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Ein Tag in Düsseldorf

Auch mal abseits des Mondänen

Von JENS HÖHNER, 27.06.08, 21:56h, aktualisiert 27.06.08, 22:51h

In einer Sommerreihe unternehmen wir Tagesausflüge in Großstädte des Rheinlands - zu Beginn nach Düsseldorf. In den Höfen der Landeshauptstadt gibt es viel zu entdecken. Sehenswert sind die geheimem Gänge von Schloss Benrath.

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Blick auf die Düsseldorfer die Rheinpromenade. (Bild: dpa)
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Blick auf die Düsseldorfer die Rheinpromenade. (Bild: dpa)
DÜSSELDORF - Wer sich nicht rechtzeitig duckt, der bekommt die Historie mit voller Wucht zu spüren. Niedrig sind sie, schmal und stickig, jene düstren Gänge, die sich im Verborgenen durch Schloss Benrath winden. Matthias Koch öffnet gern kaum sichtbare Türen und lädt ein zur Erkundung des Dienstboten-Alltags, der sich einst zwischen den kargen Mauern des Labyrinths im Innern des kurfürstlichen Prachtbaus zugetragen hat.

Geheime Gänge dieser Art gibt es viele in diesem Schloss, das in den Jahren 1756 bis 1780 erbaut worden ist. Ihnen folgen Sonderführungen, die dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Stiftung Schloss Benrath großen Spaß machen. Lebendig erzählt er von den Tagen des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz (1724-1799), der erst fünf Jahre nach der Fertigstellung seiner Privatresidenz im Düsseldorfer Süden zum ersten Mal dort weilt - „und zum einzigen Mal“, wie Koch sagt, während die Schaulustigen wieder auf der glänzenden Seite des feudalen Daseins auftauchen. In dicken Filzpantoffeln durch die herrschaftlichen Räume schleichen und schlurfen. „Der Boden ist aus versteinerten Korallenbänken gearbeitet“, erklärt Koch unterwegs.

Die Zeit dort vergeht schnell. Hinter dem Gebäudeensemble erstrecken sich die Schlossgärten mit sprudelnden Brunnen und Weihern, üppigen Blumenrabatten und wohlriechenden Kräuterbeeten. Das Picknicken auf den Wiesen ringsherum sei durchaus erlaubt, versichert Matthias Koch. Wer diese Anlagen ansteuern möchte, der sollte seinen Ausflug früh einplanen. Oder den Tag in der Landeshauptstadt am besten gleich auf Schloss Benrath beginnen. In einem der Gebäudeflügel untergebracht ist zudem das Museum für Gartenkunst, das alle Sinne reizen soll: Immer wieder gilt es Türen zu öffnen, Geschichten zu hören, hier zu lauschen, dort zu schnuppern, da zu tasten. Der Gang durch diese Räume ist eine Reise durch die grüne Seite der Geschichte.

Viertel hieß „Klein Paris“

Uta Pollmann schätzt das Verborgene ebenso. Gern kommt sie vom Weg ab, wenn sie durch die Altstadt des früheren Fischerdorfes spaziert. 1288 hat der Ort an der Düssel die Stadtrechte erhalten. Etwa 583 000 Menschen leben heute in Düsseldorf. Die Carlstadt, benannt nach jenem Erbauer von Schloss Benrath, hat es Uta Pollmann indes besonders angetan. „In der Zeit Napoleons wurde dieses Viertel manchmal als Klein-Paris bezeichnet“, verrät die Stadtführerin, die ihre Liebe zur Heimatstadt kaum verhehlen kann: 16-mal ist die 54-jährige Pollmann umgezogen, um immer wieder nach Düsseldorf zurückzukehren. Oft biegt sie ein in Hinterhöfe, die Idyllen offenbaren. Nahezu provinziell wirkt die mondäne Rheinstadt dann, obwohl die schicke Königsallee nur einen Steinwurf weit entfernt ist.

