Von unserer Redaktion, 08.07.08, 10:53h, aktualisiert 08.07.08, 13:17h
Die Krux an der Sache: Auch Nichtraucher müssen nun dem „Klub zur Förderung des Konsums von Tabak in Nordrhein-Westfalen“ beitreten, wenn sie den Feierabend in einer der Bars verbringen wollen. Denn etwa am Mittwoch, Freitag und Samstag ist im „Basement“ eben Klubabend. Und der ist nur für Mitglieder.
Am Donnerstag hat Inhaber Sascha Gansen einen rauchfreien Abend eingeführt: Der erste Besuch sei zufriedenstellend ausgefallen, erklärte er dem „Rhein-Sieg-Anzeiger“. Es habe sich eine skurrile Situation ergeben: Wie auf Kommando hätten sich in regelmäßigen Abständen alle Raucher vor die Türe begeben, „da war mein Laden plötzlich für fünf Minuten leer“, so Gansen. Ohne Klubabende könne er seine Kellerbar dicht machen, denn „nur etwa 20 Prozent meiner Gäste sind Nichtraucher“, so Gansen.
Die Klub-Idee hat sich naturgemäß überall festgesetzt. Ein Blatt mit dem Aufdruck „Raucherclub“ hat auch Christos Kirlidis an den Fensterscheiben seiner Kneipe „Stadtschreiber“ an der Kölner Straße in Troisdorf angebracht. Ein Rauchverbot kommt für ihn nicht in Frage. „Bei uns sind 90 Prozent der Kunden Raucher, ich könnte so gar nicht überleben.“ In Kneipen treffe man heutzutage ohnehin viel weniger Leute an als früher. Ein Problem separater Zimmer sieht Kirlidis auch darin, dass der direkte Kontakt zum Gast fehlt. „Wenn der Wirt hinter der Theke steht, kann er nicht mit dem Gast im Raucherraum kommunizieren. Und Kommunikation ist für uns sehr wichtig.“
Freude und Erleichterung hat sich bei Stefan Höller, dem Chef der „Schublade“ in Much, breit gemacht: Er hat in den letzten Monaten endlose Diskussionen übers Rauchverbot über sich ergehen lassen. Die „Schublade“ ist Kneipe und Restaurant zugleich, so dass in einem Raum die kontroversen Ansichten entsprechend heftig aufeinander trafen. Jetzt verweist Höller aufs Verbot und hat seine Ruhe. Im ersten Stock hat er die „Martinus-Stube“ als Raucherbereich eingerichtet - aber es ist eben der erste Stock und mancher Gast fühlt sich abgeschoben. „Einige zeigten sich sogar persönlich beleidigt“, erklärt er.
„Spanische Lösung“
Auch Walter Pritz ist Chef einer Speisegaststätte - der Treff „Zum Alten Stallberg“ in Siegburg beherbergt Theke und Essensbereich in einem. Das war zumindest bisher so. Pritz hat nun den Schankraum verkleinert, in dem geraucht und gegessen werden kann. Dazu steht den Rauchern noch ein kleiner Anbau zur Verfügung. Auf gleicher Ebene wurde ein Sälchen für Nichtraucher eingerichtet. Pritz selbst wäre die „spanische Lösung“ lieber: „Gaststätten, deren Kundschaft keinen blauen Dunst verbreitet, werden Nichtraucher-Häuser, und Gaststätten mit vorwiegend qualmendem Publikum werden Raucher-Refugien.“
Relativ gelassen sieht vorerst Gastronom Thomas Pütz das Paff-Problem. „Das Siegburger Brauhaus verfügt über 144 Sitzplätze unter freiem Himmel. Und in den Sommermonaten sitzen auch die Raucher draußen“, berichtet Pütz. Allerdings, schränkt der Kneipier ein, „im Thekenbereich, wo früher gerne geraucht wurde, ist es nun deutlich leerer geworden“. Für den Winter erwägt Inhaber Pütz, die erste Etage zum „blauen Salon“ umzubauen. „Das wären Kosten von 30 000 bis 40 000 Euro“, rechnet Pütz vor. Entschieden ist der Umbau deshalb noch nicht.
„Hier bleibt erstmal alles beim Alten“, erklärt Carina Mönkediek, stellvertretende Restaurantleiterin beim „Hennefer Wirtshaus“. Schon vor dem Tabakverbot habe dort ein gut besuchter Nichtraucherbereich existiert. „Deswegen gehen wir davon aus, dass unsere Gäste auch mit einem ganzen Restaurant ohne Rauch gut klarkommen.“
Stadtanzeiger Sprachrohr Tabakindustrie
09.07.2008 | 21.06 Uhr | th.ratering
..und der Stadtanzeiger berichtet nur über arme Gastwirte, von Gaststätte, in denen man seine Mitmenschen nicht mehr vollstinken darf. Kein Satz über…
Wege durch den blauen Dunst
09.07.2008 | 11.48 Uhr | helli
In unendlich vielen Ländern funktioniert das Rauchverbot hervorragend. Die Gaststätten sind nach wie vor voll, Raucher gehen kurz raus. Den Wirten…
Deutsche sind häufig unfassbar egoistisch!
08.07.2008 | 20.36 Uhr | Morgenstern
Wer im Nahbereich meine Atemluft mit Rauch verpestet, bekommt meine Ablehnung zu spüren.
Wer mich anrempelt und mir erzählt, ich solle doch…
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