Von Tobias Peter, 24.07.08, 14:35h, aktualisiert 24.07.08, 14:40h
Was zur Hölle hat das mit Barack Obama zu tun?
Die „Gilmore Girls“ und der Präsidentschaftskandidat der Demokraten haben viel gemeinsam. Denn sowohl den Serienfiguren als auch dem Politiker gelingt es wie kaum jemandem sonst, die amerikanische Art sympathisch zu vermitteln. Bei den Gilmores ist geht es um das typische US-Kleinstadtleben, bei Obama um die amerikanische Politik. Dank der Drehbuchschreiber gelingt es Lorelai und Rory, sich völlig ungesund zu ernähren, ohne in den Augen des TV-Zuschauers zum hässlichen amerikanischen Übergewichtigen zu werden. Nicht nur das: Wenn die Girls mit einem Sprit fressenden Jeep über die breiten Straßen fahren, ist das auch für den deutschen Zuschauer ein Ausdruck von Gemütlichkeit – und nicht etwa eine verachtenswerte Klimasünde. Wenn ihre Freunde noch nie das Ortsausgangsschild gefunden haben, wirkt dies in der Serie nicht wie die oft beklagte amerikanische Beschränktheit, sondern liebenswert heimatverbunden. Die „Gilmore Girls“: voll und ganz amerikanisch, aber von Europäern verehrt und geliebt.
So funktioniert auch Obama. Seine brillante Rhetorik, sein lockeres Auftreten und seine Begabung, vereinnahmend auf Menschen zuzugehen: All dies bewirkt, dass viele Deutsche und andere Europäer so begeistert von ihm sind, als hätte er in erster Linie ihre Interessen im Blick. Als ginge es ihm vor allem darum, ein besserer amerikanischer Präsident für Europa zu sein. Doch Obama reist nach Berlin, weil er sich davon viel für seine Präsidentschaftskandidatur verspricht. Sollte er US-Präsident werden, wird er knallhart zuallererst amerikanische Interessen im Blick haben.
Obama schließt Präventivkriege nicht aus
Egal, wie gut Barack Obama sich in der europäischen Öffentlichkeit verkauft: Gerade für die Deutschen wird es sehr schmerzhaft, wenn er ein größeres Engagement der Bündnispartner in Afghanistan einfordert. Und auch Obama wird – notfalls auch gegen den Willen der Europäer – eine starke amerikanische Führungsrolle in Anspruch nehmen. Als Präsident würde er zwar zweifellos stärker auf die Einbindung der wichtigen Verbündeten setzen, als George W. Bush dies im Irak-Krieg getan hat. In seinem Bestseller „Das Wagnis der Hoffnung“ betont Obama aber auch ausdrücklich, Amerika habe bei großen Gefahren das Recht zum eigenen Schutz unilateral zu handeln – und zwar bis hin zum Präventivkrieg. Ein bisschen George W. Bush steckt in jedem amerikanischen Präsidenten. Und in Obama steckt jedenfalls viel mehr Bush, als die meisten Menschen in Europa auch nur ahnen.
Auf George W. Bush haben viele Europäer zuletzt so allergisch reagiert, wie Vegetarier sich verhalten, wenn sie eine Schlachteplatte verspeisen sollen. Selbst wenn Bush in seinen letzten Monaten Politik ganz nach den Interessen und Vorstellungen Berlins und Brüssels machen würde, könnte er die Herzen der Europäer nicht mehr gewinnen. Die persönliche Ablehnung ist zu groß. Deshalb sind Obamas hervorragende Sympathiewerte eine riesige Chance für die deutsch-amerikanischen Beziehungen: ganz egal, was er letztendlich tut. Obama hat den Vorteil, dass er sich im Fall eines Wahlsieges wie ein ganz normaler Amerikaner verhalten kann, ohne dass die Europäer ihm das übel nehmen.
Obama ist eben ein „Gilmore Girl“.
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