Von Barbara A. Cepielik, 14.07.08, 18:36h
Aber: Was ist das überhaupt - ein Schacht? Und: Wie tief war er? Kinder und Eltern raten. Irgendwas zwischen 50 und 1780 Meter müssten es gewesen sein, schätzt die Gruppe. Tausend sind richtig, jawohl, dafür gibt es das erste Stückchen - ja was denn? - als Belohnung. „Katzenkacke“, sagt das kleinste Mädchen. Kohle korrigiert ihr Bruder. Also, natürlich, Kohle als Bonuspunkt - am Ende entscheidet die Waage, wer am besten geantwortet hat. Wie schnell der Fahrstuhl war, mit dem die Kumpel in die Tiefe gebracht wurde? Rasante 14 Meter pro Sekunde. Wer sich in der Kaue richtig anzieht, bekommt Punkte - einen für den richtig aufgesetzten Helm, einen für die Jacke, einen fürs Erkennen, wie wichtig festes Schuhwerk ist.
Alle haben zu tun, schon der vielen „rostige Sachen“ wegen, die es zu begreifen gibt. Riesenmuttern, Inbus-Schlüssel, kiloschwer und x-mal größer als die, die man von Ikea kennt. Der Schadenfreude wegen - weil Mama und Papa nicht wissen, was der Unterschied zwischen einer Lore und einem Hund ist - sind doch beide Transportwagen für Kohle. Stimmt, aber eine Lore kippt seitlich, und hier in der Zeche fahren Hunde (kippen nach vorne). Weiter geht's. Wie hoch sind 80 Zentimeter? So groß ist Sebastian. Und so flach waren die Schächte, in denen die Kumpel hockten, acht und zehn Stunden lang, mit ihren Schlaghämmern. Puh. Am Ende sind die Hände aller schwarz von Kohle; bei manchen der Rest der Bekleidung auch. Abklopfen und weiter geht's.
Raus ans Wasser
Raus aus den Hallen - und rein ins nächste Vergnügen. Im Sommer kann das das Werkschwimmbad der Zeche sein, nur ein paar Schritte weiter (Eintritt frei). Oder der Baldeneysee. Pause in einem der Cafés an den Fähranlegern, wo man einen Fuß in den See halten kann, während man ein kühles Getränk schlürft. Der Eingeborene trinkt hier Pils. Den Seglern zusehen, den Surfern. Oder Bötchenfahren. Zwei Stunden dauert die komplette Tour mit der weißen Flotte, einmal rum, man kann aber auch nur eine oder zwei Stationen weit schippern.
Der See - vor 75 Jahren durch den Stau der Ruhr entstanden - hat kaum Wellen, aber meist weht ein nettes Lüftchen. Es gibt einen Beachclub mit Strandkörben zum In-der-Sonne-Dösen (kostet Eintritt). Man kann Fahrräder leihen (sieben Euro für drei Stunden) und am Ufer lang strampeln, Wer Rollerblades dabei hat, schnallt sie an. Wie lang man bleibt, ist egal - das Parken am Ufer ist fast überall gratis.
Zum Eisessen empfiehlt sich die nächste Station, die Margarethenhöhe. Solche Siedlungen gibt es eigentlich nur auf Modelleisenbahnen, und da auch nur, wenn der Besitzer einen Sinn für Romantik hat. Wo die Adressen „Schön gelegen“ heißen oder „Trautes Heim“, wo der Laubenweg den Ginsterweg kreuzt und die Steile Straße nicht wirklich steil ist. Wo die Häuser nicht mehr als zwei Geschosse haben, dafür aber sorgfältig grün gepinselte Fensterläden vor klitzekleinen Butzenscheiben. Wo selbst jenseits der Gärten mehr Blumen blühen als in jedem Kölner Park. Wo die Kastanien hundert Jahre alte Ruhe ausstrahlen und würdig Schatten spenden. Wo der Marktplatz in der Mitte liegt - und zweimal wöchentlich Obst- und Gemüsestände locken. Wo? Ja: in Essen, im Westen, Bezirk drei. Die Margarethenhöhe, eine denkmalgeschützte Gartenstadt.
Wie eine Puppenstube
1906 hat Margarethe Krupp eine Stiftung gegründet - 50 Hektar Land zur Verfügung gestellt und eine Million Goldmark draufgelegt. Ihr Wunsch: Wohnungen für die Mitarbeiter des Krupp-Stahl-Imperiums zu schaffen - aber auch für andere. Mehr als die Hälfte der Bewohner, so befand sie, dürften von woanders kommen. Der Architekt Georg Metzenmacher entwarf diese Puppenstube. Nichts fehlt. Weder Schule noch Apotheke; weder Kirchen noch eine Polizeistation: Was am Marktplatz aussieht wie das Rathaus, birgt im Inneren einen Supermarkt - früher war das der Krupp-Konsum-Laden, im dem Werksangehörige Kredit hatten.
Die Häuser waren für damalige Zeiten gut ausgestattet: Dass die Spülküche mit fließend Wasser etwas Besonderes war, erklärt der freundliche Herr im Mini-Museum gerne, ebenso die Vorteile der Heißluft-Heizung, die damals als großer Komfort galt. Noch heute gehören die Häuser der Stiftung, wer sich dort einmieten will, muss sich auf eine Warteliste setzen lassen. Es gab Zeiten, da musste man zehn Jahre warten, inzwischen ist es etwas weniger. Der Gast seufzt - nicht ohne Neid. Und etwas müde - anders als der „Essener Jung“, der den ganzen Tag schon kundiger Führer war.
Eines muss noch sein in Essen: der Grugapark. Auch der ist gut ausgeschildert - und so, wie ein Vergnügungspark aus den 50er Jahren sein muss. Mit Wasserfontäne in großen Teichen und Biergärten - nebst einem Schwimmbad mit allem Drum und Dran. Und Bimmelbahn und Wiesen und Beeten und - wir enden am Zaun. Da, wo man Eintritt bezahlen muss. Der Tag sei eben nicht lang genug für Essen, sagt der Begleiter. Und listet seine Pläne fürs nächste Mal auf: die Villa Hügel, das Folkwang-Museum (das zurzeit umgebaut wird), die Alte Synagoge, die Aaalto-Oper und der Saalbau. Einkaufen gehen - in der Innenstand oder (individueller) auf der Rü (der Rüttenscheider Straße). Und abends könnte man noch in die legendäre Lichtburg, das alte Kino, gehen.
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