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Aachen

Zwischen Kaiserpfalz & Printenbäckerei

Von Johannes Schmitz, 18.07.08, 21:14h, aktualisiert 31.07.08, 22:37h

Unsere Reihe mit Tagesreisen in nahe Großstädte führt heute ins Zentrum des Dreiländerecks. Junges Leben in historischem Ambiente: Aachen bietet viel, was das Leben lebenswert macht.

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Ein interaktives Kunstwerk: Die beweglichen Figuren des Puppenbrunnens in der Krämerstraße nahe Rathaus und Dom sind amüsanter Anblick und beliebtes Spielzeug. (BILDER: ARTON KRASNIQI)
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Ein interaktives Kunstwerk: Die beweglichen Figuren des Puppenbrunnens in der Krämerstraße nahe Rathaus und Dom sind amüsanter Anblick und beliebtes Spielzeug. (BILDER: ARTON KRASNIQI)
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Die deftige Pop-Art von Jeff Koons im Ludwigforum ist schon weniger jugendfrei. (BILDER: ARTON KRASNIQI)
Aachen
AACHEN - Sie rufen auch „alaaf“. Das macht sie uns sympathisch, die Aachener. Doch was wissen wir sonst noch über die Landsleute im grenzwertigen Deutschland - von Karl, der Alemannia und den Pferden mal abgesehen? Die Antworten gibt es keine dreiviertel Stunde entfernt von Köln. Also nichts wie hin. Denn die Stadt im Dreiländereck hat viel zu bieten, was das Leben lebenswert macht. Natürlich sind die Dimensionen in Aachen deutlich kleiner, die Stadt hat gerade einmal ein Viertel der Einwohner Kölns. Das wird auch beim Bummel deutlich. Und beim Besuch im Zoo.

Wer mit Kindern bis ins Grundschulalter in die Kaiserstadt fährt, kann im Aachener Tierpark, dem Euregiozoo, einen längeren Stopp einplanen. Elefanten und Löwen gibt es hier zwar nicht. Doch dafür eröffnet sich die ideale Mischung aus Spazierengehen, Streicheln, Staunen und Spielen.

Auch in der Innenstadt wartet vor allem auf kleinere Mädchen und Jungen eine Attraktion, die ein Quell kindlicher Freude ist und von den Eltern vor allem eins verlangt: Wäsche zum Wechseln. In kleinen Fontänen kommen am Elisenbrunnen die Mineralquellen ans Licht, denen allerlei heilende Wirkung zugeschrieben wurde. Einen Effekt hat „dat Wasser vun Aache“, dem die Stadt ihre Existenz verdankt, auf jeden Fall: Ein Kräuseln der Nase, verursacht durch einen Hauch von Schwefelwasserstoff, oder mit rheinischem Charme formuliert: Es stinkt nach faulen Eiern. Aber nur ein ganz klein wenig. Den quietschvergnügten Kindern ist es egal.

EIN TAG IN AACHEN

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Keine hundert Meter weiter steht das Aachener Theater, in Musikerkreisen berüchtigt für seine extrem problematische Akustik. Doch von außen ist der Bau aus dem Jahr 1825 ein kleines Schmuckstück. Übrigens: Auch das Aachener Theater wurde in Schutt und Asche gebombt. Die Aachener entschieden sich nach dem Krieg für den Wiederaufbau dieses vorbildlich in die Stadt integrierten Musentempels. Zurzeit ist vor dem Theater ein Pavillon mit Café aufgebaut.

Ein Platz, ein Café: Dies ist ein erster Vorgeschmack auf die Vielfalt, mit der die Außengastronomie in der City lockt. Es gibt einige Plätze, die architektonisch geschützt liegen, von historischer Bausubstanz geprägt sind und durch ihre Mischung aus Freiraum und Schutzraum zum Verweilen einladen.

