Von Daniela Fobbe-Klemm, 21.07.08, 22:38h, aktualisiert 23.07.08, 12:12h
Der Vorteil dieser Lage: Man ist in 30 Minuten von Köln aus dort. Das heißt, wenn nicht einer der baustellenbedingten Staus auf der A 1 den Ausflug an der Ausfahrt Wermelskirchen beendet. Was aber nicht weiter schlimm ist, denn über die B 51 kann man via Wuppertal ebenfalls die A 43 erreichen und bekommt dabei noch einen Eindruck, wie unterschiedlich die bergischen Städte sein können. Lässt man die verschieferten Kaufmannsvillen Remscheids und den Industriemoloch Wuppertal hinter sich, wird die Landschaft wieder idyllisch.
In Hattingen angekommen, ragt eine imposante Stadtmauer direkt an der Hauptstraße den Besuchern entgegen. In ihrem Inneren: bergische Fachwerkhäuser, die von der Historie Hattingens, ihren reichen Tagen, als die Tuchmacher-Gilde der Stadt überregional bekannt war, künden. Am Haldenplatz findet man die Touristen-Information, die Stadtführungen anbietet. Viel reizvoller ist es aber, sich im Internetauftritt der Stadt seine eigene Tour zusammenzustellen. 36 Sehenswürdigkeiten nennt man dort alleine für einen Altstadtrundgang. Oder man leiht sich „Paula“ aus, das Navigationsgerät gibt es bei der Touristen Information. „Paula“ ist die optimale virtuelle Begleiterin für alle, die ihre Hände für andere Dinge wie Fotografieren frei haben wollen.
Mitten im Gewirr der Gässchen, wir wären fast vorbeigelaufen, macht uns „Paula“ auf das Bügeleisenhaus aufmerksam, das seinen Namen von seinem ungewöhnlichen Grundriss und dem eindrucksvollen Giebel, der es wirklich wie ein Bügeleisen über die Gässchen ragen lässt, hat. In den 1960er Jahren liebevoll restauriert, ist es heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Was für die Kleinen kein Problem ist, sie passen unter jedem Türrahmen durch. Wer mehr als 1,70 Meter misst, sollte allerdings den Kopf beim Betreten einziehen.
In Sachen Skurrilität hat Hattingen noch mehr zu bieten: Wenn man über die Dächer der Stadt schaut, bleibt der Blick an einem schiefen Turm hängen. Der Kirchturm von St. Georg macht nicht den stabilsten Eindruck mit seiner Neigung. Sie ist aber keinem Unglück geschuldet, sondern geht auf eine vorausschauende Planung seiner gotisch geprägten Erbauer im 15. Jahrhundert zurück: Sie wollten schlicht verhindern, dass der Spitzhelm, durch Wind oder Brand aus der Verankerung gelöst, auf die Kirche fällt. Eine Idee, die knapp 600 Jahre überdauert hat.
Wissen anhäufen macht durstig und hungrig. Für eine Pause bieten sich die vielen netten, kleinen Lokale der Altstadt an. Nicht nur Kinder werden Gefallen am Pfannkuchenhaus in der Johannisstraße finden. Nette Bedienungen servieren auf zwei urig eingerichteten Etagen Pfannkuchen in allen nur denkbaren Varianten.
Derart gestärkt kann man sich dem zweiten Kapitel der Entwicklung der ehemaligen Hansestadt widmen: der Industrialisierung. Sie lässt sich in der Henrichshütte, die heute als Industriemuseum den „Weg des Eisens“ erklärt, erfahren. 1853 kaufte Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode in Welper das erste Land, um darauf ein Hüttenwerk zu errichten. Es war 135 Jahre als Henrichshütte der größte Arbeitgeber der Region. 1987 wurde der älteste Hochofen im Revier ausgeblasen. Drei Rundwege führen heute durch das 50 000 Quadratmeter große Museumsareal. Und wer seine Kinder vorab auf den Ausflug neugierig machen will: „Ratte“, der Reiseführer für Kinder, zeigt in einem Computerspiel auf der Seite des Museums, wie Eisen produziert wird.
Nach dem Ausflug in die Industriegeschichte fährt man über Blankenstein zur alten Wasserburg Haus Kemnade. Hier im Tal schnaufen an den Wochenenden die Dampfloks des nahe gelegenen Eisenbahnmuseums in Dahlhausen vorbei, man kann mitfahren oder sich mit der weißen Flotte über den Kemnader See schippern lassen. Wer sich lieber bewegen will, schnallt die Inliner unter und fährt eine Runde um den See. Bald soll der Bau einer eigenen Inlinerspur beginnen, derzeit muss man sich die Bahn noch mit den Fahrrädern teilen. Die Fußgänger schlendern ein Stück näher am See und an den Spielplätzen lang. Zur Stärkung für die Heimreise bietet sich das Restaurant in der Wasserburg an. Wer lieber „Pommes Streife“, also Fritten mit Mayonnaise und Ketchup probieren will, wird an den kleinen Buden entlang des See fündig und nicht enttäuscht.
Wo liegt Hattingen?
22.07.2008 | 13.57 Uhr | taxi57
"... liebenswerten Kleinstadt auf der Grenze zwischen Bergischem Land und Wuppertal ...". D.h. Wuppertal liegt nicht im Bergischen Land? Da würde ich…
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