Von Hartmut Zitzen, 23.07.08, 10:06h
Steueranteil festgeschrieben
Der Grund dafür liegt auf der Hand: der Steueranteil von etwa neun Cent pro Liter LPG (Liquified Petroleum Gas; flüssiges Propan/ Butan) ist bis 2018 festgeschrieben, während nicht einmal die Ölmultis wissen, auf wie viel Euro bis dahin die Spritpreise geklettert sind. Und wo der Liter Benzin derzeit um 1,50 Euro kostet, tanken LPG-Fahrer an der Zapfsäule nebenan durchschnittlich für 72 Cent pro Liter. Ein Teil der Ersparnis geht zwar durch den etwa 20-prozentigen Mehrverbrauch wieder verloren, mittel- und langfristig macht sich eine Umrüstung dennoch bezahlt. Das beschert beispielsweise Marcus Beer seit Wochen und Monaten eine wahre Auftragsflut. Der Betriebsleiter von "Abart Autogas Service" an der Quettinger Straße berichtet von vier bis sechs Wochen Wartezeit für die Schlange stehenden Kunden - "und wir schaffen in unserem Betrieb immerhin vier Autos pro Tag". Dafür schwingen ständig sechs bis acht hauptsächlich polnische Mitarbeiter den Schraubenschlüssel, "alles Fachleute mit jahrelanger Berufserfahrung", so Beer, "weil Autogas in Polen, aber auch in Holland und Italien schon sehr viel länger in großen Mengen getankt wird als hier." Angesichts der großen Nachfrage haben Beer und Obermeister Irlenbusch auch schon erste Trittbrettfahrer geortet, die im Innungsbezirk mit Dumpingpreisen einen schnellen Euro machen wollen. "Eine gute Werkstatt", so Irlenbusch, "wird jeden Interessenten zunächst eingehend beraten und weiß zum Beispiel genau, welche Motoren für eine Umrüstung geeignet sind."
Bei älteren Fahrzeugen könne es durchaus zu Problemen mit den Ventilsitzen kommen, die den höheren Verbrennungstemperaturen von Autogas nicht standhielten. 2000 bis 2500 Euro müssten bei technisch einwandfreier Arbeit kalkuliert werden, beziffert Irlenbusch die zu erwartenden Kosten und rät dringend dazu, auf einer schriftlichen Gewährleistung des Anbieters zu bestehen - "eine Werksgarantie gibt es nämlich nur bei serienmäßig mit LPG ausgestatteten Neufahrzeugen".
Zwei Sparsysteme
Bei denen könnten die Kunden sogar zwischen verschiedenen Sparsystemen wie Bio-Ethanol oder Erdgas wählen. Bei einer nachträglichen Umrüstung sei wegen des erheblich geringeren Aufwands LPG aber am sinnvollsten. Anders als bei Erdgas (Methan), das mit rund 200 bar Druck gespeichert wird, muss der Autogastank, der meist in der Reserveradmulde untergebracht wird, nur fünf bis zehn bar aushalten. Sicherheitstechnisch hat der ADAC bei Crash- und Brandtests keinerlei erhöhtes Risiko festgestellt, und angesichts von derzeit fast 4000 Autogas-Tankstellen in Deutschland - davon gleich mehrere auch in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid - muss wohl niemand fürchten, unterwegs liegen zu bleiben. Zumal der Benzintank ja immer noch als Reserve bleibt.
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