Von Monika Hillemacher, 03.07.08, 11:00h, aktualisiert 03.07.08, 11:57h
"Das läuft unbewusst ab", sagt Werner Warmbier aus Berlin, der über die Verführungskonzepte des Handels ein Buch geschrieben hat. Zwei Drittel aller Käufe werden unbewusst getätigt, schätzt Warmbier, früher Marketing-Professor an der Fachhochschule Osnabrück. Sehen, riechen, fühlen - werden die Sinne angesprochen, greifen Konsumenten eher zu, und Bilder von Äpfeln, Pfirsichen oder Limetten auf Erfrischungsgetränken suggerieren Frucht, Frische und "bessere Qualität".
Genauer hinsehen sollten Verbraucher auch bei Produkten mit verkaufsfördernden Hinweisen wie "Gesundheit". Und nicht immer sei "Diät" drin, wo das Wort draufsteht: Für Süßigkeiten oder Chips werden laut Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg oft Fett- und Zuckerwerte auf unrealistische Miniportionen heruntergerechnet. Oft machen solche Waren dann nur den Geldbeutel schlank.
Für die Auswahl nehmen sich aber nur wenige die nötige Zeit. Das Warenangebot nehmen Konsumenten in höchstens 1,6 Sekunden wahr, sagt Winfried Batzke, Geschäftsführer des Deutschen Verpackungsinstituts in Berlin. Deshalb seien augenfällige Verpackungen im Supermarkt der Standard. "Packungen für alle Lebenslagen", laute ein Trend, sagt Batzke: "Bei Softgetränken gibt es große Flaschen für Familien, kleine Gebinde für Singles und zierliche Flaschen für die Gastronomie."
Bestandteil der Kundenbeeinflussung sind auch angenehme Düfte. Das sogenannte Duft-Marketing soll an die fünf Prozent mehr Umsatz bringen. "Kaffee, Brötchen, Bratwurst, und es macht "Zack"", so beschreibt Werner Warmbier den Kauf-Reflex. Brötchenduft in Tankstelle animiert Autofahrer, spontan noch etwas Essbares mitzunehmen. Ähnliches bewirkt durchdringendes Kaffeearoma. Packungen sind dafür bisweilen mit Ventilen versehen, damit der intensive Geruch ausströmen kann.
Für Verbraucher gibt es nur ein Rezept, ihr Unterbewusstsein und Kaufreflexe unter Kontrolle zu behalten: Sie sollten sich klarmachen, dass die meisten Kaufentscheidungen unbewusst ablaufen, rät Warmbier. Er empfiehlt, Einkäufe zu planen und der spontanen Kauflust "Ratio, Wollen und Überlegen" entgegenzusetzen. Omas Einkaufszettel leistet dabei gute Dienste. (dpa/tmn)
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