Von Roland Schriefer, 23.06.08, 11:21h, aktualisiert 23.06.08, 15:14h
Der von Stefan Krause inszenierte Einakter war erst Ende Mai im Arkadas Theater in Ehrenfeld uraufgeführt worden. Geprobt hatte das Theater in der Uniklinik Köln, in den Räumen, in denen auch Magersüchtige therapiert werden. So nah an der Quelle hatte Grilc gelernt, was es heißt, sich unter den höhnischen Blicken von Spiegeln umzuziehen und überall Körper-Fett zu entdecken, das nur in der Einbildung besteht. Dort hatte sie den unseligen Kreislauf von Fressen, Lieben, Kotzen studieren können und konnte das absurde Empfinden und Leiden einer jungen Frau, die sich zu dick findet, obwohl sie zu dünn ist, auf den Punkt bringen. Das Stück beschreibt auch die Bewunderung für diejenigen, die mit dem Essen keine Probleme haben. „Du isst leidenschaftlich wie ein Tier mit einer Spur Verachtung, die dich als Mensch kenntlich macht.“ Gleichzeitig ist der Protagonistin das auch eklig. „Du verlierst jegliche Anmut beim Essen.“ Darunter leidet die Liebe, die zu paranoider Eifersucht wird. „Wie kann er mich lieben, wo ich doch so dick bin.“
Das Stück beschreibt auch den Vorgang des sich Übergebens, eine durchaus unappetitliche Angelegenheit. Bei welchem Essen geht es leichter, was sieht in der Kloschüssel schlimmer aus, was fühlt sich im Gaumen ekelhafter an, Spaghetti oder Sushi? Die Betroffenheit im Publikum angesichts der intensiven Darstellung war fast greifbar. Ein gutes, aufklärerisches Stück Theater, das von der NRW-Vertrauenslehrerin Sylvia Strubelt ans Stadtgymnasium geholt worden war.
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