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Mordanklage droht

Razzia gegen Neonazis in Hessen

Von Guido Heisner, 24.07.08, 18:38h, aktualisiert 24.07.08, 18:42h

Bei der groß angelegten Aktion in Nordhessen sind 13 Wohnungen durchsucht worden. Die Gruppe "Freie Kräfte Schwalm-Eder" soll in Verbindung stehen zu einem Überfall, bei dem ein 13 Jahre altes Mädchen lebensgefährlich verletzt worden war.

Neonazi-Aufmarsch
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In Nordhessen ist die Polizei gegen Neonazis vorgegangen. (Symbol-Bild: dpa)
Neonazi-Aufmarsch
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In Nordhessen ist die Polizei gegen Neonazis vorgegangen. (Symbol-Bild: dpa)
HOMBERG - Mit einer großangelegten Razzia sind Staatsanwaltschaft und Staatsschutz am Donnerstag in Nordhessen gegen die Neonazi-Gruppe "Freie Kräfte Schwalm-Eder" vorgegangen. Wie die Ermittler berichteten, wurden sieben Personen vorübergehend festgenommen. Bei insgesamt 13 Wohnungsdurchsuchungen stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter Computer, Nazi-Flaggen, nach dem Waffengesetz verbotene Gegenstände sowie Tausende Aufkleber.

Hintergrund der Razzia waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft Marburg mehrere in den vergangenen Monaten verübte Straftaten. Seit April soll die Neonazi-Gruppe im Schwalm-Eder-Kreis wiederholt Aufkleber auf Verkehrszeichen geklebt und ihr Logo aufgesprüht haben. Auch ein Raubüberfall Anfang Juni gehöre zu dem Ermittlungskomplex, hieß es.

Laut Staatsanwaltschaft stand die Razzia nicht in Zusammenhang mit dem Überfall auf ein linkes Jugendcamp am vergangenen Wochenende an einem See im Schwalm-Eder-Kreis.

Gleichwohl besteht eine Verbindung zu dem Überfall, bei dem ein 13-Jähriges Mädchen lebensgefährlich verletzt worden war. Denn nach Angaben des Hessischen Verfassungsschutzes wurde die Attacke von Tätern verübt, von denen einige dem Umfeld der "Freien Kräfte Schwalm-Eder" zugerechnet werden.

Wie am Donnerstag bekanntwurde, droht dem Hauptbeschuldigten des Überfalls eine Anklage wegen versuchten Mordes. Im Fall einer Verurteilung könnte der 19-Jährige damit sogar lebenslang hinter Gitter kommen. Die Kasseler Staatsanwaltschaft sieht Hinweise, dass bei der Tat die beiden Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe erfüllt sein könnten. Dies müssten die weiteren Ermittlungen aber noch bestätigen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hans-Manfred Jung.

Jung erläuterte, wer schlafende Camper mit einem Klappspaten und einer Bierflasche attackiere, handele heimtückisch. Wenn dies aus einer rechten Gesinnung heraus geschehe, müsse man außerdem über das Mordmerkmal niedrige Beweggründe nachdenken.

Der seit Montag wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft sitzende 19-Jährige hat in einer Vernehmung den Überfall zugegeben. Er gab an, aus einer rechtsradikalen Motivation heraus gehandelt zu haben. Der 19-Jährige gehört Medienberichten zufolge zum Umfeld des früheren hessischen NPD-Vorsitzenden Marcel Wöll.

Bei dem Überfall war auch der ältere Stiefbruder der lebensgefährlich verletzten 13-Jährigen verwundet worden. Die beiden Geschwister hatten in einem Zelt geschlafen, in das der 19-Jährige früh morgens eindrang. Im Zelt soll der 19-Jährige dann mit diversen Gegenständen auf das Mädchen eingeschlagen haben. (ddp)



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