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Streit um Kulturzentrum

CDU-Chef als Ehrengast der Grauen Wölfe

Von Helmut Frangenberg und Gonca Mucuk-Edis, 23.06.08, 21:12h, aktualisiert 24.06.08, 09:22h

Kölns CDU-Chef Jürgen Hollstein und die Europaabgeordnete Ruth Hieronymi haben ein Kulturzentrum eingeweiht, das den rechtsextremen „Grauen Wölfen“ zugerechnet wird. Die Aleviten kritisieren das "Treffen mit Faschisten".

Jürgen Hollstein
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Ruth Hieronymi
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Ruth Hieronymi
Ruth Hieronymi
Köln - - Kölns CDU-Chef Jürgen Hollstein und die Europaabgeordnete Ruth Hieronymi haben zusammen mit Vertretern der türkischen nationalistischen MHP ein Kulturzentrum eingeweiht, das den rechtsextremen „Grauen Wölfen“ zugerechnet wird. Hieronymi lobte in ihrer Rede die Arbeit der „Migrantenvereine“, die die Integration und „ein harmonisches Zusammenleben“ fördern würden, schreibt die türkische Zeitung „Zaman“. „Da ich auch Sie vertrete, sind ihre Sorgen und Interessen auch meine.“

Der Besuch der CDU-Politiker und vor allem Hieronymis Äußerungen haben bei vielen Unverständnis ausgelöst. „Nationalismus ist gegen Integration gerichtet“, sagt Madlen Vartian von der Armenischen Gemeinde. „Die Grauen Wölfe leisten das Gegenteil von Integration.“ Sie würden Feindbilder transportieren und so den sozialen Frieden gefährden. „Es darf nicht sein, dass sich Vertreter demokratischer Parteien mit Faschisten treffen“, sagte Ali Ertan Toprak von der Alevitischen Gemeinde. So würde die rechtsextreme Organisation verharmlost.

Neben den CDU-Politikern waren auch der stellvertretende Vorsitzende der Partei der nationalen Bewegung, MHP, Faruk Bal, und sein Parlamentskollege Ismet Büyükataman als Ehrengäste geladen. Die MHP ist die parteipolitische Organisation der Bewegung der „Grauen Wölfe“, die bei der letzten türkischen Parlamentswahl mehr als 14 Prozent der Stimmen bekam. Faruk Bal hat zuletzt für Schlagzeilen gesorgt, als er es ablehnte, den christlichen Kirchen in der Türkei mehr Rechte zu geben. Ein entsprechendes Gesetz der AKP-Regierung nannte er eine Wiederbelebung des Vertrags von Sèvres, der nach dem Ersten Weltkrieg die Aufteilung des Osmanenreichs vorsah.

Hollstein, den „Zaman“ neben Bal beim Durchschneiden eines roten Bandes zeigt, sagte, er habe weder über die türkischen Gäste noch über die Ausrichtung des Vereins Bescheid gewusst. „Im Nachhinein muss man sagen: Ich wäre besser nicht hingegangen.“ Man könne ihm Naivität vorwerfen. „Damit muss ich leben. Natürlich haben wir mit den »Grauen Wölfen« nichts zu tun.“ Das sehen nicht alle in der CDU so. Parteiintern wird seit Monaten gestritten, ob und wie sich die CDU von Extremisten abgrenzen muss, die den direkten Kontakt zur Partei suchen. „Die CDU muss sich unmissverständlich distanzieren“, sagt Parteimitglied Kubilay Dermikaya. „Wenn mein Parteivorsitzender da hingeht, macht er die »Grauen Wölfe« hoffähig“, sagt Madlen Vartian. „So geht das Vertrauen in die CDU verloren.“

Hollsteins Beteuerung, mit „Grauen Wölfen“ nichts zu tun zu haben, wirkt angesichts anderer Namen auf der Gästeliste zum Mülheimer Empfang nicht überzeugend. Es gibt Mitglieder der umstrittenen Moschee-Gemeinde mit Funktionen in der Kölner CDU. Die türkische Zeitung „Zaman“ schreibt, dass Hollstein die Aktivitäten des Mülheimer Vereins gelobt haben soll.

Während Hollstein im Nachhinein auf Distanz geht, verteidigt Hieronymi ihre Teilnahme an dem Festakt. „Wer Integration ernst nimmt, muss sich dem kritischen Dialog mit allen stellen.“ Eine Ausnahme seien extremistische Organisationen, zu denen der Mülheimer Verein ihrer Einschätzung nach aber nicht zu zählen sei. Die Gemeinde gehöre nicht zu den „Grauen Wölfen“. Das gehe „ausweislich“ auch aus Unterlagen des städtischen „Interkulturellen Referats“ hervor.

Die Aussage dürfte in der Stadtverwaltung für Verwunderung sorgen, ordnet doch die maßgebliche Publikation der Behörde über „Islamische Einrichtungen in Köln“ die Mülheimer Yunus-Emre-Moschee eindeutig den „Grauen Wölfen“ zu.



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