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Duisburg

Vom Rheinfrachter zum Wasserski

Von Bert Gerhards, 24.07.08, 00:12h, aktualisiert 31.07.08, 22:37h

Duisburg hat viel farbigere Seiten zu bieten, als das vor allem durch Schimanski geprägte Ruhrgebiets-Klischee erwarten lässt: Kultur und Freizeitspaß werden in der vormals grauen Hafenstadt heute großgeschrieben.

Ein Tag in Duisburg
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Die „Goede Verwachting“ im alten Herrenschwimmbecken ist Mittelpunkt des Binnenschifffahrtsmuseums in Duisburg-Ruhrort. (Bild: Bert Gerhards)
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Die „Goede Verwachting“ im alten Herrenschwimmbecken ist Mittelpunkt des Binnenschifffahrtsmuseums in Duisburg-Ruhrort. (Bild: Bert Gerhards)
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Kunst prägt das Stadtbild von Duisburg, zum Beispiel das „Saurierskelett“ vor dem Stadttheater. (Bild: Bert Gerhards)
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Ein Wächter aus Bauklötzen sitzt vor dem Legoland Discovery Center am Innenhafen. (Bild: Bert Gerhards)
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DUISBURG - Das Schiff liegt unter vollen, braunen Segeln im Herrenschwimmbecken. Seit zehn Jahren wartet die „Goede Verwachting“ (Gute Hoffnung) in der schmucken Jugendstilhalle vergeblich auf Wind. Das 16 Meter lange Schiff ist das Zentrum und Schmuckstück des „Museums der Deutschen Binnenschifffahrt“ in Ruhrort. 1912 gebaut, war das Segelschiff noch bis in die 50er Jahre als Transporter auf dem Rhein gefahren, ehe es in diesem Museum für immer vor Anker gegangen ist. Soeben passt es in die große Halle des vormaligen Ruhrorter Schwimmbades von 1910.

Die Idee vom Frachtschiff im Schwimmbecken des Prachtbaus am Rhein ist nur ein Clou dieses Museums, das jene Zeiten so gut nacherlebbar macht, in denen der Rhein noch weit stärker die deutsche Lebensader war und der größte deutsche Binnenhafen an der Ruhrmündung den Pulsschlag angab. Die früher so stolze Hanse- und Hafenstadt Duisburg, die graue Stadt der Stahlkocher und Schiffsbauer, die Stadt von TV-Kommissar Schimanski und der Zebras vom MSV als Ausflugsziel? Aber gerade!

Schiffstechnik hautnah erleben

Duisburgs Wandel, im Binnenschifffahrtsmuseum in Ruhrort ist er am Beispiel Schifffahrt anschaulich und spannend dokumentiert. Die Schiffsmodelle, Konstruktions- und Einrichtungsbeispiele sowie die authentischen Überreste wie der 2400 Jahre alte Einbaum und die Überreste einer Havarie auf dem Rhein werden hervorragend präsentiert und interessant erläutert. Das ist nicht nur ein Pflichtprogramm für viele Schulklassen oder ein Spielzeug für Jungs. Hier wird ein spannendes Stück Wirtschafts- und Sozialgeschichte erzählt.

Wer es noch mehr zum Anfassen und im Maßstab eins zu eins haben will, dem sei der Spaziergang zu den Museumsschiffen am Hafenmund empfohlen. Der Dampfradschlepper „Oscar Huber“ und der Eimerkettendampfbagger „Minden“ liegen dort nahe der Schifferbörse dauerhaft vor Anker. Ihre schwere Technik ist beeindruckend, die harte Arbeit in der Hitze der Maschinenräume heute kaum noch vorstellbar. Nebenan startet die Hafenrundfahrt, für die man sich allerdings reichlich Zeit nehmen muss - drei Stunden dauert es schon, den größten Binnenhafen Europas auch ausschnittweise kennen zu lernen.

