Erstellt 12.07.08, 13:35h, aktualisiert 15.07.08, 13:26h
Rechtsextremen Gruppen dürfe kein Raum für ihre antisemitischen Parolen gegeben werden, erklärte das Bürgerbündnis "Bonn stellt sich Quer - Kein Fußbreit den Faschisten". Nach Auskunft eines Polizeisprechers blieb die Gegendemonstration bis zum Vormittag friedlich. Die Veranstaltung sollte während des ganzen Tages andauern. Dem Bündnis gehören Vertreter der Parteien, der Gewerkschaften, sozialer Initiativen und der Kirchen an.
Großeinsatz für Polizei
Es werde eine der größten Demonstrationen seit Jahren in Bonn geben, hatte Bonns Polizeipräsident Wolfgang Albers im Vorfeld gesagt. Die Bonner Polizei stehe vor einem schwierigen Einsatz. Zur Information von Anwohnern hatte sie Flugblätter mit Informationen und Hinweisen zu Ablauf und Organisation des Einsatzes verteilt. Das für diesen Tag eingerichtete Bürgertelefon wurde laut Polizeiangaben am Samstag bis 14.40 Uhr rund 150 Mal genutzt, auch in den Tagen zuvor waren bis zu 100 Anrufe täglich eingegangen.
Das Verhalten der Polizei während der Kundgebungen wurde allerdings von einigen Gegendemonstranten kritisiert. Gegenüber ksta.tv sagte der DGB-Vertreter Ingo Degenhardt, einer der Organisatoren der Veranstaltung: "Das Vorgehen der Polizei war aus meiner Sicht unverständlich hart".
Auf dem Messdorfer Feld, einer Freifläche zwischen Duisdorf und Endenich, hat die Polizei eine Einsatzstelle eingerichtet, um die Identität von mutmaßlichen Gewalttätern festzustellen. Laut einer Polizeisprecherin befanden sich dort gegen 15.30 Uhr etwa 75 festgenommene Teilnehmer der Demonstration. Hierbei werden jedoch nur solche Personen zur Personalienfeststellung festgehalten, die sich nicht ausweisen können oder wollen. "In Relation zur großen Teilnehmerzahl war die Demonstration jedoch relativ friedlich", heißt es.
Kirchenvertreter wettern gegen Neonazi-Ideologie
Die Ideologie der Neonazis sei menschenverachtend und mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar, erklärte der Superintendent der drei Bonner Kirchenkreise, Hans Joachim Corts auf der Kundgebung des Bürgerbündnisses. "Wir halten eurem braunen Menschenbild unser Menschenbild entgegen und sagen: Rassismus darf um Gottes Willen nicht sein", sagte Corts weiter. Er erinnerte in seiner Rede daran, dass die Ideologie des Nazismus vor fast 70 Jahren "Unrecht, Hass, Krieg, Vernichtung und Zerstörung von Deutschland aus in alle Welt getragen hat." Damals hätte die Evangelische Kirche in weiten Teilen geschwiegen. Das dürfe nie wieder geschehen.
Auch die Bonner Diakonie, die Schulreferate der umliegenden Kirchenkreise, der Marienforster Friedenskreis der Johanneskirchengemeinde Godesberg und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit beteiligten sich an der Gegendemonstration. Aus Protest gegen die Neonazi-Kundgebung hatten die Kirchen in Bonn bereits am Freitagabend ein ökumenisches "Gebet für Menschenwürde und Toleranz" veranstaltet.
Rechten-Demo gegen Jugendschutz-Prüfstelle
Die laut Polizeischätzung etwa 250 Neonazis sind ab den Mittagsstunden aus der entgegengesetzten Richtung, vom Duisdorfer Bahnhof aus, zum Kundgebungsort bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften marschiert. Nach Schätzungen von Beobachtern hatten sich auch etwa 500 Gegendemonstranten an der Strecke postiert; die Polizei spricht dagegen von etwa 100 Personen. In der Nähe des Startortes am Bahnhof errichteten die Rechtsextremen eine Mahnwache, die nach dem Passieren der Gesinnungsgenossen jedoch aufgelöst wurde. Das Eintreffen der Rechtsextremen am Zielort wurde für den späten Nachmittag erwartet.
Der Neonazi-Aufmarsch wurde vom rechtsextremen "Aktionsbündnis Mittelrhein" organisiert und richtete sich gegen die in Bonn-Duisdorf ansässige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. Die Bundesprüfstelle indiziert unter anderem Tonträger mit rechtsextremen Musiktiteln.
(bs, mit epd/dpa)
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