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Kolumne

Das Traumpaar: Obama & Merkel

Von Christian Hacke, 23.06.08, 21:49h

Falls Barack Obama die US-Präsidentschaftswahlen für sich entscheidet, könnte Deutschland davon profitieren. Die Folgen eines kraftvollen Neuanfangs unter Obama müssten vor allem von Deutschland als jahrzehntelanger transatlantischer Zentralmacht erkannt werden.

Christian Hacke
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Christian Hacke (Bild: ksta)
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Christian Hacke (Bild: ksta)
Barack Obamas Idealismus weckt gerade in Deutschland die Hoffnung, dass er als US-Präsident sein Land nach den schweren Fehlern und Versäumnissen von Präsident George W. Bush wieder auf den Pfad internationaler Tugenden zurückführen werde. Doch auch Obama kann die widrigen Realitäten nicht aus der Welt schaffen. Vor allem wird er von Freunden und Partnern mehr verlangen - ob im Irak, im Antiterrorkampf, im arabisch-israelischen Konflikt oder mit Blick auf den Iran. Amerika jedenfalls kann die zum Teil selbst verschuldeten Krisen nicht mehr allein bewältigen. Auch und gerade Deutschland wird sich daher im Rahmen der Nato auf größere finanzielle und personelle Opfer und auf räumliche Ausdehnung mindestens des Afghanistan-Einsatzes einstellen müssen. Der idealistisch verklärte Obama würde unbequemer, teurer und riskanter.

Können sich die Partner der USA den zusätzlichen Ansprüchen versagen? Liegt eine neue, um nichtmilitärische Mittel klug erweiterte Antiterrorstrategie am Ende nicht auch in unserem Interesse? Und haben wir vielleicht doch noch nicht vergessen, wie die USA uns jahrzehntelang gestützt und beschützt haben? Gerade jetzt würden es die USA den Europäern danken, wenn sie nicht mehr im Zorn zurück blickten, sondern gemeinsam nach vorn handelten.

Umgekehrt würden die Industrienationen bei einem Präsidenten Obama endlich mehr Gehör für die neuen globalen Fragen wie Klima und Energie finden. Weil die Bundeskanzlerin wie keine zweite diese neuen Herausforderungen zum zentralen Anliegen gemacht hat und Obama sie deshalb besonders schätzt, könnten beide zum Traumpaar der internationalen Politik avancieren - vorausgesetzt, Angela Merkel wird wieder gewählt und es gelingt ihr, die Bevölkerung und ihre Regierung zu überzeugen, dass zusätzliche Opfer sinnvoll sind und mehr weltpolitischer Einfluss nicht umsonst zu haben ist.

Nach der „Achse des Bösen“ sind es heute die vielfältigen neuen Achsen zwischen autoritären Regimes, die mit Hilfe von Öl- und Gasvorkommen - und obendrein oft verbunden durch undemokratische Ziele und Methoden - die weltpolitische Stabilität gefährden. Weder Bushs Amerika noch ein zerstrittenes Europa konnten bislang hierauf angemessen reagieren. Eine Wiederherstellung amerikanischer Stärke könnte also Europa und eine transatlantische Gemeinschaft wiederbeleben, wenn ein umsichtig agierender Präsident Obama in Europa einen proamerikanischen Umschwung bewirken und die innereuropäische Spaltung überwinden helfen würde, die schon seit langem den gesamten Westen lähmt.

Die Folgen eines kraftvollen Neuanfangs unter Obama müssten also vor allem von Deutschland als jahrzehntelanger transatlantischer Zentralmacht erkannt werden. Deutschland würde damit auch seine frühere Schlüsselstellung und Maklerposition wiedergewinnen können. Der Idealist Obama könnte so zum Schrittmacher für einen neuen Realismus werden, auch in Deutschland.

Unser Autor, geb. 1943, ist Historiker und Politologe. Hacke war bis zu seiner Emeritierung Professor in Bonn. Zu seinen Spezialthemen gehören amerikanische Geschichte und Außenpolitik.



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