Man kann aber schon zur Halbzeit das Boot verlassen, im Innenhafen, der heute, nach einem Jahrzehnt des Umbaus, weniger Warenumschlagplatz als repräsentatives Büroviertel und schicke Vergnügungsmeile in einem ist. In einer Marina liegen Freizeitboote, die zahlreichen Lokale in früheren Speichern oder brandneuen Bürobauten sind vor allem an den Wochenenden bevölkert. Ins „Legoland Discovery Centre“ ziehen spaßwütige Kinder ihre Eltern und Großeltern - oder werden zur Bespaßung dahin gezerrt. Ein nicht ganz billiges Vergnügen. In der Küppersmühle gibt es über einer amerikanisch gestylten Bar ausgewählte Gegenwartskunst - die erlesene Sammlung des Duisburgers Hans Grothe - zu unorthodoxen Öffnungszeiten.

Zur modernen Kunst hat das heutige Duisburg ein sehr aufgeschlossenes, aber auch gern ironisches Verhältnis. Die knatsch-bunte Skulptur „Lifesaver“ von Niki de Saint Phalle, die sich als Brunnenfigur markant mitten in der Einkaufsmeile Königstraße erhebt, hat sich bei den Duisburgern die Spitznamen „Pleitegeier“ (die Stadt ist notorisch klamm) und „Vögelvogel“ erworben, die neue Stahlskulptur auf dem König-Heinrich-Platz vor dem Stadttheater wurde schnell als „Saurierskelett“ bekannt.

Kultur, Einkaufen und Genießen

Dazwischen boomt die neue Einkaufsstadt. Das vor einem Jahr eröffnete mondäne City-Palais, das über der Glitzerwelt des Spielcasinos die neue Mercatorhalle beherbergt, bietet Boutiquen, Cafés und Restaurants. Das „Forum Duisburg“ nebenan, mit weiteren 200 Ladenlokalen, eröffnet im Herbst. Trotzdem ist Duisburgs Königstraße nicht Düsseldorfs Königsallee. Wer hier das Besondere sucht, der muss schon suchen. Vielleicht findet er dann nebenan, am Sonnenwall, das Café Heinemann mit seinen feinen Kuchen und hausgemachten Pralinen, das ganz auf heimische Rohstoffe aus Ökolandbau setzt.

Unweit der Shoppingmeile bietet der Immanuel-Kant-Park einen wunderbaren Ort der Ruhe mitten in der Stadt. Selbst mit zahlreichen modernen Skulpturen bestückt, umgibt er das Wilhelm-Lehmbruck-Museum. Dem Werk dieses berühmten Sohnes der Stadt Duisburg ist ein Bau gewidmet, dessen lichte Räume eindrucksvoll beweisen, dass Bauen mit Beton menschenfreundlich gelingen kann. Die Sammlung von Skulpturen und Bildern der europäischen Moderne ist ein Genuss für Kenner und in jedem Fall fantasieanregend. Zur Erholung gegen Abend bietet sich gleich in der Nähe der schöne Sitzplatz unter der Pergola des Museums-Cafés mit Blick ins Grün des Kantparks an. Erfrischendes Bier und deftige Kost serviert Duisburgs erste Hausbrauerei, das „Webster Brauhaus“ am nahen Dellplatz.

Apropos Erfrischung: Da gibt es noch den grünen Südosten Duisburgs. Nicht nur das Stadion des MSV steht in der Wedau, der Sportpark und die Seenlandschaft dort sind ein großartiges Erholungsgebiet. Segeln, Rudern (die Regattabahn ist weltbekannt) und Wasserski werden getrieben, und seit wenigen Wochen gibt es die „Wasserwelt Wedau“ einen nassen Abenteuerspielplatz mit Rutschen, einem Karussell und einem Spielschiff - ein Traum für Kinder. Und Eintritt kostet nur der Klettergarten nebenan.



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