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Rentner misshandelt

Essen aus dem Blechnapf

Von Clemens Schminke, 15.07.08, 22:09h, aktualisiert 17.07.08, 13:12h

"Er verhielt sich wie ein eingeschüchterter Hund gegenüber seinem Herrn.“ So bringt die Anklage die Rolle auf den Punkt, die Gerd L. jahrelang gespielt habe. Seit Montag müssen sich seine mutmaßlichen Peiniger vor dem Kölner Landgericht verantworten.

Misshandlungs-Prozess
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Beraten sich mit ihren Anwälten im Gerichtssaal: Hubert B. (l.) und seine Tochter Daniela. (Bild: Oxenius)
Misshandlungs-Prozess
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Beraten sich mit ihren Anwälten im Gerichtssaal: Hubert B. (l.) und seine Tochter Daniela. (Bild: Oxenius)
Innenstadt - - "Er verhielt sich wie ein eingeschüchterter Hund gegenüber seinem Herrn.“ So bringt die Anklage die Rolle auf den Punkt, die Gerd L. jahrelang gespielt habe. Seit Montag müssen sich seine mutmaßlichen Peiniger vor der 1. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts verantworten. Hubert B. (57) und seine Tochter Daniela (32) sind der „Misshandlung Schutzbefohlener“ und der „Untreue in 120 Fällen“ angeklagt. Zum Prozessauftakt schwiegen sie. Dagegen konnte Gerd L, ein 72 Jahre alter Rentner, ausführlich gehört werden - allerdings mit großer Mühe, denn die geistigen Fähigkeiten des kleinen, gebeugten Mannes sind stark eingeschränkt. Er ist pflegebedürftig, geschäftsunfähig und steht unter Vormundschaft. Nach dem Martyrium, das er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bis zum August 2006 viele Jahre lang erlitten hat, ist er in einem Altenheim in Sürth untergekommen.

„Er wollte immer mehr Geld“, wiederholte Gerd L. und meinte damit, Hubert B.s Gier sei unersättlich gewesen. Vor vielen Jahren hatten der Mann und seine Tochter, die Gerd L. um insgesamt 30 000 Euro Rente gebracht haben sollen, ihn in ihre Wohnung im rechtsrheinischen Köln aufgenommen. Er zog mit um, als Hubert und Daniela B. in Leverkusen sesshaft wurden. Dritten gegenüber sollen sie sich als Angehörige oder Betreuer des alten Mannes ausgegeben haben. Was in den Wohnungen geschah, beschreibt die Anklageschrift als Schreckensszenario. Danach war L. chronisch „unterversorgt“, zum Beispiel in einem Abstell- und Werkraum eingeschlossen, wo er auf einer Matratze schlief und seine Notdurft auf einem Eimer zu verrichten hatte. Gleich ob bei großer Kälte oder Hitze habe man ihn auf dem Balkon ausgesperrt, und gewaschen worden sei er „unter Zwang und Gewaltanwendung“. Unter Drohungen hätten Hubert und Daniela B. ihm verboten, draußen über die Misshandlungen zu sprechen. Dies alles, um an seine Rente zu kommen. Zweimal im Monat erhielt Gerd L. von seiner amtlich bestellten Betreuerin einen Barscheck in Höhe von 250 Euro. Hubert und Daniela B. begleiteten ihn laut Staatsanwalt zur Sparkasse und nahmen ihm nach der Einlösung das Geld ab, um „nach eigenem Gutdünken“ darüber zu verfügen. Nur ein Bruchteil der Summe hätten sie für die Versorgung des Mannes aufgewendet. Um dem Ganzen einen legalen Anstrich zu geben, sollen sie ihn gezwungen haben, Erklärungen zu unterschreiben, er habe das Geld freiwillig abgegeben.

„Sie haben mir einen Blechnapf hingestellt“, klagte Gerd L., auf den der Vorsitzende Karl-Heinz Schumacher laut und geduldig einredete. „Ein alter Mann braucht nicht zu essen“, habe er zu hören bekommen. „Trockenes Brot“ habe er im Napf vorgefunden, dazu habe es Wasser gegeben. Nicht auf einer Matratze habe er schlafen müssen, sondern auf Pappe. Immer wieder habe man ihn geschlagen, mit der Faust oder dem Rohrstock. „Ich hatte Angst, ich durfte nichts sagen“, gab er als Grund dafür an, dass er sich in seiner Not nie jemand anderem offenbarte, auch seiner richtigen Betreuerin gegenüber nicht. Gegen die Frau, die beteuert hat, sie habe nichts Ungewöhnliches mitbekommen, ist das Strafverfahren eingestellt worden.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.



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