Von Carl Dietmar und Christian Hümmeler, 01.07.08, 16:12h, aktualisiert 01.07.08, 22:52h
Um den geplanten Neubau eines „Hauses und Museum der Jüdischen Kultur“ auf dem Kölner Rathausplatz soll es eine „möglichst breite Debatte“ geben - so der Wunsch von Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU). Man werde die fünf beim Architektenwettbewerb prämierten Entwürfe „öffentlich ausstellen und unmittelbar nach dem Ende der Sommerferien zu einer öffentlichen Diskussion einladen“, sagte Schramma gestern. In der vergangenen Woche hatte der OB den Siegerentwurf des Saarbrücker Architekturbüros Wandel Hoefer Lorch + Hirch im „Kölner Stadt-Anzeiger“ wegen seiner Dimensionen kritisiert.
„Ich halte die Beteiligung der Bürger an der Frage, wie künftig der Rathausplatz genutzt werden soll, für unverzichtbar und bin gleichzeitig überrascht, wie intensiv die Diskussion bereits von den Bürgern geführt wird“, sagte Schramma. Diese Diskussion ist wesentlicher Bestandteil des Ratsbeschlusses zum Jüdischen Museum vom Mai 2006. Mehrheitlich hatten SPD, Grüne, FDP und die Fraktion Die Linke beschlossen, dass für eine endgültige Realisierung des Museums auf dem Rathausvorplatz ein gesonderter Beschluss notwendig sei. Dieser hängt von mehreren Maßgaben ab - so solle etwa „wegen der besonderen Bedeutung des Verfahrens und der Standortfrage eine breite öffentliche Debatte stattfinden“. Die Diskussion solle abgeschlossen sein, bevor der Rat den endgültigen Realisierungs-Beschluss fälle, so der Oberbürgermeister gestern.
Unterdessen teilte das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW mit, dass Minister Oliver Wittke (CDU) seine Teilnahme an der Eröffnung der geplanten Ausstellung der fünf preisgekrönten Wettbewerbsentwürfe im Kölner Rathaus abgesagt habe, „aus terminlichen Gründen“, wie betont wird. Die Haltung des Landes zur Realisierung der Archäologischen Zone, des Vorzeigeprojekts der Regionale 2010, sei unverändert, so Ministeriums-Sprecherin Mirjam Grotjahn. Für das Bauvorhaben, das bedeutende Relikte aus Kölns römischer und mittelalterlicher Vergangenheit unter dem Rathausplatz, darunter Prätorium und Mikwe, in einen größeren Zusammenhang stellen und zugänglich machen soll, hat die Landesregierung - unter Federführung der Regionale 2010-Agentur - zehn Millionen Euro bereitgestellt. Das Geld wird aber nur ausgezahlt, wenn alle Qualifizierungskriterien der Regionale 2010 erfüllt sind.
Dass das Projekt Archäologische Zone nun in die - eher grundsätzliche - Diskussion um die oberirdische Bebauung des Rathausplatzes geraten ist, hat man in Düsseldorf, so hört man, mit Unbehagen registriert. In der Sitzung des Preisgerichts hatten die Ministeriumsvertreter nämlich den preisgekrönten Entwurf ausdrücklich gelobt. „Der Minister vertritt die Auffassung, dass die Stadt Köln sich entscheiden muss, was sie will“, sagt Grotjahn, „die Kölner müssen ihre Position klären, wie es mit dem Haus und Museum der Jüdischen Kultur weitergehen soll.“
Er könne „die Bedenken, die seit dem Ergebnis des Wettbewerbs hinsichtlich der problematischen Koppelung der Planungsverfahren zur Archäologischen Zone und des Jüdischen Museums geäußert werden, durchaus nachvollziehen“, sagte OB Fritz Schramma gestern: „Die von mir immer angemahnte Entkoppelung der beiden Projekt wäre gerade für die zügige Realisierung der Archäologischen Zone im Rahmen der Regionale 2010 außerordentlich hilfreich - ja sogar notwendig.“
Anders als die Archäologische Zone soll das Jüdische Museum durch Spenden des Trägervereins finanziert werden, für die es bislang nur Absichtserklärungen gibt. Nicht zuletzt deswegen gehörte die Entkoppelung der beiden Projekte seinerzeit zu den verbindlichen Vorgaben des Architektenwettbewerbs: „Die Archäologische Zone muss auch ohne das Jüdische Museum realisierbar und funktionsfähig sein“, heißt es im Auslobungstext. Dazu sollen einzelne Schutzbauten über Mikwe und Synagoge dienen, die auch unabhängig von einem Museumsbau zu realisieren sind. Der Siegerentwurf aber dient im Ganzen als Schutzbau, was der Vorgabe eben nicht völlig entspricht.
Das registriert auch der Vorprüfbericht, der sämtliche Einsendungen zum Wettbewerb vorab auf die Einhaltung der im Auslobungstext genannten Kriterien überprüft. Nach diesem Bericht, der dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, erfüllt der Siegerentwurf 20 von insgesamt 31 Kriterien. Zu den elf Kriterien, die als „nicht erfüllt“ gekennzeichnet sind oder zu denen es keine Aussage gibt, zählt eben jene zeitlich von der Archäologischen Zone unabhängige Realisierbarkeit. Ein „nicht erfüllt“ steht auch hinter der Forderung, die umliegenden Baudenkmäler nicht zu beeinträchtigen. Letzteres sei kein schwerwiegendes Problem, sagte Stadtkonservatorin Renate Kaymer gestern. Natürlich müsse der Entwurf noch modifiziert werden. Doch es sei durch wenige Handgriffe möglich, den geplanten Bau so zu verändern, dass es zu einem „tragfähigen Miteinander“ zwischen Alt und Neu komme und die Anforderungen des Denkmalschutzes erfüllt seien.
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