Von Carl Dietmar und Christian Hümmeler, 24.06.08, 22:57h, aktualisiert 25.06.08, 09:01h
Sorgen um die Massivität
Die Pläne zur Bebauung des Platzes zwischen Rathaus und Wallraf-Richartz-Museum mit einem „Haus und Museum der Jüdischen Kultur“ über den zurzeit laufenden Ausgrabungen der künftigen „Archäologischen Zone“ sind nicht unumstritten - Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma kritisiert sowohl das Ergebnis des vor knapp zwei Wochen entschiedenen Architektenwettbewerbs als auch das gewählte Verfahren. Sorgen macht Schramma vor allem die Massivität des vom renommierten Architekturbüro Wandel Hoefer Lorch + Hirsch entworfenen Museumsbaus: „Der Entwurf stellt einen Riesenkomplex dar, der so hoch ist wie das Rathaus. Er füllt den vorhandenen Raum sowohl in der Länge und Breite als auch in der Höhe vollständig aus“, sagte der Oberbürgermeister dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Weder die Fassade des Rathauses noch die des Wallraf-Richartz-Museums sind überhaupt noch in der Sichtachse erkennbar, die werden schlichtweg zugebaut.“
Zwar sei die architektonische Idee sicherlich gut, etwa was die Inhalte angehe, die Wegeführung oder die Überhöhung der Räume über der Mikwe und der Synagoge. „Da kann man etwas draus machen.“ Aber - und das sei das Manko an der ganzen Geschichte und am gewählten Prozedere - „es ist im Vorfeld niemals die Frage gestellt worden, wie denn überhaupt die grundsätzliche Akzeptanz einer solchen Bebauung des Rathausvorplatzes ist“, sagte Schramma. „Natürlich hat dieser Ort einen besonderen Reiz, weil es der traditionelle, historisch gewachsene Ort der jüdischen Siedlung ist.“ Allerdings seien Mikwe und Synagoge die einzigen rituellen Gebäude gewesen, ansonsten habe es sich um kleinteilige Wohnbebauung gehandelt.
Sorgen mache ihm zudem die Tatsache, dass man sich mit der Entscheidung für diesen Entwurf auch auf eine zeitgleiche Errichtung von Archäologischer Zone und Museum festgelegt habe. „Ich habe Angst“, so Schramma, „dass das eigentliche Projekt der Regionale 2010, nämlich die Archäologische Zone, durch diese Entscheidung gefährdet ist.“
Der Grund: Die Archäologische Zone selbst sei durchfinanziert, der zeitliche Rahmen stehe, sie könne bis 2010 oder 2011 fertig sein. „Für das Haus, das darüber gebaut werden soll, steht allerdings noch kein einziger Cent bereit.“ Es gebe zwar seit Langem die Zusage des Trägervereins, das Haus zu finanzieren, „doch die ist durch nichts belegt.“ Zudem sei noch völlig offen, wem denn Grund und Boden, wem denn das Haus nachher eigentlich gehöre und wer der Betreiber des Ganzen sei. „Das sind alles ungeklärte Rechtsfragen, die noch zu diskutieren sind“, so der Oberbürgermeister. Und auch die Diskussion mit den Bürgern müsse nun gesucht werden. Als Grundlage zeigt die Stadt die beim Wettbewerb ausgezeichneten Entwürfe ab 16. Juli im Spanischen Bau des Rathauses.
Er werde in jedem Fall einen „Plan B“ entwickeln lassen, der zumindest für die Bereiche der Archäologischen Zone einfachere Schutzbauten als Alternative zum Museumsprojekt vorsehe, sagte der Oberbürgermeister. „Wir hätten ja die Möglichkeit wesentlich bescheidenerer, transparenterer Aufbauten, die gerade die wesentlichen Teile, nämlich Mikwe und Synagoge besonders herausstellen.“ Das eigentliche Museumsprojekt werde nun von einer Projektgruppe weitergeplant. „Mein Wunsch wäre“, so Schramma, „dass das Ganze von den Dimensionen her erheblich zurückgeholt würde“.
