Erstellt 02.07.08, 22:00h
GEORG QUANDER: Ich habe den Entwurf auf jeden Fall unter den ersten drei Plätzen gesehen. Aber ich hätte ihn nicht auf Platz eins gestellt. Ausschlaggebend dafür war vor allem, dass er ein Drittel der Kriterien des Wettbewerbs nicht erfüllt. Insbesondere ist die geforderte Entkopplung von Archäologischer Zone und Haus und Museum der jüdischen Kultur nicht gewährleistet. Die Wettbewerbsteilnehmer waren ja aufgefordert, eine modulare Lösung vorzulegen, die es eben ermöglicht, den gesicherten Teil der Archäologischen Zone auch zu errichten, wenn der andere Teil möglicherweise noch nicht gesichert ist. Der auf Platz eins gewählte Entwurf bietet hierfür keine Lösung. Das hat mir große Sorgen gemacht.
Welche Bedenken hatten Sie noch?
QUANDER: Der Bau greift zwar nur ganz wenig in die historische Bodensubstanz ein. In anderen Bereichen aber geht er mit der Substanz der Archäologischen Zone sehr rigoros um. Deswegen hat das Preisgericht ja auch den Respekt vor den archäologischen Funden eingefordert und eine Überarbeitung empfohlen. Ein dritter Punkt:
Es ist vorgesehen, den gesamten Ausgrabungsbereich hinter Glaswänden offen zu lassen. Darüber erhebt sich dann der Bau des Jüdischen
Museums. Über Mikwe und Synagoge aber sollen die Räume ohne Abtrennung in den oberen Bereich hineinragen. Das bedeutet für Klimatisierung und Betrieb enorme Aufwendungen.
In welcher Form müsste denn der Trägerverein belegen, dass er das Geld zum Bau und Betrieb des Museums überhaupt aufbringt?
QUANDER: Wenn ich es kaufmännisch sehe, müssten wir im Grunde zum endgültigen Ratsbeschluss eine Bankbürgschaft des Vereins über 15 Millionen Euro haben.
Wie wird die angekündigte Einbindung der Öffentlichkeit aussehen?
QUANDER: Wir werden ab 16. Juli die Ausstellung mit Plänen und Modellen haben. Am Ende wird dann wohl eine öffentliche Veranstaltung im Rathaus stattfinden. Damit wird die im Ratsbeschluss geforderte öffentliche Beteiligung ermöglicht, deren Ergebnisse der Rat in seiner endgültigen Entscheidung berücksichtigen kann. Diese Entscheidung muss allerdings schon in der ersten Ratssitzung nach den Sommerferien gefällt werden, weil wir mit der Archäologischen Zone als Regionale-Projekt ja unter enormem Zeitdruck stehen.
Das Gespräch führte Christian Hümmeler
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