Von Claudia Hauser und Norbert Ramme, 03.07.08, 15:47h, aktualisiert 02.07.09, 14:46h
Die bunte, schrille und laute Parade mit rund 80 Festwagen, mehr als 20 000 Teilnehmern und 500 000 Zuschauern ist der Höhepunkt des „Christopher Street Day“, einer Drei-Tage-Party, die längst zu Köln gehört wie der Rosenmontagszug und der Marathon.
„Null Toleranz für null Toleranz“ ist das Motto des CSD 2008. „Wir wollen nicht dulden, dass einige Mitglieder der Gesellschaft unsere Rechte mit Füßen treten“, sagt Markus Danuser vom Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), der mit Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und dem Bundestagsabgeordneten Volker Beck die Parade anführt.
Werbung für Gay Games
Von den Wagen peitschen Techno-Rhythmen, erklingen auch bekannte Schlagermelodien und kölsche Töne. Die Straße tanzt und singt mit. Und zur Belohnung regnet es Lollis, Gummibärchen, Kondome und Rosen. Zwischen den Festwagen immer wieder Drag-Queens und Selbstdarsteller in prächtigen und mit viel Fantasie angefertigten Kostümen. Parteien und Gewerkschaften, Verbände und Firmen schicken komplette Fußgruppen auf die Parade, unter ihnen Ford und Ikea. Dazwischen: glänzende Gladiatoren, südamerikanische Gottheiten auf Stelzen, Matrosen und Krankenschwestern aller Art. Die schwul-lesbische Tanzschule „Seitenwechsel“ bietet einen Schnellkurs für Anfänger auf der Straße. Der SC Janus wirbt für die Gay Games, die 2010 in Köln stattfinden werden. Andreas Stiene,Organisator des „Come-Together-Cup“ führt eine große Gruppe von schwulen und lesbischen Fußballfans an. Darunter Mitglieder aus Fanclubs von zwölf Bundesligavereinen sowie aus Basel und Barcelona. Den Wagen mit dem Motto „Fußball ist alles, auch schwul!“ hat der DFB gesponsert. Das ist der Sonntag, der Höhepunkt des CSD.
Spielplatz Kölnarena
Die Kölnarena gleicht Samstagnacht einem großen Spielplatz. Wenn auch keine Kinder sich im Kettenkarussell durch die Luft wirbeln lassen, sondern gestandene Mannsbilder in sehr knappen Lederhosen und in hautengen T-Shirts. Die bunten Boas müssen im Fahrtwind Federn lassen. Wer nach der Fahrt durch die Arena wankt, wird spätestens am überdimensionalen DJ-Pult in der Mitte der Halle gestoppt, wo neben Fabio White, Micky Friedmann und DJ R.O.N.Y. House auflegen, während sich ihr silbernes Pult dreht und professionelle Tänzer zu dröhnenden Bässen klassische Ballett-Piouretten drehen.
„Colour - It's so fucking big“ ist das Motto der bunten Party, die künftig fester Bestandteil des CSD werden soll. 8500 Schwule und Lesben pilgern auf die Schäl Sick, um zu tanzen, zu feiern und zu knutschen. Wer dabei Lust auf mehr bekommt, muss nur dem Schild „Notausgang“ folgen. Dort befindet sich auf 20 Quadratmetern die „Crusing Area“: Eintritt ab 18 Jahren und nur für Männer. „Da würde ich auch gar nicht reinwollen“, sagt Beate zu ihrer Freundin Lea. Was genau sich im Dark Room, der von Türstehern bewacht wird, abgespielt hat, bleibt der Fantasie überlassen. Die Männer, die sich brav in einer Reihe anstellten, kichern jedenfalls und wechseln geheimnisvolle Worte hinter vorgehaltener Hand. „In anderen Kölner Läden ist so etwas normal - auch außerhalb des CSD“, sagt einer. „Übrigens auch unter Hetero-Paaren. Nur weil es hier um Schwule geht, regen sich wieder ein paar Wichtigtuer künstlich auf.“ Die meisten Gäste feiern ihre Colour-Party auch nicht im Dark Room, sondern auf der riesigen Tanzfläche. Und wer die Astralkörper der Männer in den Käfigen gesehen hat, der will am liebsten gar nicht mehr weg.
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