Gerade die Tatsache, dass der Entwurf des Saarbrücker Büros aufgrund seiner Planungsidee eines im Ganzen als Schutzbau dienenden Tragwerks, in das die Museumsetagen eingehängt werden, sofort in Gänze gebaut werden müsste, unterscheidet ihn von den meisten anderen Teilnehmern. Und widerspricht, wie zu hören ist, auch den Vorgaben des Wettbewerbs, die die Möglichkeit der separaten Errichtung von (in einen späteren Weiterbau zu integrierenden) Schutzbauten über Mikwe und Synagoge vorsehen. Auch in zahlreichen weiteren Punkten, etwa in Fragen der Finanzierung oder des Umgangs mit der Archäologie, würden die Vorgaben durch den Siegerentwurf missachtet.
Überwiegend Zustimmung zum geplanten Projekt wurde indessen am Montagabend im überfüllten Domforum geäußert. „Ein wahnsinnig volles Haus - ein wahnsinnig tolles Thema!“ So eröffnete Stefan Schmitz, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Architekten (BDA) / Köln, das BDA-Montagsgespräch, in dessen Verlauf die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs der interessierten Öffentlichkeit präsentiert wurden. Den preisgekrönten Architekten wurde die Gelegenheit gegeben, ihre Entwürfe vorzustellen und zu erläutern, in umgekehrter Reihenfolge, vom fünften bis zum ersten Platz.
Die Mitglieder der Jury hatten sich mit 21:1 Stimmen für den Entwurf des Architektenbüros Wandel Hoefer Lorch + Hirsch ausgesprochen, die einzige Gegenstimme soll von Kölns Kulturdezernent, Georg Quander, gekommen sein. Prof. Annette Hillebrandt, Mitglied des Preisgerichts, erläuterte in Gegenwart der Preisträger Wolfgang Lorch und Nikolaus Hirsch die Entscheidung der Juroren: „Sie sind am sensibelsten auf die Situation und die Weiterentwicklung der Archäologischen Zone eingegangen.“ Hillebrandt hofft, dass beide Projekte gleichzeitig realisiert werden. Und Anne Luise Müller, die Leiterin des Kölner Stadtplanungsamtes (die Stadtentwicklungsdezernent Bernd Streitberger vertrat), bezeichnete es als „Glücksfall“, dass eine so große Mehrheit des Preisgerichts für „die tragende Idee“ im Entwurf der Saarbrücker Architekten gestimmt habe. Müller wies aber darauf hin, dass Überarbeitungen am Entwurf erforderlich seien, etwa im Hinblick auf den geplanten Eingangsbereich am Alter Markt, auf die Höhenkonzeption, vor allem aber im südlichen Bereich, wo der Abstand zum Wallraf-Richartz-Museum, „das Respekt einfordert“, vergrößert werden müsse.
Den Einwand eines Zuhörers, man müsse nicht unbedingt den historischen Grundriss des Platzes wiederbeleben, begegnete Müller mit dem Hinweis auf die Aufgabenstellung des Wettbewerbs: „Es ging ja gerade darum, den historischen Grundriss wiederherzustellen, dem Platz vor der Renaissance-Laube eine gestaltende Fassung zu geben.“
Zur Frage der voraussichtlichen Kosten, die auch aus dem Publikum gestellt wurde, wollten sich die Architekten nicht äußern. Helmut Fußbroich, der Geschäftsführer der „Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der Jüdischen Kultur“, die das Projekt initiiert hat und auch finanzieren will, formulierte eher zurückhaltend: „Wir hoffen, im Herbst ein Finanzierungskonzept vorlegen zu können - und wir hoffen, dass im nächsten Jahr die Finanzierung gesichert sein wird.“
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25.06.2008 | 12.03 Uhr | till rosso
Das Innenleben des prämiierten Entwurfes scheint ja ziemlich clever zu sein, aber die Außenhülle entspricht der Architektur eines Warenhochlagers,…
Wer denkt sich sowas aus???
25.06.2008 | 11.17 Uhr | Sauerlaender
Köln hat wirklich das Talent, jeden freien Platz zu verschandeln. Man denke z.B. auch an das "Provisorium" am Breslauer Platz. Das man jetzt auch…
unmöglich
25.06.2008 | 10.54 Uhr | HaJoWolf
niemand brauch dieses museum, und schon garnicht an dieser stelle vor dem rathaus. unnötigst, überflüssigst. wer diesen standort genehmigt, der hat…
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