Von Bernhard Romanowski, 23.06.08, 16:31h, aktualisiert 24.06.08, 09:52h
„Neben den Werken war für mich die bewegte Vita und die Lebenshaltung der einzelnen Künstlerinnen interessant“, schilderte Polzin ihre Auswahl für die Gruppenausstellung am Samstag gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Werkschau, so die Kuratorin weiter, zeige eindrucksvoll, dass Frauen nicht nur im Kopf, sondern durchaus auch körperlich stark seien.
Besinnlich und dramatisch
Beredtes Beispiel für diese Ansicht sind unter anderem die vier massiven Holzskulpturen von Brele Scholz. Die Figuren sind zumeist übergroße Menschengestalten teils in stiller, fast besinnlicher Haltung, teils wiederum in dramatischer bis verrenkter Pose gehalten. Den Bereich der Skulpturen bedient auch eine weitere Teilnehmerin der Gruppenausstellung mit ihren allein schon handwerklich beeindruckenden Exponaten. Sarah Advena steuert unter anderem eine lebensgroße Frauenfigur im Kulturbahnhof bei, die mit nur angedeuteten Armen und umschlungen von Stacheldraht eine ausdrucksstarke Leidenspose einnimmt. Auch Leidensfähigkeit kann als besondere weibliche Stärke verstanden werden - dieser Gedanke drängt sich einem beim Anblick dieser dennoch anmutig wirkenden Skulptur im Kontext des Ausstellungstitels fast auf.
Mit interessanten Installationen reiht sich die Künstlerin Maggie Töpfer in die gemeinsame Werkschau ein. Ihr wurde fast die gesamte zweite Etage des Kulturbahnhofs als Raum zur Verfügung gestellt. Noch im Treppenhaus wird der Blick aber bereits von einem anderen Werk angezogen. Bernhardine Schippers zeigt dort eine ihrer Videoinstallationen, in denen - man ahnt es bereits - verschiedene Frauen zu Wort kommen. Der Bereich der Malerei wird von den beiden Künstlerinnen Izabella Chulkova und Birgit Richter-Trautmann mit thematisch entsprechenden Motiven vertreten.
Auch Fotografien zieren die Wände im „Kuba“. Laetitia Eskens ist noch eine ganz junge Vertreterin dieser Disziplin. Sie wurde vergangenen Mittwoch erst 18 Jahre alt und verfasst auch lyrische Texte, die ihr bereits verschiedene Literaturpreise einbrachten. Einige davon gab sie während der Vernissage zum Besten. Man darf gespannt sein, was die junge Frau in Sachen Kunst noch hervorbringen wird.
Gespannt waren die Besucher im Kulturbahnhof im Übrigen auch auf das, was ihnen Inge van Kann zu zeigen hatte. Die Künstlerin aus Mechernich konnte einige junge Frauen dafür gewinnen, ihre Modeschöpfungen auf dem „Catwalk“ der Bahnhofsterrasse und entlang der Schienen zurück in das Gebäude zu präsentieren. Als Material für ihre Kreationen nutzt van Kann zumeist Gegenstände und Stoffe, die üblicherweise nicht beachtet und weggeworfen werden. So waren etwa die farbenfrohen Leibchen der Models aus Kartoffelnetzen gefertigt. Auch ein Brautkleid gehörte am Samstag zur Kollektion. Zudem sorgten zwei der Amateurmodels als feuerrot und schwarz gewandete Hexen für ein Flair, wie man es sonst nur aus der „fünften Jahreszeit“ kennt.
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