Schriftgröße

ICE-Unglück

Von wegen „Sicherheit zuerst“

Von Peter Berger, 17.07.08, 20:54h, aktualisiert 18.07.08, 00:02h

Das Verhalten der Bahn nach dem ICE-Unglück in Köln ist befremdlich. Es verträgt sich nicht mit mit dem Grundsatz „Sicherheit zuerst“. Das Eisenbahnbundesamt musste den Bahnvorstand sogar an die Katastrophe von Eschede zu erinnern.

Für jeden Eisenbahner - sei er noch zu Bundesbahnzeiten oder nach der Privatisierung zum Unternehmen gekommen - gilt der eherne Grundsatz: Sicherheit zuerst. Das ging einst sogar so weit, dass beim Staatsunternehmen Bahn immer dienstags an jedem Stellwerk alle Blechsignale vor die Tür gestellt wurden. Nur um den Fahrgästen in den Zügen zu zeigen: Für den Notfall ist alles an Ort und Stelle.

Umso befremdlicher mutet da das Verhalten eines Bahnvorstands an, der nach der Entgleisung eines Hochgeschwindigkeitszugs im Kölner Hauptbahnhof mit dem Eisenbahnbundesamt darüber feilscht, in welchem Zeitraum er die Züge gleicher Bauart stilllegen und einer Überprüfung unterziehen muss.

Und das vor dem Hintergrund, dass immer noch nicht endgültig geklärt ist, ob das Unglück von Köln auf Materialermüdung an einem Radsatz des Zuges zurückzuführen ist. Die Aufsichtsbehörde musste sogar so weit gehen, den Bahnvorstand ausdrücklich an die Katastrophe von Eschede zu erinnern. Mit dem Grundsatz „Sicherheit zuerst“ ist das unvereinbar. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass ein technischer Fehler am Zug als Ursache für die Entgleisung nicht auszuschließen ist, hätten alle Hochgeschwindigkeitszüge der gleichen Bauart sofort aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Schließlich geht es hier nicht eine defekte Kaffeemaschine im Speisewagen.

Der Verdacht liegt nahe, dass dieser Verzögerungstaktik rein wirtschaftliche Überlegungen zugrunde lagen. Kein Zugverkehr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Frankfurt; vor einem Wochenende; und das mitten in den Sommerferien! Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Radsatz eines Hochgeschwindigkeitszugs bei Tempo 300 gerissen wäre. Der Bahnvorstand ist in Erklärungsnot.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Anzeige


Hintergrund


Der satirische Wochenrückblick


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Bildergalerien


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Kolumne


Die andere Meinung


Dienste