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Pläne für Kulturstätten

Köln soll kulturell in die allererste Liga

Von Heinz Tutt, 25.06.08, 20:26h

Das Land NRW will die Kölner Kulturszene aufwerten: Die städtischen Theater könnten zu vom Land getragenen Staatstheatern, das Gürzenich-Orchester ein Staatsorchester werden. Dies wäre ein Quantensprung für die Stadt. Sowohl Künstler als auch Rats-Politiker sind begeistert.

Kölner Oper
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Volles Haus in der Oper in Köln. Das Land NRW plant, Köln als Kulturstandort zu stärken. (Bild: Knieps)
Kölner Oper
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Volles Haus in der Oper in Köln. Das Land NRW plant, Köln als Kulturstandort zu stärken. (Bild: Knieps)

In Sachen Kunst soll NRW künftig in anderen Dimensionen denken. Gestern legte eine Expertenkommission dem NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers einen Abschlussbericht mit weit reichenden Vorschlägen und Empfehlungen vor, deren Umsetzung einen dreistelligen Millionenbetrag erfordern wird. Rüttgers, der die Kultur des Landes profilieren und im In- und Ausland stärker bekanntmachen will, dämpfte allerdings die Hoffnungen des Kommissionsvorsitzenden Heinz Dürr. „Wir werden sicher manches eins zu eins umsetzen, einiges vielleicht nicht umsetzen, vielleicht aber weiter darüber nachdenken“, sagte Rüttgers. Er sprach von „großen Träumen, selbst wenn man sie in den nächsten drei Jahren nicht umsetzen kann“.

Bedeutungsgewinn

Köln steht auf der Liste der Kommission ganz oben. Die Bühnen der Stadt Köln sollen - wie das Schauspiel und Musiktheater in Essen - den Status eines Staatstheaters erhalten und dadurch an Bedeutung gewinnen. Köln müsse wachgeküsst werden, heißt es im Bericht. Es sei bedauerlich, dass die Bühnen der Stadt seit vielen Jahren kaum mehr positiv in Erscheinung getreten seien, „so als wäre diese Adresse gelöscht worden“.

Dabei sei die Stadt und das Theater für viele Künstler ein gesuchter Platz, vielleicht mehr als andere Städte und Theater im deutschsprachigen Raum. In Köln hätten jedoch eine bemerkenswerte Anzahl falscher Personalentscheidungen sowie extreme Kürzungen zum Niedergang geführt, kritisiert die Kommission, in der neben anderen Persönlichkeiten auch der Intendant der Münchner Kammerspiele, Frank Baumbauer, sowie sein Kollege der Tonhalle Zürich, Elmar Weingarten, vertreten sind.

Orchester von internationalem Rang

Große Entwicklungschancen sieht die Kommission ebenfalls für das Gürzenich-Orchester, das mit dem Titel „Staatsphilharmonie Nordrhein-Westfalen“ geadelt werden soll. Für NRW sei unabdingbar, mindestens über ein Orchester zu verfügen, welches im internationalen Vergleich bestehen könne. Das Gürzenich-Orchester erfülle die hierfür notwendigen Voraussetzungen als einziges Orchester des Landes bereits jetzt in hohem Maße.

Was dem Orchester fehle, seien zusätzliche Mittel, „um es hinsichtlich der Gehälter der Musiker an vergleichbare Orchester heranzuführen, um in der Konkurrenz mit diesen um gute junge Künstler bestehen zu können“. Die Stärkung des Orchesters als Konzertorchester würde für den Opernbetrieb keine Nachteile bedeuten, weil es dort ohnehin zur Neustrukturierung des Repertoires kommen werde, heißt es im Bericht der Kommission. Unter dem Strich urteilen die Experten: Köln könne, wenn man die Popmusik miteinbeziehe, gegenwärtig als wichtigste Musikstadt Deutschlands bezeichnet werden. Die Stadt übe große Anziehungskraft auf Künstler und Komponisten aus.

Große Zustimmung zu Plänen

Zu weiteren Vorschlägen der Kommission gehört unter anderem, ein Pina-Bausch-Archiv und eine Studiobühne einzurichten, die European Kunsthalle in Köln jährlich finanziell zu unterstützen sowie die Internationale Filmschule und die Kunsthochschule für Medien zusammenzulegen. Rüttgers dankte der Kommission und will „bei einem gemütlichen Essen“ in einem Jahr Bilanz ziehen, was von den Vorschlägen und Anregungen verwirklicht werden konnte.

In Kölner Kulturkreisen stieß der Bericht gestern auf einhellige Zustimmung. „Das Land NRW als eine kulturelle Spitzenorganisation zu repräsentieren, könnte ein wunderbarer, logischer nächster Schritt“ in der laufenden Qualitätsentwicklung des Gürzenich-Orchesters sein, sagte Generalmusikdirektor Markus Stenz: „Von zusätzlichen Landesmitteln würden alle profitieren: das Land, die Region, die Stadt und nicht zuletzt das Orchester, das damit künstlerische Ziele formulieren könnte, die den jetzt eingeschlagenen Weg konsequent weiterführen.“

Lothar Theodor Lemper (CDU), der Vorsitzende des Kulturausschusses im Kölner Rat, äußerte Genugtuung darüber, dass der Bericht „endlich mal den Düsseldorfer Blick auf das Rheinland und auf Köln und nicht immer nur auf das Ruhrgebiet lenkt“. „Da kann Köln stolz auf sich sein“, meinte SPD-Kultursprecher Hans-Georg Bögner. Wichtige kommunale Kulturinstitutionen hätten den Nachweis überregionaler Konkurrenzfähigkeit erbracht: „Da hat sich unsere Arbeit gelohnt.“



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