Historisches Flair

Auch am Fuß des Doms, wo unter anderem ein Printenfabrikant um Laufkundschaft wirbt. Die sich anschließende Krämerstraße, die vom Dom aufwärts in Richtung Markt führt, ist eine der ältesten Einkaufsstraßen der Stadt. Sie lockt vor allem durch ihr historisches Flair. Und hier wartet auf kleine Aachen-Touristen eine weitere Attraktion, neudeutsch gesprochen: eine interaktive. Denn am Puppenbrunnen können Kinder die Arme und Beine der Figuren bewegen.

Doch natürlich besteht Aachen nicht nur aus kleinen liebenswürdigen Details. Das wird vor allem klar, wenn der Dom oder das Rathaus in den Blick geraten. Zum „neuen Rom“, wie Karl der Große es wohl vorhatte, reichte es nicht ganz für die Aachener. Doch seine „Pfalzkapelle“ kann sich sehen lassen. Da bekommt auch der Kölner Respekt, der an sich ja nicht dazu geneigt ist, anderer Leute Kirchen beeindruckend zu finden. Schließlich haben auch die Aachener einen Schrein bedeutenden Inhalts zu bieten. Was dem Kölner seine Heiligen Drei Könige, das ist dem Aachener sein Karl. Ein Besuch der Schatzkammer lohnt sich nicht nur wegen ihm. Den römisch-deutschen Herrschern, die sechs Jahrhunderte lang im Aachener Dom gekrönt wurden, war ihr christliches Bekenntnis einiges Wert. Davon zeugen viele goldene Kunstwerke.

Das Rathaus beherrscht durch seine massige dunkle Front den Markt. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist ein beeindruckendes Zeugnis der zu Selbstbewusstsein gelangten Bürgerschaft. Ein architektonischer Bestandteil, der Granusturm, stammt sogar aus der Zeit Karls des Großen. Von den Treppen des Rathauses fällt der Blick nicht nur auf die Cafés, die den Platz in eine riesige Terrasse verwandeln, sondern auch in Richtung Pontstraße. Dort befindet sich das internationale Zeitungsmuseum. Vor allem aber eine Fülle von Restaurants und Cafés, die für eine südländische Atmosphäre sorgen.

Die Aachener Innenstadt ist komprimiert, wer sich etwas treiben lässt, wird viele schöne Ecken und manches attraktive Geschäft entdecken können. Für Liebhaber der angewandten Konditorenkunst empfiehlt sich jedoch, das Zentrum zu verlassen und sich Richtung Hangeweiher aufzumachen, was zugegebenermaßen mit dem Auto am besten funktioniert.

Belgische Torten

Dort befindet sich das Café Liège, wo man nicht nur substanzreiche belgische Torten genießen, sondern es sich auch richtig gemütlich machen kann. Reisende, die der süßen Versuchung erlegen sind, können ein paar Kalorien bei einem kleinen Spaziergang rund um den benachbarten Hangeweiher lassen. Am Ende dieses Parks befindet sich ein kleiner Sturzbach. Kinder, die sich am Elisenbrunnen noch nicht nass gemacht haben, schaffen es hier mit Sicherheit.

Wer es statt mit den Konditoren eher mit der Bildenden Kunst hält, kann das Ludwigforum besuchen. Der große, aber überschaubare Ausstellungsraum bietet auch jungen Leuten die Möglichkeit, sich der Kunst entspannt zu nähern. Doch zu jung sollten die Kunstfreunde nicht sein. Das Kopulationsobjekt etwa, das den Künstler Jeff Koons und „Cicciolina“ Ilona Staller zeigt, könnte Fragen nach sich ziehen, denen Papis und Mamis auf der Rückfahrt dann nicht ausweichen können.

Wer zum Zug muss und noch nicht auf der Pontstraße gegessen hat, kann einen ausgiebigen Zwischenstopp in der Bahnhofstraße 31 einlegen. Das Thailändische Restaurant River Kwai prunkt nicht mit seiner Inneneinrichtung, verwöhnt aber mit vielen Spielarten, Fisch und Fleisch zu würzen.

In der nächsten Folge geht es nach Hattingen, wo Rheinländer und Westfalen miteinander können und es Fachwerkhäuser wie Bügeleisen gibt.



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