Von Paul Kreiner, 26.06.08, 22:04h, aktualisiert 26.06.08, 23:03h
„Von wegen Extravaganz!“, antworteten sie bisher im Vatikan; Benedikt XVI. habe nur zwei traditionelle päpstliche Kopfbedeckungen aus der Mottenkiste geholt - den „Camauro“ und den „Saturno“; die Welt habe diese nur deshalb vergessen, weil Benedikts drei Vorgänger sie verschmäht hatten.
Besonderes Aufsehen indes erregten des Papstes neue Schuhe. Nach den eher bräunlichen Mokassins von Johannes Paul II. wählte Benedikt leuchtend rote Modelle. Modeexperten waren sich sicher: die konnten nur vom Mailänder Edelproduzenten Prada stammen.
Schon drei Jahre nach dem Aufkommen dieser Gerüchte schreitet jetzt die offizielle Vatikanzeitung, der „Osservatore Romano“, zur amtlich unfehlbaren Widerlegung. Der Autor, der sinnigerweise als Juan Manuel de Prada firmiert, beklagt „die Oberflächlichkeit unserer Zeit, die ins Banale zieht, was sie nicht begreift“. Benedikt sei „ein einfacher und nüchterner Mensch“, der seine Kleidung zwar tatsächlich mit viel Bedacht wähle, aber nicht „des ästhetischen Getues“ wegen.
„Schönheit der Liturgie“Der Papst wolle vielmehr die „Schönheit der Liturgie“ ausdrücken, er wolle den „Sinn für deren geschichtliche Verwurzelung, fürs Wesentliche“ am Leben halten, für die „Notwendigkeit der inneren Umformung des Menschen“ auf Christus hin. Benedikt XVI. wähle also seine liturgischen Kleider aus der Tradition, „um Christus anzuziehen“, schließt der „Osservatore Romano“ - „kurz gesagt: der Papst trägt keineswegs Prada, sondern Christus“.
Die berechtigten Fragen, ob denn jeder Auftritt Benedikts eine liturgisch-gottesdienstliche Handlung sei, und was konkret eine Camauro-Mütze mit Jesus zu tun haben könnte, die stellt Juan Manuel de Prada lieber nicht. Er schweigt sich auch darüber aus, woher Benedikt seine roten Schuhe bezieht. Gerüchteweise glaubt man es in Rom mittlerweile zu wissen: Ein Schuhmacher im norditalienischen Novara stellt sie her; das Städtchen liegt etwa 50 Kilometer westlich von Mailand.
Pallium als Stola
Im selben „Mode-Special“ musste der „Osservatore“ übrigens zugeben, dass Benedikts so gefeierte „Anknüpfung an die Ursprünge des Christentums“ bei einem anderen und ausgerechnet bei einem hoch liturgischen Kleidungsstück schief- gegangen ist. Anknüpfend an frühchristliche Mosaiken in den römischen Kirchen, hatte sich Benedikt ein neues „Pallium“ nähen lassen. Zuletzt bestand dieses Zeichen der Erzbischofswürde aus einer Art weitem Kragen, einem Reifen aus weißer Wolle, mit senkrecht angesetzten Streifen über Brust und Rücken.
Benedikt hingegen wollte das Pallium als Stola haben. Der Streifen wurde dadurch zweieinhalb Meter lang und hing fast bis zum Boden. Auf den Messgewändern saß er nie richtig, er verrutschte und erwies sich als Stolperfalle. Um diese „störenden Probleme“ zu beseitigen, erklärt der päpstliche Zeremonienmeister Guido Marini, kehre Benedikt ab sofort zur modernen Form des Palliums zurück - wenn auch in üppigerer Ausstattung, als sie gewöhnlichen Erzbischöfen zusteht. Johannes Paul II. hatte sich 26 Jahre lang mit der normalen Form begnügt.
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