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ZDF-„Mitternachtsfantasien“

Erotik im TV

Von ANTJE HILDEBRANDT, 06.07.08, 21:35h, aktualisiert 06.07.08, 21:38h

Die ZDF-„Mitternachtsfantasien“ wagen immer mehr. Am Montag zeigt der Sender den kanadischen Film "Liebe mich!", der auf der Berlinale 2006 Aufsehen erregte - in erster Linie wegen seiner expliziten Sexszenen.

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Lauren Lee Smith und Eric Balfour in "Liebe mich!". (Bild: ZDF)
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Lauren Lee Smith und Eric Balfour in "Liebe mich!". (Bild: ZDF)
Ab heute locken die Mainzer wieder mit „erotischen“ Betthupferln“.

Woody Allans „Matchpoint“ ist heute (22.15 Uhr) der softe Auftakt der „Sommernachtsfantasien“, die sich in diesem Jahr weiter in jene „Feuchtgebiete“ wagen, von denen man annahm, sie würden nächtens nur von Privatsendern betreten: die blonde Schauspielerin Nola (Scarlett Johansson) zieht den schönen Tennislehrer Chris (Jonathan Rhys Meyers) in einen Strudel von Begehrlichkeiten.

In diesem Sommer soll es ganz um die weibliche Lust gehen - Filme, von Frauen inszeniert oder aus dem weiblichen Blickwinkel erzählt. Neben Pascale Ferrans preisgekrönter Neuverfilmung von D.H. Lawrence „Lady Chatterley“ (14. Juli) zeigt das ZDF auch Mina Vartanens Film „Lust auf Sex“ (28. Juli), der sich vorurteilsfrei einem Thema widmet, das immer noch weitgehend tabuisiert wird: Was passiert, wenn der Sex zur Droge wird? Die glücklich verheiratete Karrierefrau Jonna (Mia Grönlund) treibt es immer wieder in die Arme fremder Männer. Als Therapieversuche scheitern und ihr Mann Niklas (Nicke Lignell) von der Sucht seiner Frau erfährt, begeht Jonna in ihrer Hilflosigkeit eine Verzweiflungstat.

„Drastischer Sex“

Als „schärfstes“ Betthupferl bewirbt ZDF-Redakteurin Doris Schrenner den kanadischen Film „Lie with me“ („Liebe mich!“), der auf der Berlinale 2006 Aufsehen erregte - in erster Linie wegen seiner expliziten Sexszenen: Leila (Lauren Lee Smith) wechselt ihre Liebhaber häufiger als ihre Staubsaugerbeutel; aus dem Off sinniert sie über ihre Sexualität, Wünsche und Erfahrungen.

Fällt dieser Film noch in die Kategorie „Erotik“, oder tritt die Handlung nicht vielmehr hinter den Sex-Szenen zurück? Kritiker tendierten nach der Premiere auf der Berlinale eher zu der zweiten Meinung. Und auch die Inhaltsangabe, die das ZDF in einem Programmheft mitliefert, widerlegt das weitverbreitete Vorurteil, auf dem Lerchenberg „gäb's koa Sünd“: „Drastischer Sex, ein wildes Raubtier als Heldin - das sind die Markenzeichen von »Liebe mich!«. Der Film wirft einen ungeschönten Blick auf die Fleischeslust, ist entwaffnend aggressiv und faszinierend in seiner wilden Entschlossenheit.“ (Zitat aus der indischen Boulevardzeitung „Screen“) .

Kaum Beschwerden

Fragt man Doris Schrenner aus der ZDF-Spielfilmredaktion, nach welchen Aspekten sie und ihr Kollege Manfred Etten die Filme für die Reihe „Sommernachtsfantasien“ auswählen, verweist sie auf das Gütesiegel der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK): Freigegeben ab 16 Jahren. Das „Zweite“ zeige ausschließlich eigens zu diesem Zweck eingekaufte Arthouse-Filme oder Independent-Produktionen, und das würde vom Publikum, „zur Hälfte weiblich, zur Hälfte männlich, Alter: mittelalt bis etwas älter“ auch goutiert. Beschwerden über allzu freizügige Aufnahmen erreichten den Sender nur selten. So hätten einige Zuschauer Anstoß an dem Film „Der Liebhaber“ (1991) von Jean-Jacques Annaud genommen, allerdings weniger an den Bettszenen als an der Tatsache, dass es um Sex mit einer Minderjährigen gehe. Nach einem Roman von Marguerite Duras erzählt der Film die Geschichte einer Amour fou zwischen einer 16-jährigen (Jane March) und dem erwachsenen Geschäftsmann (Tony Leung) im Saigon der 20er Jahre.

Auch ein erigierter Penis in Großaufnahme, den die Mainzelmänner 2007 in einer Oralverkehrszene in dem US-Erotikthriller „In the Cut“ von Jane Campion zeigten, sei nicht auf ungeteilte Begeisterung gestoßen. Ausgerechnet die „Bild“-Zeitung habe diese Aufnahme einen Tag vor der Ausstrahlung abgedruckt, verbunden mit der Frage an einen Psychologie-Professor von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien: „Ist das nicht verbotene Pornografie im TV?“ Die FSK, die den Film ab 16 Jahren freigab, hatte sich seinerzeit auf die Kunstfreiheit berufen. Auch der Psychologie-Professor gab Entwarnung. Die umstrittene Szene passe in den Kontext des Drehbuches. Deshalb sei es keine Pornografie.

„Gewisse Grenzen testen“

„Eine bessere Werbung hätten wir uns nicht wünschen können“, frohlockt dazu Doris Schrenner. 2,8 Millionen Menschen schauten sich die Szenen an - man ist geneigt zu sagen: trotz des Krimis, der sich drum herum entspann.

Das waren mehr, als das ZDF-Montagskino normalerweise erreicht. 2,4 bis 2,5 Millionen Zuschauer sitzen gewöhnlich vor dem Fernseher, das entspricht einem Marktanteil von 14,5 Prozent. Doris Schrenner räumt ein, dass das große Echo den Sender ermutigt habe, sich in diesem Jahr weiter vorzuwagen. „Wir wollen gewisse Grenzen austesten.“ Mit „Lie with me“ wird den Mainzern das zweifellos gelingen.



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