Von Silke Offergeld, 04.07.08, 21:00h
Die Uniformen von Stewardessen und Flugkapitänen, Offizieren oder Matrosen haben für viele Menschen eine unbestreitbar sexuelle Anziehungskraft, sind sie doch ein Symbol der Macht und Autorität, das uns reizt, den Träger zu erobern. „Das Korrekte fordert heraus, den Menschen dahinter wieder sichtbar zu machen, indem ihm die Uniform sozusagen vom Körper gerissen wird“, sagt Ingrid Loschek, Professorin für Modetheorie und Modegeschichte an der Hochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft in Pforzheim.
Auch Fahrer und Schaffner in Zügen tragen Uniformen - allerdings gelten sie gemeinhin nicht als besonders sexy. Sie teilen das Schicksal der Polizisten, zumindest in Deutschland, wird ihre Berufskleidung doch eher als unförmig und unfarbig empfunden. Die Schaffner des Thalys, des transeuropäischen Schnellzugs, der Köln mit Brüssel und Paris verbindet, sollen jetzt aus dieser Nische ausbrechen: Das Unternehmen hat die junge Designerin Eva Gronbach beauftragt, neue Uniformen für Lokführer, Zugbegleiter und Stationspersonal zu entwerfen.
„Ich habe den Thalys immer als jung, lebendig und schick empfunden, als einen Designzug. Die alten Uniformen haben auf mich in dieser Umgebung immer zu schwer gewirkt“, sagt die Kölnerin Eva Gronbach, die in Brüssel und Paris studiert und gearbeitet hat und entsprechend Stammgast im Schnellzug war und ist. Gronbach hat bereits für Yohi Yamamoto und Hermès gearbeitet, ihre Uniformen sind inspiriert durch die Outfits von Flugkapitänen und Stewardessen. Lokführer und Kontrolleure tragen elegantes Grau und Dunkelblau, während die Kleidung des Service-Personals die Farben des Zugs aufnimmt. Prägend ist dabei vor allem das satte Auberginerot, ein Markenzeichen des Zuges.
Was den Uniformen fehlt, ist das schwere, amtliche, die militärische Strenge. „Diese Uniform wird erst durch ihre Vervielfältigung zur Uniform, durch das Auftreten der Träger als Gruppe“, sagt Gronbach. „Wir haben zuerst auch überlegt, ob wir überhaupt von Uniformen sprechen wollen. Das Militär ist aber nur die erste Assoziation. Davon muss man sich freimachen. Letztlich sind Uniformen Kleidung für eine bestimmte Gruppe - so gesehen sind wir alle uniformiert.“
Schon in den 50er und 60er Jahren ließen vor allem Fluggesellschaften ihre Uniformen von Designern gestalten. Das war zum einen prestigeträchtig, zum anderen sahen die Kleider einfach besser aus, wurden doch zumindest die Uniformen von Beamten lange von anderen Beamten nach feststehenden Schemata entworfen.
„Dieser kreativere Ansatz ist auch demokratischer“, sagt Ingrid Loschek. Denn die Entwürfe der Designer zielten darauf, weniger den Rang des Trägers zu betonen als vielmehr seine Persönlichkeit durchscheinen und ihn menschlicher wirken zu lassen. Was zählt, ist heute mehr Kundennähe als unbedingte Autorität. Zudem würden die Entwürfe fast nie komplett umgesetzt - Unternehmen und Mitarbeiter bestimmten meist mit, was sie tragen wollten.
Das war auch bei den Thalys-Uniformen so: „Ursprünglich waren die Uniformmäntel rot statt grau. Die Mitarbeiter wollten aber nicht jeden Tag Rot tragen. Daran habe ich mich gehalten“, sagt Gronbach. Mit ihrer Verpflichtung ging das Unternehmen ohnehin schon viel weiter als andere: Wurden in der Vergangenheit meist arrivierte Designer-Stars verpflichtet wie etwa Luigi Colani, der die Uniformen der Hamburger Polizei entwarf, ist Eva Gronbach die erste junge Designerin, die dafür von einem großen Unternehmen verpflichtet wurde.
„Das wäre ein Traum von mir, die Uniformen für die deutsche Polizei zu entwerfen. Ich weiß, dass das Ländersache ist, aber ich finde, es sollte eigentlich bundesweit einheitlich sein“, sagt Gronbach. Ihre Herbst / Winter-Kollektion 2004 / 2005 nannte sie schon einmal „Meine neue deutsche Polizeiuniform“.
Eine Uniform, meint die Designerin, könne „etwas Geniales“ sein - „aber wenn man nur praktisch denkt, ist es eine Katastrophe“. An der neuen Polizeiuniform, die in Nordrhein-Westfalen seit vergangenem Herbst getestet wird, seien „Experten aus der Textilbranche und Polizisten“ beteiligt gewesen, vermeldete das Innenministerium seinerzeit stolz. Fantasien von schmucken Uniformträgern werden hier wohl nicht aufkommen, obwohl zumindest der Gewerkschaft der Polizei die neuen Kleider „zu militaristisch“ sind. Im ästhetischen Trend zur Uniform-Demokratie liegt die Polizei damit also nicht - die Fans der klassischen Uniform wird es freuen.
Die Uniform wird demokratisch
11.07.2008 | 19.12 Uhr | pelsmaekers
Koennen Sie mir weitere Bilder ausschicken von diesen défilé ?
Danke
Kris Warnez
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