Kultur-Funktionäre immerhin in einigen Punkten: Sponsoring ist kein gutherziges Mäzenatentum, sondern Teil einer Marketing-Strategie. Ein Unternehmen will das - positive - Image einer kulturellen Hervorbringung auf seine Marke transferieren. Damit könne man natürlich auch Einfluss gewinnen. Mit Sponsoring kann das Unternehmen sogar noch Steuern sparen. Rund 400 Millionen Euro fließen auf diese Weise jährlich in den Kulturbetrieb, ein Vielfaches dagegen in den Sport. Jeder Euro sei willkommen, zumal die Kulturausgaben der öffentlichen Hand seit Jahren kontinuierlich schrumpfen - auf zuletzt 0,34 Prozent des Bruttosozialproduktes. „Aber“, schränkt Klaus Staeck, Präsident der Akademie ein, „nur jeder Euro, der zusätzlich fließt, ist willkommen.“

In der Praxis würden bei erhöhtem Spendenaufkommen oft die öffentlichen Mittel für eine Institution gekürzt, erläuterte Gerhard Pfennig von der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst ein häufig praktiziertes Verfahren. Oder die Museen und Kultureinrichtungen würden bis zu 95 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert. Für die restlichen fünf Prozent - etwa für Ankaufetats oder Finanzierung konkreter Inhalte - sprängen dann die Sponsoren ein und könnten - bei sehr beschränktem Mitteleinsatz - Einfluss auf Einkaufs- oder Ausstellungspolitik nehmen.

Auf Augenhöhe auftreten

Klaus Staeck rät der Kultur dazu, sich potenzielle Sponsor-Partner anzuschauen. Er ermuntert städtische Kulturbeamte, den Sponsoren auf Augenhöhe zu begegnen: „Schließlich wollen die was von ihnen.“ Doch nehmen Sponsoren tatsächlich Einfluss auf die Inhalte von Kultur? Auf jeden Fall, sagen die Kulturfunktionäre, schon dadurch, dass populäre Kultur-Events gesponsert (und damit verwirklicht) werden, sperrige Ereignisse aber mangels Finanzen nicht stattfinden. Muss sich der Staat schützend vor die Freiheit der Kultur stellen? Die Kultur müsse sich darauf einstellen, verstärkt um Mittel aus der Wirtschaft zu werben, findet Politiker Otto. Schriftsteller Schulze ist damit nicht einverstanden, der Staat, „und das sind doch wir alle als Bürger“, dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen, wenn es um die Unterstützung der Kultur gehe. Kulturförderung nach Gutsherrenart sei freilich keine anstrebenswerte Lösung.

Das sieht Unternehmer Dürr anders. Es käme immer auf die persönlichen Beziehungen an. Er habe als Bahnchef ein legendäres Frankfurter Kabarett und einen Beitrag für die Biennale in Venedig gesponsert, heute setze die Deutsche Bahn auf Fußball, „weil Herr Mehdorn Hertha BSC nun einmal besser findet“.



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