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Ein Tag in Wuppertal

Die Stadt der schönen Ecken

Von Peter Berger, 07.07.08, 21:19h, aktualisiert 31.07.08, 22:37h

In einer Sommerreihe unternehmen wir Tagesausflüge in nahe Großstädte - heute nach Wuppertal. Wuppertal hat 360 000 Einwohner, eine Schwebebahn, einen Zoo und ein Imageproblem.

Schwebebahn
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Das Wuppertaler Wahrzeichen: Ein Zug der Schwebebahn erreicht die Endstation Vohwinkel im Westen der Stadt. (BILDER: ARTON KRASNIQI)
Schwebebahn
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Das Wuppertaler Wahrzeichen: Ein Zug der Schwebebahn erreicht die Endstation Vohwinkel im Westen der Stadt. (BILDER: ARTON KRASNIQI)
„Kampf des arbeitenden Mensche
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Das Hrdlicka-Denkmal „Kampf des arbeitenden Menschen“ vor dem Engels-Haus in Barmen mit dem Museum für Frühindustrialisierung.
Fabrikanten-Villen
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Fabrikanten-Villen schmücken das Briller Viertel.
„Kampf des arbeitenden Mensche
Fabrikanten-Villen
WUPPERTAL - Wuppertaler sind es gewohnt, dass in den Liebeserklärungen an ihre Stadt immer etwas Mitleid mitklingt. „Schön grün drum herum“ zum Beispiel. Oder: „Gibt ja doch ein paar schöne Ecken hier.“ Wenn Herbert Hartmann, den es vor 50 Jahren wegen seines Berufs ins Tal verschlagen hat, das hört, kann er nur mit dem Kopf schütteln. „Ich habe noch nie verstanden, warum diese Stadt immer so schlechtgemacht wird.“ Für den 72-Jährigen, der als Strumpfstrickeinrichter in der Textilindustrie gearbeitet hat, ist Wuppertal längst zur Heimat geworden.

Seine Empfehlungen für Tagesausflügler neben der natürlich unvermeidlichen Fahrt mit der Schwebebahn und einem Besuch im 127 Jahre alten Zoologischen Garten: „Es wird so viel über Parks und Grünanlagen gesprochen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal unsere Barmer Anlagen, die Hardt, den Nordpark und die Vorwerkschen Gärten am Toelleturm anzusehen. Ich glaube kaum, dass man in einer anderen Großstadt so viele alte Bäume zu Gesicht bekommt.“

EIN TAG IN WUPPERTAL

Das gilt übrigens auch für den Zoologischen Garten, dessen Verwaltungschef nur mit einer Frage seine Probleme hat: Der Zoo in zwei Stunden? „Das geht eigentlich gar nicht“, sagt Karl-Joachim Flender. Aber wenn schon, „würde ich mich auf die neue Großkatzenanlage, die Elefanten-Freianlage und die Affen konzentrieren“, empfiehlt er. Um es gleich zu erwähnen: Was für den Zoo gilt, der im neuesten Ranking des „Stern“ hinter den beiden Berliner Tierparks Platz drei erreicht hat, gilt für alle Wuppertal-Ausflüge: Angesichts der steilen Hänge muss man Kondition mitbringen.

Zum Beispiel, um wenigstens eine der 469 öffentlichen Treppen mit insgesamt 12 383 Stufen hinaufzusteigen, die das Tal seit dem 19. Jahrhundert mit den Wohngebieten verbindet. 23 dieser Treppen stehen unter Denkmalschutz und die bekannteste unter ihnen, das Tippen-Tappen-Tönchen, verdankt ihren Namen dem Klang der Holzschuhe. Sie führt aus dem Elberfelder Luisenviertel auf den Ölberg mit seinen schönen, stuckverzierten Jugendstil-Fassaden, einem typischen Arbeiterviertel in der Nordstadt, der deshalb so heißt, weil selbst viele Jahre nach der Erfindung der Elektrizität dort noch Petroleum-Lampen angezündet wurden. Einen Steinwurf entfernt und ein paar Meter höher am Hang gelegen, liegt das Briller Viertel mit vornehmen Fabrikantenvillen inmitten großer Parks - steinerne Zeugnisse vom Reichtum des Wuppertals durch die Textilwirtschaft im 19. Jahrhundert. Dort lebte auch der ehemalige Bundespräsident und Oberbürgermeister Johannes Rau.

Die Stadt, die heute 360 000 Einwohner hat, entstand erst am 1. August 1929 aus den bis dahin politisch selbständigen Wupperstädten Barmen und Elberfeld sowie den Gemeinden Cronenberg, Ronsdorf, Vohwinkel und Beyenburg. 1975 kamen Dönberg, Dornap und Schöller dazu. Die einzelnen Stadtteile sind natürlich älter: So stand die erste steinerne Kirche schon um das Jahr 1000 in Elberfeld. Cronenberg wurde 1050, Barmen 1070 erstmals urkundlich erwähnt.

Vom Tippen-Tappen-Tönchen sind es nur ein paar Schritte bis in die Elberfelder Altstadt mit dem Luisenviertel und dem Laurentiusplatz. Hier lohnt sich ein Abstecher am Abend, die Kneipenszene und Restaurants wie das „Katzengold“, das „Luisencafé“ oder das „Kaffee Engel“ sind durchaus empfehlenswert.

Es gibt wohl kaum eine Stadt, in der sich Fremde so wenig verirren können. Wer in eines der beiden Stadtzentren von Barmen und Elberfeld möchte: Berg runter ist immer richtig. Das stählerne Korsett der Schwebebahn, das sich über 13,3 Kilometer von Vohwinkel im Westen nach Oberbarmen im Osten zum größten Teil über die Wupper schlängelt, ist Orientierungshilfe genug. Wobei die beiden Fußgängerzonen, vor allem die von Barmen, nicht sehr viel Bemerkenswertes zu bieten haben, sieht man einmal von den beiden Rathäusern ab. Dafür lohnt ein Abstecher nach Beyenburg, mit Kloster und Kirche, den grau-geschieferten bergischen Häusern mit den typisch grünen Fensterläden und den weißen Fensterkreuzen am Wupper-Stausee.

Hort der Heimatliebe

Das dürfte einer der wenigen Orte sein, wo es den Wuppertalern gelingt, Auswärtigen ein Stück ihrer Heimatliebe zu vermitteln. Was verdammt nicht einfach ist, denn die Stadt im Bergischen mit ihrer eingequetschten Tallage kämpft seit jeher darum, zwischen den großen Nachbarn in Rheinland und Ruhrgebiet wahrgenommen zu werden.

Ein Kampf, den ihre Bewohner mit der ihnen angeborenen bergischen Gelassenheit führen, die von Außenstehenden durchaus mal als etwas knarzig, leicht knurrig und starrköpfig empfunden werden kann. Aber was würden Sie machen, wenn man Ihnen dauernd vorhielte, in einem Regenloch zu hausen und mit einem Schirm zur Welt gekommen zu sein? Vermutlich würden Sie trotzig antworten: „Aber es gibt hier trotzdem ein paar schöne Ecken. Und es ist schön grün drum herum.“ Wegen des bergischen Steigungsregens.

In der nächsten Folge geht es nach Gelsenkirchen, zu einem Platz für Romantiker, in ein uraltes Schloss, nach Alaska und Afrika.



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