Von Christiane Mitatselis, 22.07.08, 21:35h
„Es dauert zwei Wochen. Ich empfehle vier intravenöse Verabreichungen: 40 Millionen Stammzellen, vielleicht auch das Doppelte, je mehr, desto besser“, erklärte ein Stationsarzt. Erfahrungen bei der Behandlung von Sportlern gebe es zwar noch nicht. „Aber die Behandlung ist sicher, es kann nichts passieren“, sagte der Mediziner.
Dass in China, dem Gastgeberland der Olympischen Spiele, in Sachen Doping vieles möglich ist, hatte das ZDF in seiner Reportage „Mission Gold“ schon Anfang Juni nachgewiesen. So zeigten die Autoren des Mainzer Senders, dass herkömmliche Dopingmittel wie Wachstumshormone oder Steroide in China ohne größere Probleme zu kaufen sind. Und dass Dopingkontrolleure in China oft nur unter Schwierigkeiten zu den Athleten gelangen, die überprüft werden sollen.
Das nun von der ARD aufgedeckte Doping mit Stammzellen wirft jedoch Fragen auf. Eine lautet: Taugt die Verabreichung von Stammzellen überhaupt zur Leistungssteigerung? Experten bezweifeln dies: „Was das bringen soll, kann niemand erklären“, sagt der Mediziner und Molekularbiologe Perikles Simon von der Abteilung Sportmedizin der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen, der im Bereich des Gendopings forscht. „Es gibt keine Evidenz, dass so etwas wirkt“, sagt Simon weiter. Der Forscher geht davon ausgeht, dass eine so massive intravenöse Verabreichung von Stammzellen, wie sie der chinesische Arzt in dem ARD-Beitrag empfahl, gefährliche Nebenwirkungen haben kann, denn: „Immunreaktionen sind zu befürchten.“
Der chinesische Arzt habe seine potenziellen Kunden in der ARD-Reportage zudem „laienhaft“ beraten. Jeder Trainer wisse, sagt Simon, dass es einem Sportler nicht viel bringe, seine Lungenfunktion zu steigern. Denn es kommt im Wesentlichen darauf an, dass ein Athlet unter Belastung möglichst viel Sauerstoff im Blut transportieren und dann in der Muskulatur auch umsetzen kann. Für die Verbesserung des Sauerstofftransports wird traditionell das bekannte Epo-Doping eingesetzt. Die Lungenfunktion und somit die reine Sauerstoffaufnahme ist bei einem Leistungssportler in der Regel nicht leistungslimitierend.
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