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Hademar Bankhofer

Gesundheits-Guru unter Beschuss

Von Daniel Bouhs, 27.07.08, 22:46h

Der WDR will sich von Gesundheitsexperte Hademar Bankhofer trennen und hat dafür triftige Gründe. Nicht nur wegen des Verdachts auf Schleichwerbung ist der TV-Experte unter Beschuss geraten.

Hademar Bankhofer
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Hademar Bankhofer (Bild: ARD)
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Hademar Bankhofer (Bild: ARD)

Hademar Bankhofer im Fernsehen zu entkommen war fast unmöglich. Im Ersten war der 67-jährige Österreicher Stammgast des „Morgenmagazins“. Im Südwestrundfunk machte er den „SWR-Gesundheitsexperten“ ebenso wie bei der Pop-Welle HR3. Und der Norddeutsche Rundfunk lud Bankhofer in seine Talkshows ein. Zu seinem Auftritt im Mai schrieb der NDR im Internet: „Hademar Bankhofer ist der Gesundheits-Papst schlechthin.“

Diese Omnipräsenz, die sich in vielen Zeitungen und Magazinen fortsetzte, ist vorbei, zumindest für eine Weile, wahrscheinlich aber sogar für immer. Der WDR, der in Köln für die ARD das „Morgenmagazin“ produziert, hat Bankhofer nach elf Jahren entlassen. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen verschwieg Bankhofer dem Sender auch auf Nachfrage einen Berater-Vertrag mit Klosterfrau Melissengeist. Und zum anderen sieht der Sender einen „Anschein auf Schleichwerbung“ gegeben - eben für diesen Heilsaft.

Auslöser der Affäre war ein Video im Internet. Da hat jemand anonym mehrere TV-Auftritte Bankhofers zusammengeschnitten. Unter anderem ist ein Ausschnitt aus dem „Morgenmagazin“ zu sehen. Da steht Bankhofer vor drei Jahren in Bottrop in einem Apothekergarten, spricht über Tees und hält dann „die Melisse, die Klostermelisse“ in der Hand, wie er sich selbst korrigiert. Diese Form ist aber von Klosterfrau Melissengeist namensrechtlich geschützt. Das Unternehmen wirbt damit, dass sein Heilsaft die Kraft nur aus der echten Klostermelisse erhalte. Wer die Klostermelisse in den Mund nimmt, spricht also von einem Produkt - und wirbt dafür.

Bankhofer streitet alles ab. Der Berater-Vertrag sei erst 2006 und damit ein Jahr nach dem kritisierten Auftritt abgeschlossen worden - und enthalte zudem einen Passus, der PR- und Werbeauftritte ausschließe. Und die Klostermelisse habe er damals doch nur erwähnt, weil die in just diesem Garten tatsächlich wachse.

Horst Stadtmann von der Alten Apotheke in Bottrop, der den besagten Garten betreibt, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ dagegen: „Bei uns gibt es keine Klostermelisse - und die hat es bei uns auch vor drei Jahren nicht gegeben.“ Der WDR bestätigt, dass Bankhofer auch dem Sender gesagt hat, in dem Garten wachse die Klostermelisse.

Eine Sprecherin des Senders sagte am Wochenende, der WDR werde nun nach weiteren Verdachtsmomenten in den Auftritten Bankhofers der vergangenen zwei Jahre suchen. Die anderen ARD-Sender haben bis zum Abschluss der Nachforschung ihre Zusammenarbeit mit Bankhofer ebenfalls ausgesetzt.

Außerdem kritisieren inzwischen Wissenschaftler Bankhofers Tipps. Gert Antes, der Leiter des Freiburger Cochrane-Zentrums, das die Qualität im Gesundheitswesen prüft, bezeichnete Bankhofers Aussagen jüngst als „geradezu gefährlich“. Beispielsweise Rauchern zu sagen, sie könnten sich mit Orangen und Paprikaschoten vor Krebs schützen, sei „sachlich falsch und damit schädlich“.

Und noch etwas stößt bei Experten auf Kritik. Bankhofer ist im laufenden Semester auch Dozent an der Leipziger Universität. Dort lehrt er laut Titel seines Seminars mit der Nummer 5-11 ganz offen: „Gesundheit und Ernährung: (Produkt-)PR in einem gesellschaftlich relevanten Bereich“. Er muss es ja wissen.



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