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Leitartikel zum Rathausplatz

Ein Verlust für die Stadt

Von Franz Sommerfeld, 24.06.08, 22:26h, aktualisiert 04.07.08, 08:56h

Die Kölner müssen an der Entscheidung über den Rathausplatz mitbeteiligt werden. Erst durch ihre Plätze wird eine Stadt zur Stadt. Plätze sind ihr Ursprung. Köln mangelt es an solchen Orten. Das heißt aber nicht, dass Köln kein jüdisches Museum erhalten müsste - auf dem Gelände des alten Kaufhauses Kutz.

Debatte um Rathausplatz
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Der Rathausplatz von Süden aus gesehen, mit Blick auf Spanischen Bau (links) und Historisches Rathaus (rechts). (Bild: Grönert)
Debatte um Rathausplatz
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Der Rathausplatz von Süden aus gesehen, mit Blick auf Spanischen Bau (links) und Historisches Rathaus (rechts). (Bild: Grönert)
Erst durch ihre Plätze wird eine Stadt zur Stadt. Plätze sind ihr Ursprung. Heute wird dort - anders als auf dem römischen Forum - kein Recht mehr gesprochen und nur noch selten Politik getrieben. Auch die Kommunikation der Bürger untereinander findet andernorts statt, verlagert sich zusehends ins Internet. Die Kölner Plätze scheinen nur zu Weiberfastnacht noch einmal vom Leben und Treiben wie in alten Zeiten erfasst zu werden. Und doch bleibt der Platz das Herz der Stadt: als Moment der Ruhe, als Unterbrechung enger Straßenfluchten, als Angebot für den etwas weiteren Blick. Köln mangelt es an solchen Orten.

Nun soll auf dem Rathausplatz ein jüdisches Museum gebaut werden. Einer der wenigen gelungenen Plätze Kölns würde mit einem großen Block zugestellt. Hier sprach John F. Kennedy zu den Bürgern, hier wurde der Sieg der deutschen Handballer in der Weltmeisterschaft 2007 gefeiert. Trotzdem ist dies keine spektakuläre Anlage, schon gar nicht - wie Kulturdezernent Georg Quander irrtümlich vermutet - Kölns „prominentester Ort“. Viele werden ihn erst dann vermissen, wenn es ihn nicht mehr geben und der Blick auf Rathaus und Wallraf-Richartz-Museum vollständig verstellt sein wird.

Unverständlich und ärgerlich ist, dass dies ohne Not geschieht. Denn mit dem Grundstück des ehemaligen Kaufhauses Kutz steht gegenüber dem Wallraf-Richartz-Museum ein angemessenes Gelände für ein Museum zur Verfügung; die Stadt erwarb es im Jahre 2000 eigens für solche Zwecke. Dass der Rathausplatz einst bebaut war, ist kein Grund, ihn jetzt zu zerstören. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, den Dom wie in alten Zeiten eng zu umbauen, obwohl das in diesem Fall womöglich sogar die bessere Variante wäre - verglichen mit der Domplatte.

Noch ist nur unterschwellig zu vernehmen, der Ort müsse mit Rücksicht auf die jüdische Gemeinde gewählt werden. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Massenmord an den Kölner Juden durch ihre Mitbürger existiert immer noch kein Museum, das den großen Beitrag der Juden zur Kölner Kultur und Wirtschaft dokumentiert - und ihre andauernde Verfolgung. Das ist ein Anlass zur Scham. Aber es spricht nicht gegen ein solches Gebäude auf dem Gelände des alten Kaufhauses Kutz. Jeder Versuch, städteplanerische Entscheidungen durch Hinweis auf die deutsche Schuld gegen Kritik zu immunisieren, spielt denen in die Hände, die die Vernichtung der Juden relativieren und auf antisemitische Reflexe spekulieren.

Sehr spät, aber vielleicht noch nicht zu spät mahnt Oberbürgermeister Fritz Schramma nun, die Bürger in die Entscheidung über den Platz vor ihrem Rathaus einzubeziehen. Das kann nur gelingen, wenn die Entscheidung wirklich offen gehalten wird. Dafür müsste sich Schramma freilich gegen den eigenen Planungsdezernenten Bernd Streitberger durchsetzen. Dieser - ansonsten eher ein Freund mittlerer Lösungen - hält die Bebauung des Rathausplatzes für eine „fast geniale Lösung“. Dass der gewählte Entwurf die Vorgaben für die Ausschreibung zur Hälfte nicht erfüllt, scheint ihn nicht zu beunruhigen. Zu befürchten sind kölsche Kompromisse: eine nicht ganz so hohe Bebauung, ein bisschen mehr Abstand zum Wallraf-Richartz-Museum, vielleicht auch noch zum Rathaus . . . Den Platz retten wird all das nicht.

franz.sommerfeld@ksta.de



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