In einem jener Höfe der Carlstadt beheimatet ist das Düsseldorfer Marionetten-Theater. In der Werkstatt schlägt die Puppenspielerin Ioana Stoica gerade Krampen in den Allerwertesten eines Torsos, der später mal Jim Knopf sein wird. Lukas, der Lokomotivführer, ist schon fertig. „Am 25. September haben wir Premiere“, kündigt Stoica an. „Und bis dahin liegt noch viel Arbeit vor uns.“ In der Nachbarschaft zu finden sind Hutmacher und Kostümschneider, Weinhandlungen und Delikatessengeschäfte - sogar eins für Hunde. Ansonsten aber gibt sich Düsseldorf in der Carlstadt gutbürgerlich.

So auch auf dem Carlsplatz mit seinem regen Markttreiben an der Grenze zur Altstadt. „Da ist einfach alles zu haben“, weiß Uta Pollmann. Bei Josef Dauser, einem Familienbetrieb seit 1947, schmeckt unterdessen die „Ääzesupp“ (Erbsensuppe) herrlich deftig, dazu gibt es Bratwurst und den typischen Düsseldorfer Mostert, den Adam Bernhard Bergrath 1726 erstmals angesetzt und den Vincent van Gogh auf einem seiner Gemälde verewigt hat. Mild ist der und trotzdem scharf. Miriam Seegers, Mitinhaberin des nur 16 Quadratmeter großen „Gewürzhauses“ an der Mertensgasse in der Altstadt, füllt den dunkelgelben Senf vom Fass in kleine Pötte. Mehr als 300 Gewürzsorten sind dort zudem zu haben. Ebenfalls als Delikatesse gelten dürfen die Waffeln von der kleinen Bude an der Bolkerstraße, die wegen der Kneipen bekannt ist. Ansonsten aber meidet die Stadtführerin solche Rummelmeilen.

Bei Schneider Wibbel

Ein Abstecher führt noch in die Schneider-Wibbel-Gasse: Dort hockt die Bronzestatue des cleveren Schneiders. Sie verheißt Glück, Gesundheit und manchen Geldsegen demjenigen, der mit der Hand über die entsprechenden Partien streicht. „Und wer das versteckte Mäuschen findet, hat einen Sonderwunsch frei“, zählt Uta Pollmann, bevor sie das Schifffahrt-Museum im Schlossturm am Rhein zum nächsten Ziel erklärt: „Besonders wegen des Kinderprogramms lohnt sich der Ausflug dorthin.“

Immer eine prima Adresse - vor allem bei Regen - ist auch das Löbbecke-Museum mit dem Aquazoo, gelegen am Nordpark und gut zu erreichen: Auf rund 8000 überdachten Quadratmetern tummeln sich 450 Tierarten - sogar im Büro des Tierpark-Leiters Wolfgang Gettmann: Dort begrüßt Nemo Gäste gern, indem er sich auf den Rücken dreht und Krauleinheiten fordert. Zweieinhalb Jahre alt ist der bundesweit wohl bekannteste Zwergotter inzwischen. „Er fährt sogar mit in den Urlaub und geht mit dem Familienhund Gassi“, verrät Gettmann (59). „Seine Mutter hat ihn verstoßen.“

Unterdessen tobt Nemos Verwandtschaft durch ein Wasserbassin. Denn Wasser ist das Thema schlechthin in diesem besonderen Zoo, auch wenn es nicht unbedingt präsent ist: Die afrikanischen Kammfinger etwa trinken nicht. „Sie nehmen die Flüssigkeit allein über die Nahrung auf“, sagt der Experte über jene Nagetierart, die auch unter dem Namen „Gundi“ bekannt und nach Auskunft Gettmanns nur selten in Zoos zu sehen ist. Das Löbbecke-Museum unterscheidet sich besonders durch sein Konzept von anderen Anlagen: An den Gehegen und Aquarien bieten Exponate anschauliche Erklärungen zu den Tieren, ihren Lebensräumen oder zur Evolution. 500 000 Besucher jährlich wissen das zu schätzen. Und mancher davon hat schon Freundschaft mit Nemo geschlossen.

In der nächsten Folge geht es nach Bochum, ins Bermuda3eck und ünter Tage.



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