Schriftgröße

Bäckerei-Betriebe

Kampf ums Überleben

Von Claudia Hauser, 25.07.08, 22:29h

In Köln und im Rhein-Erft-Kreis ist die Zahl der Bäckerei-Familienbetriebe seit 1990 von 467 auf 118 gesunken. Vor allem Discounter-Bäckereien machen den Handwerksbetrieben das Überleben schwer.

Obermeister Josef Pelzer
Bild vergrößern
Obermeister Josef Pelzer beim Brottest: Die Bäcker-Innung beklagt den zunehmenden Druck durch die Discounter. (Bild: Worring)
Obermeister Josef Pelzer
Bild verkleinern
Obermeister Josef Pelzer beim Brottest: Die Bäcker-Innung beklagt den zunehmenden Druck durch die Discounter. (Bild: Worring)
Köln - Die eine Bäckerei ist bekannt für ihr Schwarzbrot, bei der anderen stehen die Kunden Schlange für den Pflaumenkuchen mit Zimt. Doch immer mehr familienbetriebene Bäckereien schließen. Waren 1990 noch 467 Betriebe in der Bäcker-Innung für Köln und den Rhein-Erft-Kreis eingetragen, so sind es heute nur noch 118. „Die Kunden haben ihr Kaufverhalten verändert und wollen vor allem möglichst billige Lebensmittel, Qualität ist vielen nicht wichtig“, sagt Josef Pelzer, Obermeister der Innung. Vor allem Discounter-Bäckereien, die Brote und Brötchen bis zu 30 Prozent günstiger anbieten, machten den Handwerksbetrieben das Überleben schwer. „Ein Brötchen kostet dort 18 Cent, bei der Bäckerei 27 Cent.“

Bäcker Pelzer und seine Kollegen möchten ihre Kunden sensibilisieren, einmal zu überlegen, wo die Backwaren herkommen, die sie essen. „Die Billigbäckereien lassen sich Teigrohlinge aus Litauen oder Nordafrika anliefern“, sagt Pelzer. Nach einer 1000 Kilometer langen Reise in Tiefkühltransportern landeten die dann im Verkaufsregal der Läden. „Das ist vor allem angesichts der aktuellen Klimadebatte unverantwortlich und nicht zeitgemäß.“ Wer also die regionalen handwerklichen Betriebe unterstütze, sorge nicht nur für deren Erhalt, sondern leiste auch einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz. „Bei einer Bäckerei mit angeschlossenem Verkaufsraum fallen der Transportweg und somit die Schadstofferzeugung vollständig weg.“

Discounter beherrschten bereits rund 35 Prozent des Marktanteils, die Lohnstruktur und die Kosten für das Ausbildungswesen lasse es laut Pelzer jedoch nicht zu, dass die handwerklichen Bäckereien die Preise ebenfalls senken. Innungs-Geschäftsführerin Alexandra Dienst weiß, dass deutsche Bäckermeister im Ausland zwar hoch angesehen sind, das Interesse an den Ausbildungen gehe in Deutschland allerdings stetig zurück. „527 Leerplätze sind zwar besetzt, aber es gibt noch genügend freie Stellen“, sagt sie. Pelzer legt seine Stirn in Sorgenfalten, wenn er an die Zukunft seiner Zunft denkt: „Wenn das so weitergeht, werden die Familienbetriebe irgendwann einfach verschwinden.“

Für die Berufe Bäcker und Bäckereifachverkäuferin vermittelt die Bäcker-Innung noch Ausbildungsplätze. Infos unter 02 21 / 48 30 11.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Freie Fahrt für Schlittschuhläufer?
In Hamburg ist das Eislaufen auf zugefrorenen Wasserflächen, anders als in Köln, offiziell erlaubt. Die Stadt sorgt für die notwendige Sicherheit, indem sie Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr bereitstellt. Ein Modell auch für Köln?

Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste